boerse am sonntag - headline

Garantiefonds - pro und contra


Selten war die Verunsicherung der Anleger so groß wie heute. Die Finanzmarktkrise hat tiefe Löcher in den Depots hinterlassen. Selbst als sicher gepriesene Produkte konnten die Versprechen nur teilweise einlösen. Sicherheit gibt es offenbar nur im Tausch gegen geringe Renditen. Garantieprodukte wie Fonds oder fondsgebundene Lebensversicherungen stehen daher hoch in der Gunst der Anleger. Diese versprechen maximale Sicherheit bei ansprechender Rendite. BÖRSE am Sonntag hat für Sie mit zwei Experten gesprochen, die dazu unterschiedliche Meinungen vertreten.

pro: Garantien sind längst keine Renditekiller mehr

Dr. Michael Renz

Vorstand Leben der Zurich Gruppe Deutschland

Wer mag es den Deutschen verdenken, dass sie skeptisch gegenüber Aktieninvestitionen sind. Nicht erst seit den Entwicklungen der letzten zwölf Monate an den Finanzmärkten vertrauen sie bei ihrer Altersvorsorge lieber Produkten, die sie vor einem Totalverlust ihrer Anlage schützen und zumindest die eingezahlten Beiträge garantieren. Viele US-Amerikaner würden sich heute wünschen, sie hätten so umsichtig ihr Geld angelegt, um sich davon ihren Lebensabend zu finanzieren. Bisher galten jedoch Garantieprodukte häufig als renditeschwach und kostspielig.

Dabei gibt es eine neue Generation von Garantiemodellen, die eine kundenindividuelle und tagesaktuelle Umschichtung der Anlage ermöglichen. Sie sind so den „Kinderkrankheiten“ vieler Garantieprodukte entwachsen. Anbieter, die die Kapitalanlage starr und ohne Unterscheidung der individuellen Sparziele ihrer Kunden steuern, mussten sich der berechtigten Kritik aussetzen, zu viel Kapital in renditeschwache, auf Sicherheit ausgerichtete Anlageklassen zu investieren. Tagesaktuelle Depotmodelle, die individuelle Risikobudgets steuern, können hingegen die eingezahlten Beiträge absichern und trotzdem auch in den aktuellen Märkten chancenreich investieren. Ein renditeorientierter Sparer muss also nicht mehr das Risiko eines „Alles-oder-Nichts“-Investments eingehen.

Jeder Anleger sollte für sich die richtige Anlagestrategie finden: Eine gewisse Risikoaversion steht heute nicht mehr für Renditekiller. Denn wie sich zeigt, findet die Finanz- und Versicherungsbranche innovative Wege, der vielfältigen Risikobereitschaft der Deutschen gerecht zu werden. Und wer weiß, vielleicht wird das Garantiemodell in den nächsten Jahren ein Exportschlager.

contra: Zu teuer erkaufte Sicherheit

Reinhard Berben

Geschäftsführer der Franklin Templeton Investment Services GmbH

Garantiefonds – das klingt verlockend in diesen Zeiten. Doch Vorsicht: Unserer Meinung nach nutzen Garantiefondsanbieter die Verunsicherung der Kunden als Verkaufsargument. Dabei sind Garantieprodukte gerade in volatilen Märkten problematisch: Laufzeit und Höhe des risikofreien Zinssatzes definieren das sogenannte Risikobudget.

Es bestimmt, wie viel Risiko ein Fondsmanager eingehen kann, ohne die Garantie zu gefährden. Bei starken Kursschwankungen kann dieses Budget schnell verbraucht sein, und dem Anleger verbleibt oft nur noch das eingezahlte, garantierte Kapital – ohne Ertrag. Chancen, wie die jüngste Erholung an den Aktienmärkten bleiben so ungenutzt. Auch die Kosten für die teilweise aufwendigen Konstruktionen trägt der Kunde. Dazu addieren sich Gebühren für Vertrieb, Abschluss und Verwaltung. Laut Stiftung Warentest schmälern diese die Rendite um etwa 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte. Die Frankfurt School of Finance errechnete: Bei Anlagehorizonten von 25 Jahren zehrt die Garantie mehr als 50 Prozent der Rendite auf.

Ein weiteres Manko: Zwar kann der Anleger offene Garantiefonds jederzeit kaufen und verkaufen, die Garantie greift jedoch nicht zu jeder Zeit. Je nach Konzept gilt der Risikoschutz zum Teil nur zum Ende des Geschäftsjahres oder zum Laufzeitende. Die beste Alternative ist immer noch ein breit gestreutes Portfolio mit dem Ziel, mittel- und langfristig positive Erträge zu erzielen – ohne Garantie, aber mit höherem Ertragspotenzial. Das Sicherheitsbedürfnis deutscher Anleger ist im internationalen Vergleich besonders ausgeprägt. Statistisch fundiert ist diese Sorge nicht. Mehr Mut würde der deutschen Anlegerseele gut tun und obendrein mit erheblich höheren Erträgen belohnt werden. Frei nach dem angelsächsischen Sprichwort: „My life was full of miseries. Most of them never happened.“

Garantiefonds – das klingt verlockend in diesen Zeiten. Doch Vorsicht: Unserer Meinung nach nutzen Garantiefondsanbieter die Verunsicherung der Kunden als Verkaufsargument. Dabei sind Garantieprodukte gerade in volatilen Märkten problematisch: Laufzeit und Höhe des risikofreien Zinssatzes definieren das sogenannte Risikobudget. Es bestimmt, wie viel Risiko ein Fondsmanager eingehen kann, ohne die Garantie zu gefährden. Bei starken Kursschwankungen kann dieses Budget schnell verbraucht sein, und dem Anleger verbleibt oft nur noch das eingezahlte, garantierte Kapital – ohne Ertrag. Chancen, wie die jüngste Erholung an den Aktienmärkten bleiben so ungenutzt. Auch die Kosten für die teilweise aufwendigen Konstruktionen trägt der Kunde. Dazu addieren sich Gebühren für Vertrieb, Abschluss und Verwaltung. Laut Stiftung Warentest schmälern diese die Rendite um etwa 1,5 bis 2,5 Prozentpunkte. Die Frankfurt School of Finance errechnete: Bei Anlagehorizonten von 25 Jahren zehrt die Garantie mehr als 50 Prozent der Rendite auf. Ein weiteres Manko: Zwar kann der Anleger offene Garantiefonds jederzeit kaufen und verkaufen, die Garantie greift jedoch nicht zu jeder Zeit. Je nach Konzept gilt der Risikoschutz zum Teil nur zum Ende des Geschäftsjahres oder zum Laufzeitende. Die beste Alternative ist immer noch ein breit gestreutes Portfolio
mit dem Ziel, mittel- und langfristig positive Erträge zu erzielen – ohne Garantie, aber mit höherem Ertragspotenzial. Das Sicherheitsbedürfnis deutscher Anleger ist im internationalen Vergleich besonders ausgeprägt. Statistisch fundiert ist diese Sorge nicht. Mehr Mut würde der deutschen Anlegerseele gut tun und obendrein mit erheblich höheren Erträgen belohnt werden. Frei nach dem angelsächsischen
Sprichwort: „My life was full of miseries. Most of them never happened.“

30.10.2009 | 00:00

Artikel teilen: