boerse am sonntag - headline

Cannabis: Canopy Growth expandiert

Cannabis-Legalisierung treibt Expansion von Canopy Growth voran. (Foto: Lifestyle_discover / shutterstock.com)


Canopy Growth ist der weltweit größte Hersteller und Vertreiber von qualitativ hochwertigem medizinischem Cannabis. Mit der zunehmenden Akzeptanz und Legalisierung von Cannabis baut das Unternehmen nun weltweit seine Präsenz aus – auch auf dem deutschen Markt.

Eine Analyse von Vontobel

Canopy Growth ist ein in kanadisches Unternehmen, dessen Stammaktien an der TSX und an der NYSE notieren. Es ist das erste Cannabisunternehmen in Nordamerika, das an der Börse gehandelt wurde. Die Hauptgeschäftsfelder sind die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von Cannabis. Das Unternehmen expandiert auch in Länder außerhalb Kanadas, in denen die Produktion, der Vertrieb und der Verkauf von Cannabis ebenfalls legal sind. Derzeit operiert der Cannabis-Konzern in 15 Länder auf fünf Kontinenten. Über ihre teilweise eigene Tochtergesellschaft Canopy Rivers stellt das Unternehmen außerdem Kapital und eine Plattform zur Verfügung, die Investitionen im globalen Cannabissektor tätigt, wo dies rechtlich zulässig ist. Das Unternehmen unterstützt zudem innovative Forschung, teilt seine fachliche Expertise mit praktizierenden Ärzten und Apothekern und setzt sich weltweit für die Akzeptanz von Cannabis ein.

Canopy Growth hat als erstes kanadisches Unternehmen die Lizenz erhalten, Cannabis in New York anzubauen und zu verarbeiten. Zwar sind der Anbau, der Handel und der Konsum von Cannabis in den USA auf Bundesebene verboten, allerdings können einzelne Bundesstaaten eigene Gesetze erlassen – wie der Bundesstaat New York, der Hanf und Cannabidiol nun legalisierte. Canopy Growth plant nun, seine Investitionen mit bis zu USD 100 bis 150 Mio. in New York auszubauen. Der amerikanische Markt bietet enormes Potential, um zusätzliche Umsätze zu generieren und um die Markenbekanntheit zu steigern.

Cannabis auf dem Weg zur Legalisierung

Seitdem Cannabis in Kanada legalisiert wurde ist die Marktgröße exponentiell angewachsen und hat sich für erwachsene Freizeitnutzer geöffnet. Laut Deloitte Canada wird erwartet, dass der kanadische Cannabismarkt - einschließlich medizinischer, illegaler und legaler Konsum - im Jahr 2019 einen Umsatz von bis zu 7,17 Milliarden US-Dollar erzielen wird. Darunter entfallen zirka 4,34 Milliarden Dollar auf den legalen Freizeitmarkt. Es wird erwartet, dass medizinisches Cannabis zusätzliche 0,77 bis 1,79 Milliarden Dollar generiert, wobei der illegale Markt zusätzliche 0,51 bis 1,04 Milliarden Euro einbringt. CEO Bruce Linton erwartet, dass der legale Gesamtkonsum um bis zu 35 Prozent steigen wird, vor allem, weil sich neue Verbraucher für den legalen, und nicht für den illegalen Konsum entscheiden.

Somit ist die Cannabisindustrie mit zunehmender Legalisierung in den Mainstream angelangt, vor allem, weil Konsumenten von medizinischem Cannabis profitieren. Daher wäre es für die Regierungen nicht sinnvoll, Gesetze aufzunehmen, die den Cannabiskonsum verbieten. Linton glaubt zudem, dass medizinisches Cannabis immer beliebter werden wird, weil klinische Studien den Nutzen bei Angstzuständen, Schmerzbehandlungen und Anwendungen der Tiergesundheit belegen. In den nächsten Jahren wird sich auch der Freizeitmarkt ändern, da andere G20-Länder dem kanadischen Vorbild folgen, wenn sie die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen eines gut regulierten Marktes sehen, berichtete die boerse.ARD.de.

Canopy Growth übernimmt das deutsche Unternehmen Storz & Bickel

Im Dezember 2018 erwarb Canopy Growth den Tuttlinger Vaporizerhersteller Storz & Bickel GmbH & Co. KG für 145 Millionen Euro. Der kanadische Marihuana-Züchter übernimmt damit den weltweit führenden Anbieter von Vaporisatoren (Verdampfer) für die Inhalation von Cannabinoiden (eine Substanz, enthalten in Hanfpflanzen). Storz & Bickel ist ein Pionier in seiner Branche und der weltweit einzige Hersteller zertifizierter Vaporisatoren. Das Unternehmen vertreibt Geräte in mehr als 50 Märkte weltweit.

Mit der Übernahme baut Canopy Growth seine europäische Präsenz aus. Das kanadische Unternehmen hat sich schon Ende 2016 durch den Kauf der Firma Spektrum Cannabis GmbH in den deutschen Markt eingekauft. Das deutsche Tochterunternehmen war das erste Unternehmen, das hierzulande eine Importgenehmigung für medizinisches Cannabis aus Kanada erhielt und es verfügt über die bisher einzige Herstellerlizenz in Deutschland und operiert unter entsprechend strengen Richtlinien.

Seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Von dem Anstieg der Patientenzahl profitierten vor allem ausländische Cannabisunternehmen wie Canopy Growth, das momentan den deutschen Cannabismarkt dominiert. Es sind zwar deutsche Unternehmen in der Cannabisindustrie tätig, jedoch nicht in der Produktion und beim Anbau von Cannabis. Denn in Deutschland gibt es derzeit keine Rechtsgrundlage für die Produktion, weshalb der Fokus deutscher Unternehmen nicht auf dem Cannabis-Anbau liegt, sondern auf der Entwicklung neuer Technologien.

Alkohol-Gigant Constellation Brands investiert in Canopy Growth

Im Herbst 2018 hat der Hersteller von alkoholischen Getränken Constellation Brands 3,8 Milliarden Dollar in Canopy Growth investiert und damit seinen Anteil auf 38 Prozent an dem kanadischen Marihuana-Produzenten mit einem Börsenwert von 21,6 Milliarden Euro erhöht. Die beiden Unternehmen arbeiten nun an einer Entwicklung von hanfbasierten Getränken.

Constellation Brands produziert und vertreibt alkoholische Getränke in Nordamerika, Europa, Australien und Neuseeland. Das Unternehmen verfügt über eine Markenvielfalt in den Kategorien Wein, Bier und Spirituosen. Dessen bekannteste Marke ist Corona. Constellation Brands führt seine Geschäfte über hundertprozentige Tochtergesellschaften sowie über eine Vielzahl von Joint Ventures mit verschiedenen anderen Unternehmen. Constellation Brands vertreibt seine Produkte in 100 Ländern und ist der weltweit größte Premium-Weinproduzent und der drittgrößte Biervertrieb der USA. Mehr als 90 Prozent des Umsatzes wird in den USA und erwirtschaftet, berichtete Bloomberg.


01.03.2019 | 09:53

Artikel teilen: