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Ölpreis vor Anstieg – wann kommt der Short Squeeze?

Ölaktien werden reagieren, wenn der Rohstoff Öl im Wert steigt.

Der Ausverkauf beim Rohöl wird enden. Aber wann? (Bild: Handelsblatt)


Am Ölmarkt herrscht derzeit Panik. Die übergeordnete langfristige Talfahrt setzte sich zum Start in das neue Börsenjahr 2016 mit beschleunigter Dynamik fort. Plausibel anmutende Gründe für den Ausverkauf gibt es zuhauf. Allerdings wirkt die aktuelle Verkaufswelle stark übertrieben. Das könnte für eine Stabilisierung in absehbarer Zeit sprechen. Denkbar ist sogar eine kräftigere Gegenbewegung – Stichwort: Short-Squeeze.

 

Schon seit längerem geben beim Ölpreis die Bären den Ton an, weil weltweit mehr von dem Rohstoff produziert wird als benötigt. Hinzu kommen eine nur mäßig brummende Weltwirtschaft und ein starker US-Dollar. Alles zusammen belastet den Kurs. Mussten im Juni 2014 für das US-Öl WTI noch mehr als 100 US-Dollar je Barrel bezahlt werden, verbilligte sich der Preis zunächst bis Januar 2015 auf knapp 44 US-Dollar. Es folgte eine Bodenbildung, der sich ausgehend vom Tief im März eine Erholung auf mehr als 62 US-Dollar anschloss. Seit Mitte 2015 ist die Tendenz jedoch wieder klar abwärtsgerichtet. Zwar beruhigte sich zum Jahresende die Lage etwas, das neue Börsenjahr begann jedoch mit einer fortgesetzten und dabei beschleunigten Talfahrt. Innerhalb von nur sieben Handelstagen brach der WTI-Preis um fast 20 Prozent ein.

Der aktuelle Front-Monat-Kontrakt, der Februar-Future, rutschte dabei am Montag in der Spitze auf 29,93 US-Dollar je Barrel abwärts. Erstmals seit Dezember 2003 kostete ein Barrel des fossilen, für die Wirtschaft essenziellen Schmierstoffs, damit weniger als 30 US-Dollar. Mit dem Einbruch zu Jahresbeginn 2016 wurde zudem das Krisentief von Januar 2009 unterschritten. Ebenfalls abwärts zeigt die Tendenz beim europäischen Brent-Öl. Auch hier war zuletzt ein dynamischer Rückgang erkennbar, mit der die übergeordnete Talfahrt fortgesetzt wurde.

Erhöhter Absicherungsbedarf

Die jüngste panikartige Entwicklung bei den Ölpreisen wurde begleitet von einem gestiegenen Absicherungsbedarf bei den Marktteilnehmern. Das lässt sich beispielsweise sehr gut an dem Öl-Volatilitätsindex OVX ablesen, der von der Terminbörse CBOE ermittelt wird. Basis der Berechnungen sind die Preise für die Optionen auf den Öl-ETF United States Oil Fund (Symbol: USO). Seit Jahresbeginn ist der OVX um fast 44 Prozent auf in der Spitze mehr als 67 Punkte nach oben geschossen. Ein steigender OVX ist Ausdruck steigender Optionspreise, was wiederum den erhöhten Bedarf nach Optionen zur Absicherung verdeutlicht und damit die insgesamt schlechte Stimmungslage unterstreicht.

Der jüngste Einbruch kam dabei für viele Beobachter und Analysten überraschend. Reihenweise korrigieren sie nun ihre Preisziele für das Jahr 2016 nach unten. Zudem häuften sich die negativen Einschätzungen bezüglich der weiteren Entwicklung. Jüngst gab es sogar Prognosen, wonach die Ölpreise auf 20 oder 10 US-Dollar je Barrel fallen könnten. Natürlich können sie dies. Allerdings sollte man sich fragen, wie wahrscheinlich das ist. Schaut man sich die aktuellen Optionspreise auf den WTI-Future Dezember 2016 an, beträgt die darin von den Marktteilnehmern eingepreiste Wahrscheinlichkeit von 20 US-Dollar zum Jahresende gerade einmal 0,04 Prozent. Das ist zwar nur eine Momentaufnahme, dennoch sollte man angesichts dieser Fakten die Kirche im Dorf lassen.

Antizyklisch denken

Natürlich wirkt die letzte Verkaufswelle dramatisch. Und sie könnte sich durchaus fortsetzen. Aber niemand weiß, wie sich der Preis in Zukunft tatsächlich entwickeln wird. Der jüngst sehr deutliche Rückgang mutet jedoch stark übertrieben an. Hinzu kommt das derzeit extrem bärische Sentiment. Man muss sich nur die panischen Schlagzeilen in den einschlägigen Medien anschauen. Alle Welt macht sich Sorgen wegen der fallenden Ölpreise. Stimmung und Prognosen sind düster. Gerade bei einer solchen Gemengelage sollte Anleger jedoch aufhorchen und antizyklisch denken. Aus der aktuellen massiven Übertreibungsphase auf der Unterseite, in der sich die Märkte zweifelsohne befinden, lässt sich zwar kein Long-Signal ableiten.

Allerdings könnte die aktuell pessimistische Stimmung ein Indiz dafür sein, dass der Ausverkauf in Bälde enden könnte und eine Phase der Stabilisierung folgt. Ferner vorstellbar ist eine dynamische Gegenbewegung, weil extrem viele Spekulanten derzeit auf weiter fallende Notierungen wetten. Bei einer beginnenden Erholung dürften sie verstärkt gewillt oder gezwungen sein, ihre Short-Positionen glatt zu stellen, was, sollte dann der Herdentrieb einsetzen, zu einer kleinen Rallye Stichwort: Short-Squeeze führen könnten.

15.01.2016 | 10:10

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