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Tesla nach den Zahlen: Wenn Erwartungen utopisch werden

(Foto: Shutterstock)



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Nach 17 Jahren mit Verlusten hat der E-Autopionier Tesla ausgerechnet das Corona-Jahr erstmals mit einem Gewinn abgeschlossen. Die hohen Erwartungen an das vierte Quartal allerdings konnte der Konzernlenker Elon Musk nicht erfüllen, die Anleger reagieren enttäuscht. Aber die Zahlen zeigen auch eines deutlich: Die aktuelle Stärke von Tesla liegt in der Energiespeicherung und Solarstromerzeugung.

Das Speichergeschäft ist der absolute Überflieger. Hier hat Tesla einen deutlichen Vorsprung vor der Konkurrenz. Die Sparte konnte im vergangenen Jahr um fast 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen. Der Umsatz im Bereich Energieerzeugung und -speicherung lag im vierten Quartal bei 752 Millionen Dollar, nach 436 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum und 579 Millionen Dollar im dritten Quartal. Und das ist wahrscheinlich nur der Anfang des Aufschwungs. Das Unternehmen erklärt schon lange, dass es eines der größten Energie- oder Versorgungsunternehmen der Welt werden will, um so den Wechsel zu erneuerbaren Energien zu fördern. Tesla könnte damit ein großer Nutznießer der Pläne der Biden-Administration werden. Unter dem neuen Präsidenten soll die Entwicklung von Solaranlagen und erneuerbaren Energien drastisch steigen. Ein mögliches großes Infrastrukturprojekt mit deutlich steigenden Fiskalausgaben könnte für das nötige Kleingeld sorgen. Dieser Trend wird auch an der Börse immer mehr wahrgenommen, verstärkt hat er sich mit dem Sieg der Demokraten bei der Präsidentschaftswahl im November.

Auch bei Tesla haben die Short Seller den Kampf verloren

Leerverkäufer haben sich in den vergangenen Jahren an der Tesla-Aktie erfolglos die Zähne ausgebissen. Sie verloren Milliarden, weil das Papier immer neue Rekorde erklomm. Allein im vergangenen Jahr ein Plus von 730 Prozent in der Aktie. Ein Grund für diesen exorbitanten Anstieg waren auch eben jene Short-Seller, die sich zu immer höheren Kursen mit Aktien eindecken mussten. Leerverkäufer haben bei Tesla im Jahr 2020 mehr verloren als bei jeder anderen Aktie. Viele von ihnen haben ihre Positionen im Laufe des vergangenen Jahres jedoch geschlossen. Der sogenannte „Short-Float“ lag zum Jahreswechsel auf dem historisch niedrigsten Wert von weniger als sechs Prozent des Streubesitzes. Ein Jahr zuvor lag er noch bei rund 20 Prozent. Dieser Katalysator fällt in den nächsten Monaten bei der Tesla-Aktie also nicht mehr so stark ins Gewicht, so dass sich die Anleger mehr auf das operative Geschäft und die Entwicklung dieses konzentrieren werden. Die überwiegende Mehrheit der Anleger möchte in der Tesla-Aktie nie als Verkäufer auftreten. Die Tesla-Fans lieben die Aktie, sie lieben das Auto, sie lieben Elon Musk, aber sie sind auch unnachgiebige Aktionäre.

Enttäuschungen müssen eingeplant werden

Geht es nach ihnen, muss Tesla die hohen Erwartungen und jährlichen Wachstumsraten jenseits von 20 Prozent tatsächlich auch irgendwann erfüllen. Wenn man aber bedenkt, dass es Tesla zwar gelang, den Gesamtumsatz im Jahr 2020 um 28 Prozent zu steigern, der Aktienkurs sich jedoch mehr als verachtfacht hat, wird schnell klar, dass sich hier immer wieder Enttäuschungen einstellen können, obwohl sich das Unternehmen in der Tat operativ gut entwickelt. Dies gilt es als Anleger in dieser Aktie immer abzuwägen und nicht nur den schönen Worten eines zweifellos charismatischen CEOs zu folgen.

Von Konstantin Oldenburger, Marktanalyst CMC Markets

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28.01.2021 | 11:56

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