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Banken und Versicherungen rücken in den Fokus

Walter Schwinghammer, Vertriebsleiter Privatkunden in Deutschland der Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV)

Walter Schwinghammer, Vertriebsleiter Privatkunden in Deutschland der Bank für Tirol und Vorarlberg AG (BTV)


Wer in der aktuellen Kursrally nicht nur die steigenden Kurse betrachtet, sondern auf die Aussagekraft der fundamentalen Daten vertraut, wird feststellen, dass viele Banken- und Versicherungstitel nach wie vor unterbewertet sind. Ein Grund dafür ist das Misstrauen, das viele Anleger der Finanzbranche seit der Finanzkrise und in der jetzigen europäischen Staatsschuldenkrise entgegenbringen. Zu groß scheint das Risiko, zu beschädigt das Image der Finanzindustrie. Aber ist dieses Misstrauen noch gerechtfertigt?

Viele Banken sind wieder gut aufgestellt

Wenn man die Finanzbranche genau betrachtet, wird man einige positive Veränderungen feststellen: Die Banken haben aus der Finanzkrise gelernt. Risikoreiche Positionen wurden aus den Bilanzen genommen, die Eigenkapitalbasis wurde gestärkt, das Investmentbanking reduziert. Begleitet wurde dieser Prozess durch regulatorische Maßnahmen, etwa Basel III für den Banken- und Solvency II für den Versicherungssektor. Zudem hat es die Europäische Zentralbank durch geldpolitische Eingriffe geschafft, die Peripherieländer zu stützen und für Stabilität und Vertrauen an den Märkten zu sorgen. Heute sind viele Banken aus den Kernländern der Eurozone, insbesondere aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden, wieder gut aufgestellt. Die gegenwärtige Berichtssaison untermauert diesen positiven Trend. Zudem hat die Erholung der Finanzwerte bereits begonnen, wie man beispielsweise an der Outperformance des Stoxx Europe 600 Banks gegenüber dem Stoxx Europe 600 in den vergangenen Wochen sehen kann. In vielen Fällen werden die positiven Entwicklungen allerdings noch nicht in den Aktienkursen der Banken und Versicherungen abgebildet. Es gibt bei Finanztiteln noch immer attraktive Einstiegskurse.

Bei der Auswahl der Finanztitel nüchtern analysieren

Sicherheitsorientierte Anleger sollten sich bei Investments in Finanztitel auf die Kernländer der Eurozone konzentrieren und von Peripherieländern und französischen Titeln Abstand nehmen. Dort sind die Risiken nach wie vor schwer einzuschätzen. Bei der Auswahl der Finanzwerte sollte man auf solide, aussagekräftige Parameter achten: Wie hoch ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)? Macht das Unternehmen wieder Gewinn? Wie stark ist die Eigenkapitalbasis?

Timing beachten

Trotz des aktuellen Kurspotenzials ist es ratsam, noch abzuwarten: Anfang Juni wird die US-Notenbank Federal Reserve entscheiden, ob sie ihre Programme zum Aufkauf von US-Staatsanleihen (QE3) fortsetzen wird oder nicht. Sollte sie sich dagegen entscheiden, ist mit erneuter Verunsicherung an den Finanzmärkten zu rechnen. In solchen Phasen reagieren Finanzwerte häufig wesentlich sensibler als beispielsweise Industriewerte. Wer dieses Risiko vermeiden möchte, wartet besser auf die Entscheidung der Fed. Dennoch lohnt es sich, die Finanztitel genau zu beobachten, um eine günstige Einstiegsgelegenheit nicht zu verpassen.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag ist keine individuelle Anlageempfehlung, kein Angebot zur Zeichnung bzw. zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten.

21.05.2013 | 00:00

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