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Ölpreis übersrpingt die 50-US-Dollar-Schwelle

Öl ist gefragter als noch zu Jahresbeginn - gleichzeitig gibt es weltweit Probleme mit der Förderung. Jetzt rechnen sich die unzähligen Barrel, die sich in den letzten Monaten angestaut haben. (Foto: Troy Stoi/freeimages.com)

Öl ist gefragter als noch zu Jahresbeginn - gleichzeitig gibt es weltweit Probleme mit der Förderung. Jetzt rechnen sich die unzähligen Barrel, die sich in den letzten Monaten angestaut haben. (Foto: Troy Stoi/freeimages.com)

Die Ölförderer atmen auf: 50 US-Dollar kostet das Barrel wieder. (Bild: Royal Dutch Shell)


So viel wert war ein Barrel Öl zuletzt im Oktober 2015: Nach den extremen Einbrüchen des Ölpreises ist der Rohstoff wieder auf Erholungskurs. Jetzt wurde nach drei guten Tagen in Folge die wichtige 50-Dollar-Marke locker genommen. Doch wie lange hält der Trend?

Zum Jahresbeginn gab es alle möglichen Untergangszenarien. Die Preise für Brent- und WTI-Öl waren zeitweise unter 30 US-Dollar gefallen. Politische Krisen, ein harter Konkurrenzkampf mit Rekordfördermengen und die Rückkehr des Iran an den internationalen Markt sorgten für Unruhe an den Rohstoffmärkten und vermiesten reihenweise die Bilanzen von Industriekonzernen. Autofahrer hingegen freuten sich monatelang sich über etwas ermäßigte Spritpreise.

Nun also 50 US-Dollar! So viel wert war ein Barrel Öl zuletzt im Oktober 2015: Nach den extremen Einbrüchen des Ölpreises ist der Rohstoff wieder auf Erholungskurs. Jetzt wurde nach drei guten Tagen in Folge die wichtige 50-Dollar-Marke locker genommen. Doch wie lange hält der Trend?

Eigentlich ist die Erklärung für den rasanten Wiederanstieg der Ölpreise einfach: Es gibt weniger Angebot und mehr Nachfrage als noch im Januar. Ersteres ist unter anderem auf Krisen und bewaffnete Konflikte in Ländern wie Nigeria und Libyen zurückzuführen, wo die Infrastruktur zur Ölförderung immer wieder zerstört wird oder in die Hände von Milizen fällt. Auch die Staatskrise im OPEC-Land Venezuela, in dem bei vielen Unternehmen alles stillsteht, trägt ihren Teil dazu bei. 

Zwischen Wucher und Spottpreisen: Die goldene Mitte?

Dritter Faktor sind die weiter andauernden Waldbrände in der kanadischen Provinz Alberta. Zwar hat das gigantische Feuer von Fort McMurray abgelassen. Die Flammen bedrohen allerdings weiterhin die wichtigsten Fördergebiete für den Ölsand, der die Kleinstadt so reich machte - und sorgen zugleich dafür, dass 8.000 Arbeiter evakuiert wurden. 

Unterdessen verdichteten sich in letzter Zeit die Anzeichen, dass die weltweite Nachfrage im Aufwind ist, etwa durch den Aufstieg Indiens zum laut Internationaler Energieagentur (IEA) wichtigsten Wachstumsmarkt für Öl. Das und weitere Faktoren könnten also dazu führen, dass die Ölpreise nicht wieder auf 30 US-Dollar abstürzen, sondern sich in mittlerer Höhe einpendeln. 

Auf der anderen Seite sind Preise wie früher, die schon mal über 100 US-Dollar je Barrel ragten, eher unwahrscheinlich. Doch wie sicher ist das schon, mag man nun mit den gleichen Argumenten behaupten, wenn man doch die Krisen der Welt nicht vorhersagen kann - und lösen offenbar mittelfristig auch nicht. Marius Mestermann

20.05.2016 | 16:01

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