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Allianz: 800 Milliarden Dollar gegen den Klimawandel

Die Allianz will nachhaltiger anlegen. Dabei aber nicht weniger Rendite erzielen. Geht das? (Foto: MDOGAN / Shutterstock.com)


Bis zum Jahr 2050 wollen zwölf Versicherer und Pensionsfonds ihre gesamten Vermögenswerte klimaneutral angelegt sehen. Ganz vorn dabei: die deutsche Allianz. Was treibt die Münchner an? Und wohin treibt die Aktie?

2,4 Billionen Dollar. So viel Geld verwalten die Allianz, Swiss Re, Zurich, CDPQ, Storebrand, Alecta, AMF, CalPERS, Nordea, Folksam, Pension Danmark und die Caisse des Depots Group zusammen. Alle zwölf dürften hierzulande die wenigsten kennen. Das könnte sich von nun  an jedoch ändern. Dieses Dutzend Pensionsfonds und Versicherer nämlich, startet einen Zusammenschluss und einen Versuch, der in der Finanzindustrie seinesgleichen sucht. 2,4 Billionen Dollar, sprich sämtliches von ihnen verwaltetes Vermögen, sollen bis zum Jahr 2050 klimaneutral angelegt werden. Dazu haben sich die zwölf Investmenthäuser verpflichtet, ihr Programm dazu am 23. September auf dem Weltklimagipfel in New York der breiten Öffentlichkeit verkündet. Weitere Mitstreiter sind gern gesehen.

„Entschlossenes Handeln im Klimaschutz lässt sich nicht über kurzzeitige Ziele definieren, wir müssen eine langfristige Perspektive haben“, sagte die Exekutivdirektorin des UN-Umweltprogramms (UNEP), Inger Andersen. Sie begrüße deshalb die Führungsrolle der Investoren der Net Zero Asset Owner Alliance (AOA). Das Engagement der auf diesen Namen lautenden Investoren-Koalition sei „ein starkes Signal, das Finanzmärkte und Investoren der Wissenschaft zuhören und uns auf einen Weg der Resilienz und Nachhaltigkeit führen“. Einberufen wurde die AOA von der UNEP-Finanz- sowie der UN Principles for Responsible Investment-Initiative (PRI). Diese sollen Experteneinschätzungen und ihr Netzwerk zu Investoren liefern. Mission 2020 und der WWF werden das Bündnis als Nichtregierungsakteure strategisch beraten. Über Zwischenziele und Berichte soll der Fortschritt innerhalb der AOA gewährleistet werden.

Bleibt die Frage, wie genau das eigentlich gehen und vor allem wie sich so noch konkurrenzfähige Renditen erzielen lassen sollen? Bei Europas größtem Erstversicherer ist man vom Gelingen überzeugt. Die Allianz war und ist eine der treibenden Kräfte hinter der AOA. Allein der Vermögenswert der Deutschen liegt bei rund 800 Milliarden Dollar.

„Viele Möglichkeiten durch Investitionen in kohlenstoffarme Lösungen Renditen zu erzielen“

„Wir gehen diese Verpflichtung ein, da wir erwarten, First-Mover-Vorteile zu erzielen und langfristig Renditen zu sichern, indem wir das Kapital unserer Versicherungskunden klimaschonend anlegen“, wirbt die Allianz. „Es ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit, den Klimawandel zu bekämpfen“, mahnt Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender des Münchner Versicherungsriesen. „Wir Asset Owner nehmen unsere Verantwortung ernst und steuern im Dialog mit den Unternehmen, in die wir investieren, auf kohlenstoffarme Geschäftspraktiken hin“, so Bäte weiter. Man habe damit bereits begonnen und werde all seine Portfolios bis 2050 klimaneutral stellen.

Odd Arild Grestad, CEO von Strorebrand, sagte: „Nachhaltige Investments generieren schon heute gute Renditen, was zeigt, dass solche Anlage-Strategien eine Win-Win-Situation sind. Für die Menschen, den Planeten und den Profit.“ Michael Sabia, CEO von CDPQ, sieht ebenfalls große Chancen: „Für Investoren gibt es viele Möglichkeiten, durch Investitionen in kohlenstoffarme Lösungen Renditen zu erzielen und mit Portfoliounternehmen bei der Dekarbonisierung zusammenzuarbeiten“, sagte er. Hier wollen die zwölf Vorreiter auch durchaus Druck auf etablierte Branchen ausüben. Kohlekraftwerk-Betreibern beispielsweise sollen Alternativen aufgezeigt und schmackhaft gemacht werden. Gelingt das nicht, können sich Allianz und Co. auch vorstellen ernst zu machen, sprich deren Anteile aus ihren Depots zu werfen. Ein Muss ist es der Vereinbarung nach zunächst nicht.

Allianz: Auch an der Börse nachhaltig

In Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz macht der Versicherungsgigant aus München seit längerem ernst. 2018 belegte der Konzern zum zweiten Mal in Folge den ersten Platz im „Dow Jones Sustainability Index“. Grund waren unter anderem die 165 Versicherungs- und Finanzprodukte mit ökologischem oder sozialem Nutzen, dazu Investitionen in Erneuerbare Energien in Höhe von 5,6 Milliarden Euro oder – das Jahr 2010 als Ausgangspunkt – die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks je Mitarbeiter um 17 Prozent. Und die Münchner machen munter weiter. Bald schon soll der gesamte Geschäftsbetrieb über erneuerbare Energien am Laufen gehalten werden.

Den Eindruck, den die Deutschen in Sachen Nachhaltigkeit hinterlassen, ist so ein auffällig guter. Der an der Börse, ist es ohnehin seit Jahren. Seit 2012 befindet sich die Aktie in einem stetigen Aufwärtstrend. Ihr Kurs steigt gemütlich, dafür kontinuierlich. Und folgt damit der realwirtschaftlichen Konzernperformance. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um 3,5 Prozent auf 130,6 Milliarden Euro, der operative Gewinn um 3,7 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro. Die jüngsten Zahlen zum zweiten Quartal 2019 überzeugten ebenfalls: Umsatz und operatives Ergebnis stiegen um 6,1 respektive 5,4 Prozent auf 33,2 und 3,2 Milliarden Euro. Die Aktie kletterte mit. Allein in diesem Jahr um bislang 20 Prozent. Auf Zehnjahressicht steht sie mit 160 Prozent im Plus. Da Aktienkurs und Geschäftszahlen sich so schön gleichmäßig in die richtige Richtung entwickeln, bleibt die Bewertung mit einem 10er KGV m Rahmen. Eine Dividende in Höhe von neun Euro je Aktie und einer daraus resultierenden Ausschüttungsquote von 5,2 Prozent verleihen dem Papier aus Anlegersicht zusätzlich Stabilität.

Der AOA-Beitritt könnte sich darüber hinaus als kluger Schachzug erweisen. Einerseits schafft er Aufmerksamkeit und Anerkennung, andererseits wirkt er auch aus Investment-Perspektive zukunftsorientiert. Wenn Kohlenstoffdioxid in Zukunft stärker bepreist werden sollte, sich E-Mobilität und alternative Energien durchsetzen, könnten sich Investments in „klimaschädliche Unternehmen“ ohnehin weniger lohnen. So scheint das Risiko, das die Allianz gemeinsam mit ihren Partnern eingeht, gar nicht groß. Gleichzeitig präsentieren sich die Münchner auf der Höhe der Zeit.

OG
 
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11.10.2019 | 09:33

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