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Disney Aktie – Pandemiegewinner im Tal der Tränen?

(Foto: AFM Visuals / Shutterstock)



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Da der S&P 500 in diesem Jahr fast 19 Prozent verloren hat, ist es kein Wunder, dass viele Aktien tief im Minus liegen. Auffällig ist jedoch, dass einige Pandemiegewinner ihre gesamten Gewinne der letzten Jahre wieder abgegeben haben. Disney ist einer der Verlierer.

Von Konstantin Oldenburger, Marktanalyst CMCMarkets

Bei Disney schien in den letzten 3 Jahren alles richtig zu laufen. Doch trotzt Einführung eines erfolgreichen Streaming-Service Dienstes, der Wiedereröffnung der boomenden Themenparks und einiger Kino-Blockbuster steht es in diesem Jahr schlecht um die Disney Aktie. Darüber hinaus entschied sich der Aufsichtsrat im November, dass der ehemalige CEO Bob Iger den Konzern erneut übernehmen soll, um den glücklosen Bob Chapek abzulösen, der nach einer Reihe von Fehltritten während seiner Amtszeit entlassen worden war. Der Wechsel an der Spitze könnte einen bedeutenden Strategiewechsel auslösen.

Wird Disney schlanker?

Immer mehr Analysten sind der Meinung, dass Disney im kommenden Jahr seine Konzern-Struktur verschlanken sollte. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Konzernteile wie die Sportsparte ESPN oder der Fernsehproduzent ABC als eigenständige Unternehmen ausgliedern werden könnten. ESPN, traditionell die Cash-Cow, ist jedoch nicht global tätig und gehört angesichts der Tatsache, dass sich die linearen und sportlichen Trends schnell ändern, kostspielig sind und nicht zum Kernprodukt von Disney gehören.

Eine weitere Möglichkeit Wert für die Aktionäre zu schaffen, wäre ein Verkauf der Zwei-Drittel-Beteiligung am Streaming-Dienst Hulu an Comcast, dem das andere Drittel gehört.  Comcast-CEO Brian Roberts hat bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass er den Rest kaufen würde, wenn Disney seinen Anteil verkaufen will und sich die beiden Unternehmen einigen. Der Verkauf der Hulu-Beteiligung würde die Bilanz stärken und dem Unternehmen neue Möglichkeiten bieten, anders zu navigieren.

Es scheint klar zu sein, dass die Summe der verschiedenen Unternehmensteile von Disney viel mehr wert sind als das Ganze. Eine Möglichkeit in der Zukunft wäre also, wenn Disney die Anteile an und Hulu und/oder ESPN verkauft.

Konsolidierung der Streaming-Branche bisher eher unwahrscheinlich

Angesichts der sich abschwächenden makroökonomischen Bedingungen dürfte eine Konsolidierung unter den Streaming-Plattformen, die angesichts der stagnierenden Abonnentenzahlen bei einigen der großen Akteure der Branche, eher unwahrscheinlich darstellen.

Die Gefahr einer Rezession und damit eine Abschwächung der Werbemärkte dürfte, für Fusionen und Übernahmen mit hohen Prämien keinen Sinn ergeben.

Die Entwicklung der Streaming-Plattform Aktien in den letzten 12 Monaten sprechen dafür Bände. Disney Aktien verloren in diesem Jahr 42 % an Wert, bei Netflix sind es 48 % und Paramount halbierte sich.

Avatar-Fortsetzung enttäuscht bisher an den Kinokassen

Der neue Kino-Blockbuster „Avatar: Der Weg des Wassers" konnte die jüngste Talfahrt der Disney Aktie bisher ebenfalls nicht stoppen. Zumindest bis jetzt. Die Blockbuster-Fortsetzung und einer der teuersten Filme in der Geschichte Hollywoods ist an seinem Eröffnungswochenende hinter dem Hype zurückblieben. Avatar spielte in den USA 134 Millionen USD ein und hatte den zweitbesten Start eines Films in diesem Jahr. Allerdings blieben die Erlöse unter den erhofften 150 Millionen USD zum Filmdebüt. Die Aktie ist damit auf dem Weg zum schlechtesten Jahr seit 1974.

Wie könnte es mit der Disney Aktie weitergehen?

Der Anstieg der Disney Aktie seit dem Tief während der Finanzkrise 2009 sorgte für Kursgewinne von über 1,200 %. Ein wahrer Traum für jeden langfristigen Anleger. Mittlerweile bröckelt jedoch die Performance und der Kurs nähert sich dem Corona-Tief bei 79,07 USD. Gleichzeitig befindet sich bei 75,78 USD das 38%-Retracement des besagten Anstieges. Diese Zone dürfte für den Disney Kurs von zentraler Bedeutung sein. Eine Stabilisierung in diesem Bereich könnte eine Kurserholung in Richtung 126 USD und 154 USD ergeben.  Allerdings könnte ein Durchbruch unter diese Zone weitere Verkäufe mit sich bringen und den Kurs in Richtung 55,77 USD und 43,04 USD drücken. Ob dies über den Umweg einer Erholung oder auf direktem Weg passieren könnte, lässt sich jedoch nicht konkreter beschreiben. Eine Fortsetzung der Rally, würde über der 154 USD-Marke wahrscheinlicher werden und mit einem Ausbruch über das Allzeithoch bei 204,55 USD bestätigt werden.

29.12.2022 | 15:34

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