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Tech-Aktien: Welche Trends die Branche in Zukunft prägen


Technologieunternehmen wie Apple, Amazon und Alphabet haben den Alltag vieler Menschen verändert. Angesichts des rasanten technischen Fortschritts war das aber nur der Anfang. Für Investoren lohnt es sich deshalb zu analysieren, welche Megatrends die Branche prägen – und welche Unternehmen die Entwicklungen vorantreiben.

Eine Analyse von Fidelity International

Unternehmen wie Amazon, Apple und der Google-Mutterkonzern Alphabet sind Taktgeber eines Technologiemarktes, der sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt hat: Smartphones haben Mobiltelefone verdrängt, immer mehr Menschen kaufen online ein statt im stationären Handel und tauschen das Abendprogramm im Fernsehen gegen Streaming-Dienste auf dem Smart-TV. Mit dem Markt haben sich auch die Technologieunternehmen selbst verändert.

Manche Namen sind verblasst oder ganz verschwunden, andere Unternehmen sind enorm gewachsen. Dank ihrer schieren Größe können diese Firmen viel investieren, neue Geschäftsfelder erschließen und so über ihre Branche hinaus zu Schwergewichten werden. Gleichzeitig verändern sich Märkte immer schneller, weil die Unternehmen Innovationen leichter verbreiten können.

Die großen Technologieunternehmen konzentrieren sich längst nicht mehr nur auf ihr ursprüngliches Geschäftsfeld. Sie sind in vielen verschiedenen Geschäftsfeldern aktiv, ein wichtiger Treiber für völlig neue Anwendungen und Dienstleistungen, und sie sind Ideengeber für andere Unternehmen. Viele Start-ups konnten zum Beispiel erst durch den kostengünstigen Zugriff auf Cloud Computing über Amazon Web Services ihre neuen Konzepte umsetzen. Die Google-Mutter Alphabet hat zusammen mit Salesforce.com Milliarden US-Dollar in den Kauf vielversprechender Datenanalyse-Unternehmen investiert. Apple zählt gemessen am Umsatz zu den zehn größten Einzelhändlern weltweit, Netflix und Amazon machen zusammen 16 Prozent des Gesamtetats für Fernsehproduktionen in den USA aus.

Und Alphabet, Amazon und Apple haben eigene Chip-Technologien entwickelt und so traditionelle Anbieter umgangen. Sie haben ihr Leistungsspektrum stetig erweitert, zuletzt insbesondere durch die Entwicklung von Trainingssystemen für maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz.
Menschen neigen dazu, Veränderungen und deren Kraft zu unterschätzen – und vor allem nicht die wesentlichen Entwicklungstreiber zu erkennen. Für Anleger kann es jedoch entscheidend sein, die Entwicklungen der Technologiebranche im Auge zu behalten und sich ihnen analytisch zu nähern, um Veränderungen zu antizipieren. So können Anleger frühzeitig investieren und entsprechend stark von den folgenden Entwicklungen profitieren.

Ein zentraler Faktor auf dem Technologie-Markt ist mittlerweile die schiere Unternehmensgröße. Die global führenden Firmen profitieren von ihrer jeweils dominanten Markstellung, erzielen hohe Umsätze und können entsprechend viel Kapital investieren. Damit bauen sie ihre Wettbewerbsvorteile aus, erschließen neue Geschäftsfelder und neue Einnahmequellen: Amazon, Apple, Facebook und die Google-Muttergesellschaft Alphabet generieren mit ihren Geschäftsmodellen Umsätze in einer Größenordnung und einer Dynamik, von der vormalige Technologie-Leader wie Microsoft und Chiphersteller Intel in den 1990er Jahren nur träumen konnten.

Daten sind das neue Öl – und immer günstiger zu haben

Weiterer zentraler Faktor für den rasanten technologischen Wandel ist die nach wie vor stark wachsende Leistung der Hardware bei gleichzeitig sinkenden Kosten. Mikrochips und die Geräte, in denen sie arbeiten, werden immer leistungsstärker, kleiner und gleichzeitig billiger Dieser anhaltende Trend hat die Dynamik des Technologiemarktes erheblich beschleunigt und bei vielen Unternehmen einen sich selbst verstärkenden Kreislauf in Gang gesetzt. Mit schier unendlichen Speicherkapazitäten ausgestattet, erfassen und analysieren Unternehmen Daten, um ihre Leistungen zu verbessern – und füttern in der nächsten Runde ihre IT-Systeme mit den verbesserten Ergebnissen als Grundlage für neuerliche Analysen.

Big-Data-Analysen sind ein zentrales Element für viele Branchen, um effizienter zu werden und Arbeitsprozesse zu verbessern – und damit eine große Chance für Technologieunternehmen. Konsumgüterhersteller etwa nutzen sie, um ihre Kunden und deren Bedürfnisse besser zu verstehen: Milliarden von vernetzten Geräten wie Autos, Kühlschränke und Uhren kommunizieren untereinander und verarbeiten Informationen, um Kunden optimal zu unterstützen.

1. Maschinelles Lernen: Computer lernen so schnell wie noch nie zuvor. Die kapitalstarken Tech-Riesen investieren enorme Summen in die Technologie und erreichen dank kostengünstiger Hardware und leistungsstarken, auf Big-Data ausgerichteten Analysetools große Fortschritte. Den Anwendungsfeldern sind kaum Grenzen gesetzt: mit maschinellem Lernen lassen sich etwa völlig neue Anti-Geldwäsche-Systeme für Banken entwickeln, Onlinehändler nutzen die Technologie, um Bestellungen abzuwickeln und auszuliefern.

2. Künstliche Intelligenz (KI): Gleichzeitig können Computer immer besser selbstständig lernen und ähnlich einer natürlichen Intelligenz komplexe Probleme lösen. KI revolutioniert zentrale Bereiche der Branche, etwa beim Auswerten von Fotos und Videos in Verbindung mit einer immer leistungsfähigeren Bildsensorik. Damit können Computer besser als bisher mit Menschen interagieren. Smartphones zum Beispiel können Bilder immer besser lesen, interpretieren und darauf reagieren.

3. Neue Generation von Computern: Smartphones werden für Menschen immer wichtiger. US-Amerikaner zum Beispiel verbringen 60 Prozent ihrer Internetzeit via Smartphone im Netz. Dank neuer Technologien und verbesserter Berührungs-, Kipp-, Ortungs- und Mikrosensitivität werden Handys künftig deutlich einfacher zu bedienen sein, zumal Anwendungen stärker als bislang auf Bildgebung statt auf Texte und Zahlen ausgerichtet sein werden.

4. Einzelhandel: KI-Funktionen könnten Onlineshopping auf ein ganz neues Level bringen: etwa mit virtuellen Verkäufern und Chatbots, die den Einkauf im Webshop für Kunden künftig noch einfacher machen. Auch Produkte, die bislang noch überwiegend im stationären Handel über den Ladentisch gehen, könnten dann zunehmend online verkauft und die Auswahl bei gängigen Online-Produkten wie zum Beispiel Kleidung weiter verbessert werden. Big-Data-Anwendungen machen es Händlern zudem immer leichter, ihren Kunden auf sie zugeschnittene Empfehlungen zu geben.

5. Elektro-Autos und autonomes Fahren: Etablierte Hersteller werden ihre Fahrzeugflotte in den kommenden Jahren zunehmend auf Elektroautos umrüsten. Damit werden elektronische Komponenten, Halbleiter und Batterien für die Fahrzeugentwicklung immer wichtiger. Zudem eröffnet der Paradigmenwechsel im Antrieb vergleichsweise jungen Marktteilnehmern wie Tesla große Chancen. Das Gleiche gilt für das autonome Fahren. Die Veränderungen werden über die reine Technologie der Fahrzeuge hinaus massive Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten und damit auch auf Arbeit und Freizeitgewohnheiten der Menschen haben, weil sie die Zeit unterwegs produktiv nutzen können, statt sich auf den Verkehr zu konzentrieren.

6. Intelligente Städte (Smart Cities): Der technologische Fortschritt wird auch die Städteplanung revolutionieren. Selbstfahrende Autos sind dabei nur ein Aspekt, der intelligente Städte der Zukunft dank innovativer Technologien verändern und die Lebensqualität der Menschen deutlich verbessern wird.

China entwickelt sich zum Innovationszentrum

Bleibt noch ein Aspekt hervorzuheben: In den vergangenen Jahren haben die großen US-Konzerne die Technologiebranche zwar klar dominiert. China entwickelt sich aber immer mehr zu einem neuen Innovationszentrum und ist in einigen Bereichen bereits klarer Innovationsführer. Vor allem im Bereich KI und 5G-Netze sind chinesische Unternehmen mittlerweile führend, das Gleiche gilt für den E-Commerce: Nirgendwo sonst auf der Welt kaufen die Menschen so viel im Internet ein wie im Reich der Mitte. Entsprechend erfolgreich sind Online-Plattformen wie TaoBao, Alibaba und WeChat. Passend dazu haben chinesische Unternehmen sich zu führenden Anbietern digitaler Zahlungsdienste wie WeChat Pay und Alipay entwickelt. China beherbergt zudem immer mehr Technologie-Startups – von denen einige die Zukunft entscheidend mitprägen könnten.

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27.12.2019 | 13:48

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