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"Konsequent kostenlos zu handeln, ist ein echter Kundenvorteil"

Malte Rubruck, Gründer und Geschäftsführer von GRATISBROKER. (Foto: GRATISBROKER).


Malte Rubruck, Geschäftsführer von GRATISBROKER, über die Idee, Finanzierung und Strategie hinter einem neuen Broker, der einer seit Jahren stabilen Preispolitik im Wertpapierhandel an den Kragen will.

Sie kommen aus dem Bankgeschäft. Wie kamen Sie auf die Idee, einen neuen Broker auf den Markt zu bringen?

Nach der Einführung der Onlinebanken in den 90ern, den damaligen Discount Brokern, gab es keine substanzielle Weiterentwicklung des Geschäftsmodells für den Wertpapierhandel mehr. Trotz eines intensiven Wettbewerbs gibt es seitdem eine vergleichsweise stabile Preispolitik. Stattdessen wurden hochkomplexe Sonderangebotslogiken entwickelt und Funktionen eingeführt, die zwar für Unterscheidbarkeit sorgten, dafür aber kaum von den Kunden genutzt werden. Die Möglichkeit zu bieten, konsequent kostenlos zu handeln, ist dagegen ein echter Kundenvorteil. Meiner Meinung nach ist dieser Schritt längst überfällig. Eine klare Fokussierung, effizientere Technologie und die
Bereitschaft, Prozesse neu zu denken, führen zu neuen Möglichkeiten und den Wertpapierhandel damit auf eine neue Ebene.

Sie sind Broker in Deutschland, aber gleichzeitig keine Bank. Wie sieht das Set-Up aus und welche Art von Leistungen haben Sie ausgelagert?

Wir bedienen uns einer, aus dem Anlagevermittlungsgeschäft bekannten Konstruktion: GRATISBROKER agiert als gebundener Vermittler unter einem Haftungsdach. Damit arbeiten wir unter deren Zulassung, unterliegen im Gegenzug aber natürlich auch deren Prüfungen und sind gleichzeitig bei der BaFin registriert. Wie im Vermögensverwalter- oder Anlagevermittlergeschäft ebenfalls üblich, führen wir die Konten und Depots unserer Kunden nicht selbst. Hierfür kooperieren wir mit der Baader Bank. Im Ergebnis sparen wir uns eine aufwendige Gründung einer Bank und können den Kunden dennoch die Sicherheit einer vollständig in Deutschland ansässigen und regulierten Lösung bieten.

Wie finanzieren Sie sich?

Den Weg von der Idee bis zum heute fertigen Produkt haben wir aus eigener Kraft bewerkstelligt und auch bis weit in das nächste Jahr sind wir bereits aus unterschiedlichen Quellen finanziert. Gleichzeitig laufen bereits Gespräche mit potenziellen Investoren.

Ihr Geschäftsmodell bringt Bewegung in den Brokeragemarkt und die Konkurrenz in Zugzwang. Wie sieht ihre Strategie aus, um ihr Alleinstellungsmerkmal zu halten?

Unser Angebot ist nur deshalb möglich, weil unsere Kosten erheblich geringer sind, als bei einem klassischen Online Broker. Wie wir jedoch bereits feststellen mussten, waren wir nicht die einzigen, die in den vergangenen Monaten an einem solchen Modell gearbeitet haben. Insofern geht es jetzt im Wesentlichen darum, die Kosten weiter im Blick zu behalten, während wir bestmöglich versuchen, Kundenwünsche zu antizipieren. Wir wollen zielgenau die Funktionen und Services ergänzen, die Kunden wirklich einen Mehrwert bieten, ohne nach dem Gießkannenprinzip zu verfahren. Hier bieten wir viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung an. Abgesehen davon haben wir bereits spezielle Angebote und Features im Kopf, die es so bisher auch bei keinem der Wettbewerber gibt.

Mit wie vielen Kunden rechnen Sie im ersten Jahr und für welche Kunden ist Ihr Angebot besonders interessant?

Unser Angebot ist vor allem für die Kunden interessant, die ihre Anlageentscheidungen alleine treffen, denn bei uns findet man keine Beratung. Dazu kommt natürlich: Je aktiver ein Kunde ist, desto mehr zahlt er bislang für seine Orders und umso mehr kann er bei uns sparen. Abgesehen davon ist der Handel bei uns besonders attraktiv für diejenigen, die verstanden haben dass sie einen großen Teil des Angebotes einer klassischen Onlinebank gar nicht nutzen, wohl aber mitbezahlen. Die daraus folgende Kosten-Nutzen-Rechnung erübrigt sich bei uns. Derzeit gehen wir davon aus, dass wir kurzfristig eine Kundenanzahl im fünfstelligen Bereich von unseren Vorteilen überzeugen
können.

Auf Ihrer Website steht, dass ein Ausbau geplant ist. Was wollen Sie Ihren Kunden im nächsten Jahr bieten?

Drei Dinge stehen auf unserer persönlichen Prioritätenliste ganz oben: eine Sparplanfunktion, die Handelsmöglichkeit von Derivaten und weitere Orderfunktionen. Bevor wir aber in die konkrete Weiterentwicklung gehen, werden wir unsere Kundinnen und Kunden fragen, ob sie das genauso sehen oder ob es etwas anderes gibt, das ihnen wichtiger ist.

Warum haben Sie sich für ein Mindestordervolumen von 500 Euro entschieden?

Davon machen ja nicht alle Broker Gebrauch. Dafür muss man wissen: Kleine Orders produzieren Kosten, bieten aber wenig bis gar kein Ertragspotential. Um dennoch profitabel arbeiten zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Lösung nach altem Muster wäre, alle dafür zahlen zu lassen, was einzelne Personen verursachen. Heißt: alle Orders kosten eine kleine Gebühr, um
die Kosten zu kompensieren. Eine weitere Möglichkeit wäre eine Strafgebühr für kleine Orders, so wie es heute auch in vielen Sternchentexten bei anderen Brokern zu lesen ist. Die allermeisten Sonderangebote gelten auch bei den Wettbewerbern erst ab z. B. 1.000 Euro Ordervolumen oder nur für den Kauf eines Wertpapiers, nicht aber den Verkauf. Dieses Vorgehen finden wir wenig transparent und damit nicht fair gegenüber den Kundinnen und Kunden. Die einfachste Lösung ist für uns auch gleichzeitig die klarste für unsere Trader: Etwas, das sich nicht sinnvoll rechnen lässt, geht einfach nicht. Ein Mindestordervolumen von 500 Euro ist die logische Konsequenz.

Bei einigen Wettbewerbern können die Kunden deutlich mehr Produkte handeln. Ist ein eingeschränktes Angebot nicht nachteilig?

Wir sind davon überzeugt, dass es einen großen Unterschied zwischen den Möglichkeiten und der tatsächlichen Nutzung gibt. In Deutschland kann man über 11.000 Aktien handeln. Auf nur 500 davon entfallen laut Umsatzstatisken der Deutschen Börse AG allerdings über 95 % der tatsächlichen Handelsumsätze. Mit über 3.600 Aktien deckt unser Angebot also ziemlich zuverlässig alles ab, was wirklich gehandelt wird. Alle weiteren Aktien sind Exoten, die so gut wie nie gehandelt werden und trotzdem laufende Kosten produzieren. Im Hinblick auf ETFs ist aus unserer Sicht in allererster Linie entscheidend, für welchen Index sich ein Anleger entscheidet – der Hersteller ist nahezu unerheblich. Und auch bei Optionsscheinen und Zertifikaten wird gelten: der Inhalt ist viel entscheidender
als die Verpackung. In meiner persönlichen Tradervergangenheit sehe ich keinen Trade, der zu Gewinn anstelle von Verlust geführt hätte, nur dadurch, dass ich einen identischen Schein von einem anderen Emittenten gekaufthätte. Viel eher hätte ich manchmal einen Call statt eines Put kaufen sollen, aber dafür hilft mir kein Angebot von 20 inhaltlich gleichen, also austauschbaren Scheinen unterschiedlicher Emittenten.

19.11.2019 | 17:37

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