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„Die Märkte spielen verrückter, als einst zur Dotcom-Blase“

(Foto: Kent Sievers / Shutterstock)



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Warren Buffetts kongenialer Partner Charlie Munger beobachtet die aktuelle Börsenlage mit viel Argwohn – und holt ein weiteres Mal gegen Kryptowährungen aus. Er würde nicht wollen, dass auch nur einer von diesen Leuten in seine Familie heirate.

Charlie Munger ist so etwas wie der Uli Hoeneß der Finanzwelt. In regelmäßigen Abständen platzt dem Milliardär und Geschäftspartner von Investorenlegende Warren Buffett öffentlichkeitswirksam der Kragen. Einmal angefangen, kennen die Schimpftiraden oft kein Ende und wandern von einem Thema zum nächsten. Der inzwischen 97-Jährige Munger kann sich das, ähnlich wie der 69-Jährige Hoeneß, leisten. Wie der langjährige FC Bayern München-Manager, hat Munger in seinem Metier alles erreicht. Gemeinsam mit Buffett gehört er zu den bekanntesten und erfolgreichsten Investoren der Welt. Wenn einer wie er vor Mikrofonen ausflippt, hören Millionen von Anlegern gespannt zu.

So also wohl auch beim jüngsten Rundumschlag in einem Interview im Rahmen der Sohn Hearts & Minds Investment Leaders Conference, eine der renommiertesten Finanzmarktveranstaltungen in Australien. „Die Dotcom-Blase war hinsichtlich der Bewertungen verrückter, als das, was wir heute sehen. Aber insgesamt, über alle Faktoren hinweg betrachtet, ist die derzeitige Ära verrückter“, sagte Munger laut Australian Financial Review. „Du musst eine riesigen Aufpreis für gute Unternehmen zahlen und das reduziert deine zukünftige Rendite“, begründete er.

Buffett und Munger sitzen mit Berkshire Hathaway auf einer Menge Cash. Anfang Novemeber waren es rund 150 Milliarden US-Dollar. Im dritten Quartal hat die wohl berühmteste Holdinggesellschaft der Welt erneut mehr Aktien verkauft als gekauft. Seit Ausbruch der Pandemie sind Buffett und Co. zurückerhaltend. Die hohen und immer weiter steigenden Aktienbewertungen passen nicht zum von Buffett und Munger präferierten und geprägten Value-Ansatz, also Aktien von unterbewerteten Unternehmen zu kaufen. Oft wird den beiden Investment-Gurus deshalb vorgeworfen, sie wären nicht mit der Zeit gegangen und hätten die Ära der Wachstums-Aktien verschlafen. Entsprechend könnten Aussagen, wie die von Munger, auch nur dazu dienen eine Investmentstrategie zu rechtfertigen, die in der Corona-Pandemie bis dato einfach nicht funktionieren will. Oder schlicht dazu, Marktteilnehmer zu verunsichern und die Kurse nach unten zu drücken.

Allerdings hat wohl kaum ein Investment-Duo so viel Erfahrung mit Bullen- und Bärenmarkten, Blasen und Crashs, Höhen- und Tiefflügen, wie Buffet und Munger. Und so hallen deren Warnungen mit Blick auf horrende Überbewertungen doch irgendwie nach. Auch, weil sie ja durchaus begründet sind. Während der Dotcom-Blase reichte ein ebensolche Dotcom im Namen schon aus, um Kurse in absurde Höhe zu treiben, obwohl die betreffenden Unternehmen weder Umsatz noch Gewinn erwirtschafteten. Nun sind es Begriffe, wie Metaverse, Krypto, Blockchain oder E-Mobility, die Anleger in Scharen zugreifen lassen. Der E-Autobauer Rivian ist dabei vielleicht das prominenteste Beispiel. Obwohl der mögliche Tesla-Rivale noch nicht einmal Umsätze generiert, ist er an der Börse mit 95 Milliarden US-Dollar bewertet – und spielt damit ungefähr in einer Liga mit Daimler und BMW. „Verrückt“ ist das allemal.

Gute geführte Konzerne mit hohen Gewinnen und Wettbewerbsvorteilen seien hingegen kaum noch zu finden, so Munger. „Was du findest ist, dass die großartigen Unternehmen alle schon entdeckt worden sind und jetzt extrem teuer sind.“

Wo Munger schon einmal bei Überbewertungen war, nutzte er die Konferenz-Bühne auch gleich noch zu einem Angriff auf Kryptowährungen. „Ich wünschte, Kryptowährungen wären nie erfunden worden“, sagte er und lobte China: „Die Chinesen haben richtig entschieden, indem sie diese verbannt haben“. Munger ist genauso wie Buffett für seine Abneigung gegen den Bitcoin und seine Brüder und Schwestern bekannt. Diesmal wurde er aber emotional: „Glaubt mir, die Menschen, die Kryptowährungen kaufen denken nicht an Kunden, sie denken nur an sich selbst. Schaut sie euch an. Ich würde nicht wollen, das auch nur einer von ihnen in meine Familie heiratet.“ Weiter ließ er damit einhergehend kein gutes Haar an der Millenial-Generation und beschrieb sie kurz und knapp als: „sehr seltsam, sehr egozentrisch und sehr links.“

Von verrückten Märkten hin zu linken Millenials – bei Munger war mal wieder alles mit dabei. Nur wenige Schimpftiraden machen so viel Laune. Oder Angst. Je nachdem wie man es eben nimmt.

OG

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03.12.2021 | 14:02

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