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Urlaubsfestes Depot – So fahren Sie entspannt in die Ferien

(Foto: Yakobchuk Olena – stock.adobe.com)


Im Urlaub wollen sich die wenigsten Depotinhaber mit ihren Geldanlagen beschäftigen, lieber Zeit mit der Familie und die Sonne genießen. Doch ist Ihr Depot urlaubsfest und das Geld auch in turbulenten Marktphasen sicher investiert? Worauf Anleger achten sollten.

Sabine Meyer und Maik Thielen vom Sparkassen Broker klären die wichtigsten Fragen

Wie hoch ist das Risiko für potenzielle Rückschläge an der Börse während der Sommermonate?


An der Börsenweisheit „Sell in May and go away – but remember to return in November“ ist tatsächlich etwas dran. Verschiedene Untersuchungen haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass die Nachfrage an den Börsen in den Sommermonaten meist nachlässt und die Kurse entsprechend sinken, während die Aktienmärkte gerade vor dem Jahreswechsel oft überdurchschnittliche Kurszuwächse verzeichnen. Darüber hinaus gibt es natürlich vor dem Hintergrund aktueller politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen, wie dem Handelskrieg zwischen den USA und China sowie der Schuldensituation in Italien, weitere Risikofaktoren, die Anleger derzeit beunruhigen. In solchen Phasen lassen viele ihr Depot nicht gerne für mehrere Wochen unbeaufsichtigt. Ein Depotcheck vor der Urlaubszeit kann also nicht schaden.

Auf welche Aspekte sollte bei einem Depotcheck geachtet werden?

Der Urlaub kann durchaus zum Anlass genommen werden, die Anlagestrategie zu überdenken und zu überprüfen, ob beispielsweise einzelne Aktien oder Fonds noch zur aktuellen Risikoneigung passen. Wer während seiner Abwesenheit sein Verlustrisiko möglichst minimieren möchte, sollte darauf achten, dass das Depot breit genug gestreut ist, indem es beispielsweise verschiedene Branchen und Länder abdeckt. Wichtig ist die grundsätzliche Unterscheidung der Depotpositionen in kurz- oder mittelfristige Trading-Positionen und langfristige Investments. Idealerweise werden diese Strategien voneinander getrennt – zum Beispiel in Haupt- und Zusatzdepot. Besonders zu beachten ist, dass zeitlich befristete Anlagen wie Optionsscheine oder Zertifikate nicht ausgerechnet während des Sommerurlaubs auslaufen. Es lohnt sich daher, sich für diese Zeit von kurzfristig angelegten Papieren zu trennen oder in länger laufende Papiere umzuschichten.

Wer über längere Zeit sein Depot nicht im Blick hat, sollte gerade spekulative Positionen wie zum Beispiel Hebelzertifikate abbauen, um möglichen hohen Kursverlusten vorzubeugen. Derivate mit Hebelwirkung zur Absicherung des eigenen Portfolios zu nutzen ist nur ratsam, wenn sich der Anleger mit diesen Produkten sehr gut auskennt. Bei Titeln, die sich in einem anhaltenden Abwärtstrend befinden, bietet sich jetzt ebenfalls ein Verkauf an. Gleiches gilt für Aktien, die ihr Potenzial nach einer positiven Kursentwicklung wahrscheinlich bereits ausgeschöpft haben – dies kann ein guter Zeitpunkt sein, die erzielten Gewinne mitzunehmen.

Sollten auch die langfristig angelegten Investitionen überprüft werden?

Natürlich bedeutet ein Urlaubsantritt nicht für alle Anleger, dass sie ihr Depot auf den Prüfstand stellen müssen. Denn auch in unruhigen Börsenzeiten gilt: Bei langfristigen Positionen besteht in der Regel eher wenig Handlungsbedarf. Wer beispielsweise in ein Blue-Chip-Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell investiert, dürfte weniger an kurzfristigen Kurserhöhungen als vielmehr an einer langfristig positiven Entwicklung des Werts oder auch an der Ausschüttung einer Dividende interessiert sein. Zudem sind beispielsweise Fonds mit einem Anlagehorizont von fünf bis zehn Jahren darauf ausgelegt, Verluste, die innerhalb weniger Wochen auftreten können, in der Regel mit der Zeit wieder auszugleichen. Depotinhaber mit einer langfristig orientierten Anlagestrategie sollten sich daher selbst bei längerer Abwesenheit keine großen Sorgen machen.

Wie gelingt der Schutz vor Kursverlusten?

Bei schwankungsanfälligen Fonds oder Aktien haben viele Anleger Angst vor größeren Kursverlusten, gerade wenn sie die Marktentwicklung nicht ständig beobachten können. Hier kann es Sinn machen, das Depot vor dem Urlaub mithilfe sogenannter Limits abzusichern. Mit einer Stop-Loss-Order lässt sich festlegen, bei welchem Kursniveau ein Wertpapier verkauft werden soll. Sie wird ausgelöst, wenn eine vorher festgelegte Ausstiegsmarke erreicht oder unterschritten wird. Auf diese Weise kann sich ein Anleger gegen einen größeren Kurssturz wappnen und auch in Abwesenheit auf die Verlustbremse treten.

Wie viel Verlust er in Kauf nehmen möchte, ist dabei eine ganz individuelle Entscheidung. Denn die Stop-Loss-Order wird auch aktiviert, wenn der Kursrutsch nur vorübergehend war. Gerade bei volatilen Papieren sollten auch gewisse Kursschwankungen mit einkalkuliert werden, sonst wird die Order möglicherweise zu schnell ausgeführt. So sollte eine Stop-Loss-Order je nach Schwankungsanfälligkeit der Aktie oder des Fonds 10 bis 20 Prozent unterhalb des aktuellen Kurses platziert werden. Profis und erfahrene Anleger, die in der Chartanalyse bewandert sind, setzen den Stop Loss knapp unter der entsprechenden charttechnischen Linie.

Eine quantitative Risikobegrenzung per Stop Loss ist bei einem langfristigen Investment nicht immer sinnvoll, gegebenenfalls sollten hier eher qualitative Kriterien im Hinblick auf das Geschäftsmodell über einen Ausstieg entscheiden. Beispiel RWE und E.ON: Auf die Stromerzeuger hat sich die Energiewende in Deutschland nachhaltig negativ ausgewirkt – Investoren, die zu Höchstkursen in den Jahren 2007/2008 eingestiegen sind, sind bis heute trotz Dividende nicht erfreut.

Zu beachten ist außerdem, dass bei einer Stopp-Loss-Order grundsätzlich die Gefahr besteht, dass Papiere durch einen heftigen Kursrutsch zu einem Ausführungskurs weit unter dem eigentlichen Stop-Loss-Kurs verkauft werden. Eine Alternative ist die Stop-Loss-Limit-Order, durch die zusätzlich ein Preislimit für den Verkaufsauftrag festgelegt werden kann, so dass mögliche Verluste begrenzt werden. Allerdings ist damit die Ausführung der Order nicht immer gewährleistet und bei einem Kurseinbruch über mehrere Tage bleibt der Anleger möglicherweise vorerst auf seinen Papieren sitzen.

Zum günstigen Zeitpunkt Aktien kaufen – geht das auch in Abwesenheit?

Umgekehrt wollen viele Wertpapieranleger auch im Urlaub einen unerwarteten Kursanstieg interessanter Aktien nicht verpassen und rechtzeitig einsteigen – auch wenn sie am Strand oder in den Bergen nicht ständig die Kursverläufe über ihr Smartphone im Auge behalten können. Sie haben die Möglichkeit, limitierte Kauforders aufzugeben, sogenannte Stop-Buy-Orders. Die gewünschten Aktien werden dann automatisch gekauft, sobald der Kurs einen bestimmten Wert erreicht oder überschreitet.

Limits sind zeitlich beschränkt und sollten entsprechend bis zum Ende des Urlaubs gültig sein. Über die Depots vieler Online-Broker sind Limitsetzungen kostenlos und werden als Absicherungsinstrumente stark nachgefragt – nicht nur während der Reisezeit. Sie lassen sich sowohl im börslichen als auch im außerbörslichen Handel einsetzen, wobei der Umfang an Ordertypen je nach Handelsplatz unterschiedlich ist.

Sabine Meyer verantwortet als Director Produkt- & Handelsangebot beim Sparkassen Broker das börsliche und außerbörsliche Handelsangebot sowie das Wertpapier- und CFD-Angebot. Ihr Verantwortungsbereich umfasst zudem das Informations- und Weiterbildungsangebot rund um die S Broker Akademie, das DirektDepot-Geschäft des Sparkassen Brokers und die Betreuung besonders handelsaktiver Top Trader.

Maik Thielen ist zertifizierter technischer Analyst (CFTe). Als Trading- und Investmentexperte besitzt er einen großen Erfahrungsschatz im Wertpapierhandel. Der Senior-Produktmanager betreut beim Sparkassen Broker unter anderem den CFD-Handel und tritt im Rahmen der S Broker Akademie als Referent in Seminaren und Webinaren auf.

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07.08.2019 | 13:32

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