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Teure Garantie


Mit der Verschärfung der Finanzkrise im Herbst letzten Jahres, die sich nicht nur in fallenden Kursen quer über alle Assetklassen, sondern auch in einem Vertrauensverlust äußerte, konnten sich Garantiefonds als sicherer Hafen positionieren. Während Rentenfonds (- 1,8 Mrd. Euro), Geldmarktfonds (-1,6 Mrd. Euro) und Mischfonds (-1,2 Mrd. Euro) in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres kräftige Mittelabflüsse verkraften mussten, meldete der BVI für die Gruppe der wertgesicherten Fonds Zuflüsse in Höhe von 683 Mio. Euro. Wertgesicherte Fonds sind damit gefragt wie nie zuvor. Insgesamt stieg das in Garantiefonds und Fonds mit dynamischen Absicherungselementen veranlagte Kapital zwischen 30.06.2008 und 30.06.2009 um fast 30%. Zum Vergleich: Geldmarktfonds verloren im gleichen Zeitraum rund 32% ihres Fondsvermögens.

Die Idee der Garantiefonds

Der Sinn eines Garantiefonds besteht laut Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) darin, mindestens die Rückzahlung des eingesetzten Kapitals sicher zu stellen. Nach diesem Prinzip wird dem Investor, bezogen auf einen bestimmten Stichtag, beispielsweise ein Mindestrücknahmepreis, eine Mindestrendite oder auch eine Mindestausschüttung garantiert. Grundsätzlich lassen sich zwei Spielarten unterscheiden: Bei sogenannten offenen Fonds können Anleger – wie bei anderen Fonds auch – laufend Anteile kaufen und verkaufen. Die Garantie greift bei dieser Variante in der Regel am Ende einer bestimmten Periode, beispielsweise am Ende eines Geschäftsjahres. Demgegenüber verfügen geschlossene Garantiefonds über eine feste Laufzeit. Die Anleger können Anteile nur für eine bestimmte Zeitspanne zu Beginn der Laufzeit erwerben, danach gibt der Fonds keine Anteile mehr aus. Die Garantie dieser Variante greift generell nur stichtagsbezogen zum Laufzeitende.

Sicherheit wird teuer erkauft

Zwar ist es angesichts der horrenden Verluste vieler Indizes und Fonds verständlich, dass gerade Privatanleger auf Nummer sicher gehen wollen, doch Profis halten diese Strategie für falsch. So äußerte sich beispielsweise Uwe Wystup, Professor für Finance & Management in Frankfurt: „Nach einem Börsencrash sollten Anleger eigentlich Aktien kaufen. Doch da macht vielen die Psychologie einen Strich durch die Rechnung.“ Um zu verstehen, warum Profis so urteilen, wirft man am besten einen Blick auf die Performance der Garantiefonds. So kam das Verbrauchermagazin ÖKO-TEST in einer 2008 (Juni-Ausgabe) vorgestellten Studie zu folgendem Ergebnis: „Bis auf wenige Ausnahmen sind sowohl Garantie- als auch Wertsicherungsfonds wahre Renditekiller“. 30 der 64 Fonds lieferten nicht einmal soviel Rendite wie ein Sparbuch. Auch Wystup konnte in einer Studie nachweisen, dass der Renditeunterschied gerade auf lange Sicht erheblich ist: Nach 25 Jahren konnte der Fondskäufer ohne Kapitalschutz in seiner Studie 22.309 Euro ansammeln, der konservative Investor dagegen nur 3.724 Euro. „Der Anleger ohne Vollkaskoschutz ist sechs Mal so reich wie sein sicherheitsfanatischer Nachbar“, kommentiert Wystup.

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Dass die Absicherung des eingesetzten Vermögens nicht umsonst zu haben ist, sollte eigentlich jedem Anleger klar sein. Der Preis für die Absicherung sind die verminderten Gewinnchancen. Doch in den Verkaufsprospekten der Garantiefonds wird die Chance auf überdurchschnittliche Gewinne bei gleichzeitigem Ausschluss des Risikos postuliert. Dass da etwas nicht zusammenpasst, ist offensichtlich, denn die Bank selbst will natürlich auch kein Risiko eingehen. Des Rätsels Lösung: Der Großteil des Geldes wird in praktisch risikolose Staatsanleihen investiert – mit entsprechend geringer Rendite. Der Rest fließt in Kaufoptionen auf Aktien- oder Länder- Indizes. Da die Rentenpapiere nicht selten mehr als zwei Drittel des Fondsvermögens ausmachen, bleibt für die Erwirtschaftung der Zusatzrendite kaum Geld übrig. Diese Aufteilung ist notwendig, damit bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 10 Jahren und einem Zinsniveau von rund 3,5% p.a. am Ende mindestens das eingesetzte Kapital zurückbezahlt werden kann. Schon in „normalen“ Phasen ist die Beteiligung an der Wertentwicklung der zugrunde liegenden Indizes damit konstruktionsbedingt sehr begrenzt. Kommt es zu starken Verlusten – wie im letzten Jahr – verfallen die Optionen wertlos und die Rendite tendiert gegen null. In den meisten Fällen fahren Anleger daher deutlich besser, wenn sie sich einen eigenen Garantiefonds bauen. Und das ist gar nicht schwer: Man benötigt dazu eine Bundesanleihe, deren Laufzeit sich mit dem eigenen Anlagehorizont deckt. In diese „risikolose“ Anleihe wird der größte Teil des Einsatzes investiert. Die Differenz zwischen dem Kaufpreis des Rentenpapiers und der Summe, die sie nach einigen Jahren einbringt, investiert man dann in ein aktienmarktnahes Instrument, je nach Risikoneigung können dies Optionen oder auch ETFs sein. Indexfonds gibt es mittlerweile übrigens auch mit Hebel.

Sind Verluste möglich?

Neben den direkten Aufwendungen für die Absicherung fallen aber auch noch indirekte Gebühren an. Garantiefonds kommen daher,gemessen an der jährlichen Gesamtkostenbelastung (TER), – im Schnitt auf 1,3% pro Jahr. Anleihenfonds hingegen kommen nur auf eine TER von 0,9%. Vor dem Hintergrund, dass die Garantieprodukte, wie oben erwähnt, konstruktionsbedingt meist ebenfalls hauptsächlich aus Anleihen bestehen, kann man Garantiefonds daher getrost als teuer bezeichnen. Berücksichtigt man dann noch die Inflation, erreichen Anleger häufig gerade einmal den Kapitalerhalt. Doch bei Garantieprodukten ist auch ein nominaler Verlust möglich. Denn in dem Fall, in dem der Anleger nur das eingesetzte Kapital zurückbekommt, fährt er einen Verlust in Höhe des gezahlten Ausgabeaufschlages ein. Dieser kann bis zu 5% betragen. Der vorzeitige Ausstieg ist in den meisten Fällen zum aktuellen Kurs des Fonds möglich, allerdings ist zu beachten, dass die Kapitalgarantie erst zum Ende der Laufzeit greift. Häufig wird von den Fondsgesellschaften im Fall eines vorzeitigen Verkaufs zusätzlich noch eine Rücknahmegebühr von ca. 2% erhoben. Unter dem Strich kann es also auch bei Garantiefonds zu einem Verlust kommen, entweder, weil die Gebühren die Minirenditen aufgefressen haben oder weil der Fonds zu einem niedrigeren Kurs vorzeitig verkauft wird.

Anlagehorizont entscheidend

Für langfristige Anlagen oder gar zur Finanzierung der eigenen Altersvorsorge eignen sich die Garantieprodukte aufgrund der geringen Rendite wie oben dargestellt nicht. Doch wie sieht es kurz- und mittelfristig aus? Bei der Betrachtung anderer Zeiträume kommt Wystups Studie tatsächlich zu völlig anderen Ergebnissen: „Kurz- und mittelfristig können Garantien eine Alternative sein“, denn hier ist der Renditeabstand deutlich geringer. Aus diesem Grund kommt die Stiftung Warentest zu folgender Empfehlung: „Garantiefonds eignen sich, wenn überhaupt, in Börsenboomphasen, in denen ein Absturz wahrscheinlicher erscheint als ein weiterer Höhenflug.“

Fazit

Der Anleger sollte sich von dem Namen der Produkte nicht täuschen lassen und die realistischerweise zu erwartende Rendite mit der anderer risikoarmer Finanzprodukte vergleichen. Darüber hinaus sollte sich der Anleger darüber im Klaren sein, dass die Kapitalgarantie meist erst zum Ende der Laufzeit greift und ein vorzeitiger Verkauf Verluste mit sich bringen kann.

30.10.2009 | 00:00

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