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Inflation: ist ein Ende in Sicht?

(Foto: Shutterstock)



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Die Inflation hat im Jahr 2022 ein regelrechtes Comeback gefeiert und vielerorts Höchstwerte erreicht, wie seit Jahren nicht mehr. Das haben nicht nur Konsumenten gespürt, sondern auch an den Aktienmärkten haben die hohen Inflationsraten sowie die Interventionen der Zentralbanken für Aufsehen gesorgt. Ob sich die Situation im neuen Jahr beruhigen wird, lässt sich nur vermuten. Aber auch in Zeiten erhöhter Inflation gibt es für Anleger interessante Möglichkeiten.

Eine Analyse von Vontobel

Die Inflation ist ein Thema, das in vielen Regionen in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten war. Doch kam sie im vergangenen Jahr 2022 dafür mit einem Paukenschlag zurück. So wurden beispielsweise in den USA so hohe Inflationsraten verzeichnet wie in den letzten 40 Jahren nicht mehr. In Deutschland wurde zwischenzeitlich eine Teuerungsrate von über 10% gemessen; das ist so hoch wie seit den 1950er Jahren nicht mehr. Demgegenüber war die Inflationsrate in der Schweiz mit einem Höchstwert von 3.5% relativ gering; und dennoch auch hier so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr.

…wird das auch im Jahr 2023 anhalten?


Immerhin sind die Inflationsraten gegen Ende letzten Jahres wieder ein bisschen abgeflacht, was die Hoffnung aufkommen lässt, dass das Schlimmste in Sachen Inflation überstanden ist. Marktexperten auf der ganzen Welt gehen davon aus, dass die Höchstwerte bereits erreicht sind oder zumindest relativ bald erreicht sein sollten – und sich die Inflationsraten bis spätestens im Jahr 2024 normalisieren werden.

So rechnet das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) für das Jahr 2023 mit einer prognostizierten Inflation von 2.2% (vgl. 2.9% im Jahr 2022). Ein ähnliches Bild zeichnet sich in den USA ab, wo Experten fürs Jahr 2023 von einer Inflationsrate in Höhe von 3.9% ausgehen – was erheblich unter den geschätzten 8% des Jahres 2022 liegt (OECD).

«Jumbo-Hikes» der Zentralbanken, um die Inflation in den Griff zu bekommen

Um der Inflation entgegenzuwirken, haben Zentralbanken auf der ganzen Welt Zinserhöhungen vorgenommen; und dabei sind sie nicht zögerlich vorgegangen. So hat die amerikanische Zentralbank Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen mehrmals in Folge um gleich 75 Basispunkte angehoben. Erst im Dezember des vergangenen Jahres hat die Fed ihren geldpolitischen Straffungskurs etwas reduziert und einen Zinsschritt von «lediglich» 50 Basispunkten vorgenommen.

Sowohl die Schweizerische Nationalbank (SNB) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) haben sich diesem Vorgehen angeschlossen und im Dezember die Zinsen um 50 Basispunkte nach oben geschraubt. Diverse Analysten und Makroökonomen gehen derweil davon aus, dass die verschiedenen Zentralbanken diesen Kurs beibehalten werden und ihre straffen Zinserhöhungen spätestens im zweiten Quartal 2023 langsam abschliessen werden.

Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte

Die Inflation und Zinsentscheide der Zentralbanken haben aber nicht nur Auswirkungen auf unser tägliches Leben. Sie können auch einen erheblichen Einfluss auf die Aktien- und Anleihemärkte ausüben. Als Folge der plötzlichen geldpolitischen Straffung haben Aktien, Indizes und Anleihen vielerorts erhebliche Verluste erlitten.

Werden die Zinsen in den nächsten Monaten weniger stark erhöht, dann könnte das auch eine beruhigende Wirkung für die Finanzmärkte haben. Es ist allerdings zu beachten, dass diese Trendwende auf sich warten lassen könnte und nicht sofort eintreffen muss. Insbesondere, da auch andere Faktoren, wie beispielsweise Ängste vor einer potenziellen Rezession oder die Energiekrise, ebenfalls eine zentrale Rolle spielen, ob es an den Aktienmärkten zu einer Erholung kommen kann oder nicht. Deswegen sind zu diesem Zeitpunkt jegliche Prognosen sehr unsicher.

Auf die Auswahl kommt es an

Sektor-Selektion

Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit erhöhter Inflation gibt es Sektoren oder Unternehmen, die sich besser schlagen als andere. Zum einen gehören Rohstoffe und Energiekonzerne in diese Kategorie. Diese Branchen konnten vom geopolitischen Umfeld sowie von den hohen Öl- und Gaspreisen profitieren.

Marktmacht

Des Weiteren sind Unternehmen mit einer starken Marke sowie einer gewissen Marktmacht dieser Gruppe zuzuordnen. Obwohl auch diese mit höheren Rohstoff- und Energiepreisen zu kämpfen haben, fallen bei diesen die höheren Preise nicht so stark ins Gewicht. Denn ein Großteil dieser höheren Kosten können an Endkunden weitergegeben werden. Dies gilt außerdem auch für Unternehmen, welche Basiskonsumgüter anbieten. Konsumenten werden nach wie vor Nahrungsmittel und Hygieneprodukte kaufen – und die Wahrscheinlichkeit, dass man von der Lieblingsmarke abweicht, ist relativ gering.

Länderdiversifikation

Zu guter Letzt kann es auch helfen, die Inflationsraten in den verschiedenen Ländern zu betrachten. Da die Inflation bekanntermassen nicht überall gleich hoch ist kann so ebenfalls diversifiziert werden. Im aktuellen Umfeld beispielsweise liegt die Inflation in Deutschland bei rund 8.6% in den USA bei 7.1% und in der Schweiz bei 2.8%. Somit sind auch Unternehmen unterschiedlich stark von der Inflation betroffen.
Ein Instrument, das alles abdeckt

All diese Argumente zu berücksichtigen und Aktien von Unternehmen herauszupicken, welche eben diese Punkte berücksichtigen, kann für den einzelnen Anleger allerdings mühselig sein und viel Zeit beanspruchen. Der Vontobel Inflation Influenced Index nimmt Anlegern diese Arbeit ab. Denn der Index wurde genau zu dem Zweck aufgesetzt, auf solche Unternehmen, Sektoren und Regionen zu setzen, welche einer erhöhten Inflation trotzen können.

Wie die Inflation ist auch die Indexzusammensetzung nicht starr. Wenn sich die Inflation wieder normalisiert, wird auch die Indexzusammensetzung angepasst. Ganz egal, welches Inflationsszenario eintrifft, es wird entsprechend in der Indexzusammensetzung berücksichtigt. Ist die Inflation beispielsweise so hoch, wie sie im Moment ist, wird eine Rohstoffkomponente im Index integriert. Ist sie tief, liegt der Fokus auf Aktien.

13.01.2023 | 12:53

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