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Warum Hedgefonds jetzt interessant sind


Der erste moderne Hedgefonds wurde von dem amerikanischen Wirtschaftsjournalisten Alfred Winslow Jones im Jahr 1949 gegründet. Da sich die Fonds ursprünglich ausschließlich an besonders vermögende Einzelpersonen oder Familien richteten, entfiel die Notwendigkeit, kleine Anleger und Sparer durch eine Regulierung der Produkte zu schützen.

Ein Umstand, der dem Fondsmanagement einen nahezu unbegrenzten Handlungsspielraum eröffnete. Dieser lässt sich im Gegensatz zu herkömmlichen Fonds beispielsweise auch dazu nutzen, um auch bei fallenden Kursen Geld zu verdienen. Genau dies haben die Anleger auch von ihren Hedgefonds erwartet: Gewinne in jedem Marktumfeld. Nach dem Katastrophenjahr 2008 war die Enttäuschung der Anleger daher umso größer. Auch die alternativen Investments konnten sich der Krise nämlich nicht entziehen: Die Branche verlor, gemessen an der Benchmark HFRX Global Hedge Fund Index, im Gesamtjahr 2008 rund 23% an Wert.

Wandlungsfähige Spezies

Die Quittung folgte auf dem Fuße: Genauso schnell, wie die Gelder in den letzten Jahren in die berüchtigten Fonds hineinströmten, wurden sie nun abgezogen: Allein im vierten Quartal 2008 flossen 150 Mrd. USDollar – oder 7,7% des Gesamtvolumens – ab. Mit Abflüssen von 103 Mrd. US-Dollar im ersten Quartal des laufenden Jahres setzte sich dieser Trend zunächst fort. Mittlerweile hat sich die Lage jedoch stabilisiert. Dies lässt sich zum einen an der Performance ablesen: „Man kann schon an der Rendite sehen, dass die Lage sich verbessert hat“, so Pierre Lagrange, Chef von GLG, einem großen europäischem Hedgefonds. Per Ende Juli liegt das Plus (HFRX Global Hedge Fund Index) bei 7,25%. Eine Voraussetzung für die Trendwende war die einzigartige Fähigkeit der Hedgefonds, ihre Anlagestrategien in kürzester Zeit umzustellen.

Im Zuge der Veränderungen an den Finanzmärkten haben sie sich wieder ihren traditionellen, risikoärmeren Strategien zugewandt und die Fremdkapitalquote deutlich zurückgefahren. Zum Teil wurde dieser Bereinigungsprozess auch vom Markt erzwungen: Wer in den vergangenen Monaten zuviel Fremdkapital aufgeladen hat, der hat die Krise schlichtweg nicht überlebt. Zusätzlich wurde die Abhängigkeit vom Aktienmarkt reduziert, sodass die Korrelationen in diesem Bereich signifikant gesunken sind. Weil die Fonds zwischenzeitlich auch mit niedrigeren Gebühren um die Gunst der Investoren wetteiferten, konnten die Mittelabflüsse deutlich eingegrenzt werden. In Summe stieg das durch die Hedgefondsindustrie verwaltete Vermögen im zweiten Quartal sogar wieder an. Der Dienstleister Hedge Fund Research meldete jüngst einen Anstieg um 100 Mrd. US-Dollar.

Die Letzten werden die Ersten sein

Noch interessanter als die Entwicklung der gesamten Branche ist jedoch der Blick auf einzelne Strategien. Schaut man sich die wichtigsten Felder an, zeigt sich schnell, dass auch bei den Hedgefonds eine alte Weisheit gilt: „Die Letzten werden die Ersten sein“. Zählten Fonds mit Fokus auf Emerging Markets (+13,2%), Convertible Arbitrage (+24%) und den Energie-/Rohstoffmarkt 2008 noch zu den schwächsten Gruppen, liegen sie in diesem Jahr ganz vorn. Und die im letzten Jahr besonders erfolgreiche – weil einzig profitable – Gruppe der Managed-Futures-Fonds (AHL Diversified 2008 ca. +25%, HI Varengold CTA Hedge ca.16%, Superfund ca. +35%) liegt im laufenden Jahr per Ende April sogar in der Verlustzone (-2,6%). Doch was verbirgt sich überhaupt hinter diesen Begriffen?

Die Strategien der Hedgefonds

Durch die eingangs erläuterte Freiheit in der Wahl der Anlageform unterscheiden sich Hedgefonds ganz erheblich von herkömmlichen Fonds. Auch die bereits erwähnte Kreditaufnahme ist „normalen“ Fonds nicht gestattet. Daneben entscheidet jedoch auch die gewählte Anlagestrategie über das Risiko für den Anleger. Mittlerweile gibt es mehr als 20 verschiedene Strategien, die von einem relativ geringen Wagnis für den Anleger bis zur hochspekulativen Anlage reichen. Grundsätzlich lassen sich vier wichtige Ansätze unterscheiden:

Relative Value/Arbitrage

Hierbei werden Aktien an einer Börse, z.B. Frankfurt gekauft und an einer anderen Börse, z.B. Tokio wieder verkauft. Da die Wertpapiere nicht an allen Börsen zu jeder Zeit, zu exakt gleichen Preisen gehandelt werden, lassen sich damit Gewinne, durch die Ausnutzung dieser Marktineffizienzen erzielen.

Event Driven

Es wird auf bestimmte Ereignisse, z.B. Fusionen und Übernahmen spekuliert und versucht, daraus Gewinn zu schlagen.

Global Makro

Bei diesem Ansatz wird auf die Entwicklung sämtlicher Anlageformen gewettet, in die Hedgefonds investieren können. So kann beispielsweise neben der Entwicklung eines Aktienindex auf die Preisentwicklung der berühmten Schweinebäuche gewettet werden.

Long/Short Equity

Hiermit wird das traditionelle Kaufen und Leerverkaufen vermeintlich über- bzw. unterbewerteter Aktien bezeichnet.

Ausblick

Profitieren kann die Branche auch von dem mit dem Anstieg der Aktienkurse einhergehenden steigenden Risikoappetit. So werden zahlreiche neue Fonds aufgelegt, die sich die durch die Krise verursachten günstigen Kaufgelegenheiten zunutze machen wollen. Als besonders aussichtsreich gelten unter Insidern die Bereiche Long/Short-Equity und Distressed Securities/Assets. Einige Experten wie Marina Lewin, Bank of New York Mellon, oder Alex Ehrlich von der UBS rechnen daher damit, dass das verwaltete Vermögen der Branche – nach der bereits eingesetzten Stabilisierung im laufenden Jahr – in den kommenden Jahren schnell und deutlich zulegt. Gefährdet wird dies möglicherweise durch eine Verschärfung der Regulierung. Sowohl die Obama-Regierung als auch die Europäer unter Führung von Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy haben entsprechende Gesetzesinitiativen angekündigt.

Hedge-Investment neu verpackt

Privatinvestoren haben seit Kurzem die Möglichkeit, an der konservativen Rückbesinnung via liquiden ETFs teilzunehmen: Ein entsprechender Indexfonds (DB x-Trackers DB Hedge Fund Index ETF; WKN DBX1A8) der ETF-Sparte der Deutschen Bank, kann seit dem 11. März laufend an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Im Vergleich zu direkten Hedgefondsinvestments ist der ETF damit deutlich liquider. Der Fonds basiert auf dem hauseigenen DB Hedge Fund Index, der sich aus fünf verschiedenen Teilindizes zusammensetzt. Da die zugrunde liegenden Hedgefonds in US-Dollar notieren, besteht ein Währungsrisiko – das jedoch nach Angaben des Emittenten zumindest teilweise abgesichert wird. Für dieses Plus an Sicherheit und Liquidität verlangt die Deutsche-Bank-Tochter eine jährliche Managementgebühr von 0,90%.

Fazit

Erfolgreiche Hedgefonds machen vor, dass die vorgestellten Strategien tatsächlich in messbare Erfolge umgemünzt werden können. Wie bei jeder anderen Anlageform, ist eine dauerhaft positive Entwicklung jedoch auch in diesem Bereich reine Utopie. Durch die Beimischung alternativer Assets lassen sich Risiken auf Portfolioebene lediglich begrenzen, aber nicht ausschließen. Übertreibungen und Ineffizienzen werden trotz steigender Regulierung auch in Zukunft nicht ausbleiben – sorgfältig ausgewählte Hedgefonds dürften daher auch in Zukunft eine interessante und hochprofitable Anlagemöglichkeit bleiben.

03.11.2009 | 00:00

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