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Alpha-Strategien für Profis



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Ein Blick in die Neuemissionslisten zeigt, dass Alpha-Zertifikate kaum noch eine Rolle spielen. Vielfach wird der Begriff sogar vermieden. Dabei ist der Name vielen Anlegern ein Begriff. Doch statt, wie von den Anlegern erwartet, Gewinne in jedem Umfeld zu liefern, brachten die Newcomer des Jahres 2006 meist Verluste in steigenden und fallenden Märkten. Um die Produkte richtig einordnen und letztlich auch einsetzen zu können, ist es zunächst einmal wichtig, ihre Funktionsweise zu verstehen.

So funktionieren Alpha-Zertifikate

Das Alpha steht an den Finanzmärkten für eine systematische Überrendite im Vergleich zum Gesamtmarkt. Letzterer wird in der Praxis meist durch einen Benchmark-Index abgebildet. Aus diesem Prinzip ergibt sich dann auch die Funktionsweise der Alpha- Zertifikate: Bei diesen Papieren geht es ausschließlich um die relative Wertentwicklung von zwei verschiedenen Basiswerten innerhalb eines definierten Zeitraums. Die absolute Performance des Basiswerts ist daher bei der Grundform unerheblich. An einem definierten Stichtag wird dann entweder ein fixer Bonusbetrag oder die prozentuale Outperformance ausbezahlt. Alpha-Strategien verfolgen also das Ziel, das Marktrisiko zu eliminieren und die Wertentwicklung eines Investments vom Gesamtmarkt abzukoppeln. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von marktneutralen Strategien.
Das müssen Anleger wissen

Aus diesem Konzept ergeben sich zwei wichtige Erkenntnisse: Zum einen müssen beide Basiswerte aus der gleichen Assetklasse stammen. Ein Produkt, welches die relative Performance eines Rohstoffindex zu einem Aktienindex abbildet, ist demnach kein Alpha-Produkt, da beide Märkte ein unterschiedliches Marktrisiko aufweisen. Zum anderen muss sich der Anleger darüber im Klaren sein, dass sich eine direkte Long-Strategie in einer Hausse beziehungsweise eine direkte Short-Position in einer Baisse immer besser entwickelt als ein Relative-Value-Ansatz. Bezogen auf den Aktienmarkt lässt sich die Anlageidee einer marktneutralen Strategie daher so formulieren: Der Anleger muss einerseits an das Potenzial von Einzelaktien glauben, anderseits aber gegenüber dem Gesamtmarkt eher pessimistisch eingestellt sein. Ein typisches Beispiel für eine marktneutrale Strategie ist die Spekulation darauf, dass sich ein Index, der ausschließlich dividendenstarke Titel abbildet, stärker entwickelt als der Gesamtmarkt. Da Value-Titel langfristig nachweislich tatsächlich besser performen als der marktbreite Durchschnitt, ist die Auswahl entsprechender Paare grundsätzlich aussichtsreich. Viele Investoren, die das Platzen der New-Economy Blase noch in Erinnerung hatten, fanden daher Anfang 2006 an der vermeintlich risikoarmen Strategie Gefallen.

Verpasster Aufschwung

Just in diesem Jahr (2006) setzte jedoch eine Hausse ein, die bis Ende 2007 andauern sollte. Mit simplen Indexinvestments war in dieser Phase einfach deutlich mehr zu verdienen. Dazu kam, dass europäische Dividendentitel – entgegen dem langfristigen Trend – signifikant hinter den boomenden Leitindizes zurückblieben. Mit dem Ergebnis, dass die hoch gelobten Neulinge, insbesondere zwischen Anfang und Ende des Jahres 2007, deutlich ins Minus gerieten: So beispielsweise der Europe Alpha Generator (WKN BVT7EA), der in diesem Zeitraum rund 30% verlor. Noch schlimmer traf es teilweise die Alpha-Zertifikate mit Express-Mechanismus. Sie kombinieren die Alpha-Struktur mit dem bekannten Express-Mechanismus und bieten damit die Chance, schon vor Ende der Laufzeit eine positive Rendite – in Form einer Bonuszahlung – zu erzielen. Letztere richtet sich danach, ob der gewählte Basiswert an einem festgelegten Stichtag besser abschneidet als der entsprechende Vergleichwert. Ein Beispiel für ein solches Produkt ist das im Mai 2007 emittierte Outperformance Express Zertifikat (WKN UB96A6) der UBS. Hier treten der DJ EURO STOXX Select Dividend 30 Index und der DJ EURO STOXX 50 Index gegeneinander an. Weil der Dividendenindex, dank des vergleichsweise hohen Anteils an Finanztiteln deutlich stärker gefallen ist als der europäische Bluechip-Index, geriet das Papier bis Ende 2008 in der Spitze bis zu 30% ins Minus.

Der Teufel steckt im Detail

Doch damit nicht genug. Einige Anleger wurden auch deshalb auf dem falschen Fuß erwischt, weil die Details der Indexberechnung äußerst komplex gestaltet waren. In der Praxis muss der Anleger nämlich nicht nur genau darauf achten, ob die zugrunde liegenden Indizes Kurs- oder Performance-Indizes sind, sondern auch wie diese jeweils berechnet werden: „Bei reinen Kurs-Indizes werden Dividenden im Rahmen der Indexberechnung nicht berücksichtigt. Da der Unterschied zu Performance-Indizes durchaus bis zu 3% betragen kann, sind Dividendenindizes, die nur auf Kursbasis berechnet werden, gegenüber der Standard-Benchmark dann im Nachteil, wenn dies nicht beim Pricing der Zertifikate berücksichtigt und somit ausgeglichen wird“, so Lutz Johanning, Professor für empirische Kapitalmarktforschung an der WHU in Vallendar, in einem Interview.

Profis setzen auf marktneutrale Strategien

Doch wer Alpha-Produkte nun in ihrer Gesamtheit abschreibt, begeht einen Fehler. Denn richtig ausgewählt und eingesetzt, können marktneutrale Zertifikate durchaus lukrative und vor allem risikoarme Investments darstellen. Erfolgreich ist hier beispielsweise ABN AMRO mit einem rein statistischen Ansatz. Die Niederländer haben mittels Backtesting herausgefunden, dass nur einige wenige, besonders positive Handelstage für den Großteil der jährlichen Wertentwicklung des DAX – aber auch von Dow Jones, Nikkei und anderen Börsenindizes – verantwortlich sind. Aus diesem Grund wird nur an diesen Tagen in die entsprechenden Underlyings investiert. Die restliche Zeit liegt das Geld auf Tagesgeldkonten. Das Ergebnis (z.B. WKN ABN2GB) kann sich durchaus sehen lassen: In den letzten 12 Monaten hat das Papier immerhin 11% gewonnen – bei einer deutlich geringeren Schwankungsbreite als der des DAX. Dass Alpha-Strategien auch von Profis eingesetzt werden, wurde im Zuge der missglückten VW-Übernahme in den Fokus der Öffentlichkeit gezerrt. Weil die stimmberechtigten VW-Stammaktien durch den Übernahmekampf in aberwitzige Höhen katapultiert wurden, während die Vorzugsaktien gleichzeitig weiter dahin dümpelten, witterten einige Großinvestoren die Chance auf schnelles Geld. Sie wetteten darauf, dass sich das Gap wieder verkleinern würde. Die dramatischen Folgen sind bekannt. Das Pikante daran, mittlerweile gibt der Markt den Spekulanten recht. Privatanleger, die es den Profis mit dem Volkswagen Spread Tracker der RBS (WKN AA120K) gleichgetan haben, können sich über Gewinne von rund 14% im Jahr 2009 freuen.

Fazit:

Alpha-Produkte können zu einer Reduzierung oder vollständigen Eliminierung des Marktrisikos beitragen, allerdings holt sich der Anleger dafür ein Strategierisiko ins Depot. Denn wenn die mit dem Zertifikat verbriefte Strategie nicht aufgeht, diese also schlechter abschneidet als die Benchmark, dann kommt es auch hier zu Verlusten. Gewinne ohne Risiko sind schlichtweg nicht zu haben. Anlegern, die eine klare Meinung zur Entwicklung bestimmter Positionen haben, eröffnen die Produkte jedoch den kostengünstigen Zugang zu einer vergleichsweise risikoarmen Strategie.

15.12.2009 | 00:00

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