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Auf den Spuren von Elon Musk

Sieht so der Van der Zukunft aus? (Foto: Canoo)



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Über 30 Jahre lang war Ulrich Kranz Manager bei BMW. Dann gründete er in Los Angeles Canoo. Nun strebt der Elektroauto-Entwickler an die Börse.

Die Tesla-Show stellt an den Märkten derzeit alles andere in den Schatten. Am Donnerstag übersprang der Kurs des E-Auto-Pioniers die Kursmarke von 2.000 US-Dollar. Das impliziert einen Börsenwert von rund 360 Milliarden Dollar und entspricht ungefähr der achtfachen Marktkapitalisierung von Daimler. An der Börse ist eine echte E-Auto-Euphorie entbrannt, gepaart mit einer nie da gewesenen Lust auf Zukunft. Alles, was irgendwie neu und modern klingt und am besten auf viel Technologie setzt, wird aktuell gekauft.

Einen besseren Zeitpunkt für einen Börsengang kann man – trotz Krise – kaum finden. Das haben sie sich wohl auch bei Canoo gedacht. Der Elektroauto-Entwickler aus Los Angeles strebt aufs Parkett, indem er sich mit der Hennessy Capital Acquisition Corp., die Bereits an der Börse notiert ist, zusammenschließt. Ein beliebtes, weil probates Mittel, um möglichst zügig den Sprung an den Markt zu schaffen. Auch die zuletzt vermehrt in die Schlagzeilen geratene Brennstoffzellen-Firma Nikola ist diesen Weg gegangen. Der Sportwagenhersteller Fisker ebenfalls. Ende 2020 soll der Zusammenschluss besiegelt sein. Alles in allem erwarten sie sich bei Canoo Erlöse von rund 600 Millionen US-Dollar.

Kranz wirkte bereits entscheidend an der Entwicklung der BMW-Modelle i3 und i8 mit

Für den deutschen Mitgründer und Chef Ulrich Kranz ist das ein weiterer Meilenstein in seiner beeindruckenden Karriere. Und gleichzeitig der nächste bedrohliche Weckruf in Richtung der Autohersteller hierzulande. Kranz war über 30 Jahre lang Manager bei BMW. Er hat den bayerischen Premiumkonzern mit geprägt, Spuren von Kranz finden sich noch heute fast überall im Unternehmen. Als Tesla und Elon Musk noch kaum jemand kannte, entwickelte Kranz in München den BMW i3. Eines der ersten E-Autos, das in Serienproduktion ging. Auch am E-Sportwagen i8 war Kranz beteiligt. Allein, er war seiner Zeit voraus. BMWs i-Modelle blieben Exoten, die Elektrifizierung spielte bei den deutschen Autoherstellern weiter nur eine untergeordnete Rolle. Der Rest ist Geschichte.

Ende 2016 verließ Kranz BMW und ging in Kalifornien seinen eigenen Ideen nach. Mit Canoo will er nun bis 2022 die ersten Fahrzeuge auf die Straße bringen. Der Fokus liegt auf einer einheitlichen technischen Plattform für Autos, Kleinbusse und Nutzfahrzeuge. Vorzeigeprodukt soll der Canoo-Van werden. 4,42 Meter lang, 1,89 Meter breit, 1,84 Meter hoch, rund 300 PS stark und 200 Stundenkilometer schnell, soll er bei einer Reichweite von 400 Kilometern das Zeitalter der SUVs beenden. Via Abo-Modell will man die junge Generation ansprechen.

Vieles davon klingt noch nach einem Nischenprodukt. Aber bei BMW will man sich vermutlich gar nicht ausmalen, was passiert wäre, hätte man die damalige Nische um i3 und i8 ein bisschen ernster genommen und ausgebaut. Kranz jedenfalls bleibt seinem Vorreiter-Tun mit Canoo treu. Der Tesla-Hype dürfte für die nötige Motivation sorgen.

OG

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21.08.2020 | 11:11

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