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Auf Konjunkturwellen reiten

Ralph W. Stemper

Ralph W. Stemper


Von Ralph W. Stemper, Head of Public Distribution Germany & Austria bei Barclays Capital und verantwortlich für die Retail Plattform Bmarkets. 

DAX, Dow Jones oder EURO STOXX 50 heißen die Marktbarometer, auf die sich die Aufmerksamkeit konzentriert. Dabei lassen sich auch abseits der Standardindizes attraktive Investments umsetzen. Vielfach entwickeln sich so einzelne Branchen erheblich besser als der Gesamtmarkt. In den vergangenen zwölf Monaten legte der Sektorindex auf Getränke und Nahrungsmittel, der EURO STOXX Food & Beverages, beispielsweise um knapp 25% zu, während der marktbreite EURO STOXX lediglich um rund 6,5% stieg. Die schwächsten Branchen wie etwa Banken oder Versorger verloren dagegen an Wert. Anleger können die Rendite ihres Depots daher verbessern, indem sie die unterschiedlichen Branchenzyklen ausnutzen. 

Das Depot zyklisch steuern

So reagieren die einzelnen Industrien unterschiedlich stark auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Beispielsweise profitieren in einem Konjunkturaufschwung Branchen wie Grundstoffe, Energie oder Industrie in der Regel stärker und entwickeln sich besser als der Gesamtmarkt, während eher defensive Industrien wie die Gesundheitsbranche in konjunkturell schwachen Phasen punkten. Im Vergleich zu einem Investment in den Gesamtmarkt erleichtern die einzelnen Branchen Anlegern vor allem durch zwei Eigenschaften die Steuerung des Portfolios: Konjunkturelle Einflüsse lassen sich vielfach genauer bestimmen und die einzelnen Branchen reagieren in der Regel stärker auf ausgewählte makroökonomische Faktoren. Zudem können Anleger mit Produkten auf die einzelnen Sektoren schnell branchenrelevante Nachrichten wie zum Beispiel überraschend gute Umsatzzahlen einzelner repräsentativer Unternehmen oder positive Nachrichten in wichtigen Absatzmärkten umsetzen. Da die Indizes über mehrere Unternehmen diversifizieren, lassen sich im Unterschied zu einem Investment in Einzeltitel unternehmensspezifische Risiken reduzieren.

Mit Stop-Loss gegen Marktschwankungen absichern

Mittlerweile steht Anlegern ein reichhaltiges Instrumentarium zur Umsetzung von Branchen-Investments zur Verfügung. STOXX berechnet für die unterschiedlichen Wirtschaftsräume wie Europa einschließlich Großbritanniens oder die Eurozone jeweils 19 Sektorindizes, für die unterschiedliche Produktstrukturen angeboten werden. Beispielsweise können Anleger die einzelnen Industrien über Indexzertifikate oder Hebelpapiere abbilden. Die Indexzertifikate eignen sich dabei eher für eine langfristige Übergewichtung einzelner Branchen, während sich mit Hebelprodukten, sogenannten Mini Futures, auch kurzfristige Branchenbewegungen für attraktive Renditen nutzen lassen. Dank des gehebelten Investments können Anleger mit geringem Kapitaleinsatz von der jeweiligen Branchenentwicklung profitieren und bei geringen Kursschwankungen attraktive Renditen erzielen. Zudem lassen sich mit Short-Produkten auch bei negativen Branchenentwicklungen Gewinne erzielen. Allerdings sollten Anleger Investments in die Hebelprodukte über Stop-Loss-Limits absichern, um nicht von plötzlichen Marktbewegungen überrascht zu werden.

Die Schwankungen an den Aktienmärkten der zurückliegenden Jahre lassen die klassischen „Buy-and-hold“- Ansätze, mit denen sich noch in den 1980er- und 1990er-Jahren attraktive Renditen erzielen ließen, weniger erfolgversprechend erscheinen. Mit Indexzertifikaten und Hebelprodukten auf die verschiedenen Branchen finden Anleger Instrumente, mit denen sie die Konjunkturzyklen einzelner Branchen ausnutzen und ihr Portfolio jederzeit effizient auf Markttrends ausrichten können. Eine solche regelmäßige Anpassung eröffnet Anlegern Perspektiven, auch zukünftig überdurchschnittliche Renditen an den Aktienmärkten zu erzielen.  

 

26.08.2010 | 00:00

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