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Profitieren von der vierten industriellen Revolution

Im Industry 4.0 Performance-Index vertreten: ABB mit seiner Robotik-Sparte (Bild: ABB)

Thomas Rappold (Bild: Rappold)

(Bild: Rappold)


Das Internet der Dinge hält Einzug in die Produktion. Die Vernetzung aller Einheiten folgt einer völlig neuen Logik und führt zu veränderten und verbesserten Wertschöpfungsnetzwerken. Ein potentiell starker Produktivitätsschub für viele traditionelle Industrien. Anleger können zum Beispiel mit dem von der Solactive AG lancierten Open-End Partizipations-Zertifikat auf den Industry 4.0 Performance-Index (WKN: VS8Y40) von dem Megatrend der Digitalisierung der Industrie profitieren.

Von Thomas Rappold

Die Auswirkungen der industriellen Revolution auf die Fertigung waren groß; sie veränderten die europäische Gesellschaft nachhaltig. Wasser- und Dampfkraft beschleunigten im neuen Industriezeitalter die Produktivität, die Lohnarbeit hielt Einzug und der Transport von Waren vereinfachte sich stark. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zur zweiten industriellen Revolution: Die Elektrifizierung ermöglichte Fließbandarbeit und Massenproduktion. Und in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts lösten Informationstechnologien (IT) schließlich den dritten Revolutionszyklus aus. Damit hat es aber nicht geendet, die vierte industrielle Revolution hat gerade begonnen. Ausgelöst wurde der als »Industrie 4.0« bezeichnete Megatrend durch das »Internet der Dinge und Dienste«, das derzeit Einzug in die verarbeitende Industrie hält.

Laut der Strategieberatung Roland Berger dürfte jedoch auch der Weg zu neuen Chancen geebnet sein. Denn dank der neuen »Konnektivitätsqualität« werden alle produktiven Einheiten – Mensch, Maschine, Produktkomponente und System –»Hand in Hand« miteinander arbeiten und einen starken Produktivitätsschub auslösen.

Insbesondere die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer Länder dürfte Roland Berger zufolge davon profitieren. Denn wegen hoher Lohnkosten neigt das dortige produzierende Gewerbe grundsätzlich zur Abwanderung, was für Industrienationen den Super-GAU bedeuten kann. Der Grund: Dabei werden die Karten gerade neu gemischt: Fast alle großen Wirtschaftsnationen haben Initiativen gestartet, um ihre traditionelle Fertigung in sämtlichen ihrer Industrien zu digitalisieren und einen globalen Wettbewerbs- vorteil zu schaffen oder aufrechtzuerhalten. Mehrere Wirtschaftsplattformen wurden zum Beispiel gegründet, um Industrie 4.0 voranzutreiben.

Schweiz und Deutschland in Poleposition

Europäische Unternehmen sind bezüglich Industrie 4.0 bereits gut aufgestellt. Um aber auch künftig eine führende Rolle einzunehmen, müssten sie während der nächsten 15 Jahre 90 Milliarden Euro jährlich (insgesamt 1,35 Billionen Euro) investieren. Nur so lässt sich Roland Berger zufolge der heimische Produktions- standort nachhaltig sichern und die Wettbewerbsfähigkeit eines ganzen Landes stärken oder sogar zurückgewinnen.

Oft wird von bevorstehenden »disruptiven« (zerstörenden) Veränderungen gewarnt, wie sie für Revolutionen typisch sind. Ungeachtet möglicher negativer Effekte hat die Revolution gemäß Roland Berger aber schon begonnen und einen Weg zurück gibt es nicht. Industrie 4.0 gebe letztlich die Antwort auf die vor uns liegenden (industriellen) Herausforderungen. Im Zuge der Entwicklung werden wohl neue Wettbewerber auf den Markt drängen und etablierte verschwinden. Im Vorteil sind laut offiziellen Einschätzungen vor allem mittelständische Unternehmen, die Lean Management betreiben, sich technisch sowie organisatorisch mit Industrie-4.0-Lösungen auseinandergesetzt und die Implementierung des Konzeptes zur Chefsache erklärt haben.

In Industrie 4.0 investieren

Um Investoren an der Entwicklung dieses spannenden Themas teilhaben zu lassen, hat Vontobel im April ein Open-End Partizipations-Zertifikat auf den Industry 4.0 Performance- Index mit der WKN VS8Y40 zur Zeichnung aufgelegt. Der von der Solactive AG lancierte Index bildet die Kursentwicklungen von bis zu 20 Unternehmen ab, die ihren Hauptumsatz im Industrie-4.0-Segment generieren. Dazu zählen die Segmente Automatisierung, Robotik, Sensorik, Software- und Datendienstleister, Maschinen- und Anlagenbau sowie Ingenieurdienstleister. Er wird halbjährlich nach festgelegten quantitativen und qualitativen Auswahlkriterien neu zusammengesetzt.

Im Index vertreten ist zum Beispiel National Instruments, ein weltweit führender Anbieter von Lösungen für die Prüf-, Mess-, Steuer- und Regeltechnik. »Wir entwickeln Werkzeuge, um Komplexität zu vereinfachen«, lautet die Philosophie, mit der das amerikanische Unternehmen, das weltweit 7.300 Mitarbeiter beschäftigt, erfolgreich ist. Seinen Jahresumsatz konnte es in den letzten 20 Jahren nahezu verzehnfachen und auf aktuell rund 1,2 Milliarden Dollar steigern.

Um in den Index zu gelangen, werden die infrage kommenden Branchenunternehmen anhand der Faktoren Eintrittsbarrieren, Produktattraktivität und Marktwachstum, Qualität des Managements und Internationalität des Geschäfts beurteilt. Aus Deutschland sind Betrandt, Dürr, Indus Holding, Infineon, Krones und SAP mit dabei. Die hohe Attraktivität des Segments zeigt sich auch darin, dass mit Kuka und ARM gleich zwei Unternehmen aus der Startzusammensetzung des Zertifikats durch Übernahmen vom Kurszettel verschwunden sind, aber zu einer sehr guten Performance für Anleger der ersten Stunde geführt haben.

Industrie 4.0 ist weit von einem Hype entfernt, sondern tief in der Realwirtschaft verankert. Verfolgt wird beim genannten Index ein Value-Investing-Ansatz mit der Konzentration auf Unternehmen, die schon lange am Markt und sehr profitabel sind, sowie solide Geschäftsmodelle aufweisen. Viele der ausgewählten Unternehmen weisen auch eine schöne Dividende auf. Als Beispiel ist Parker Hannifin zu nennen. Der Maschinen- und Anlagenbauer schüttet bereits seit 53 Jahren in Folge eine Dividende mit steigender Tendenz auf.

Thomas Rappold, Experte für Technologieanlagen und Autor des Fachbuchs Silicon Valley Investing, fungiert als Investment Advisor für den Industry 4.0 Performance Index.

Produkteckdaten: Open End Partizipations-Zertifikat auf den Industry 4.0 Performance-Index
Basiswert: Industry 4.0 Performance-Index
ISIN/WKN: DE000VS8Y403/ VS8Y40
Laufzeit: Open End
Managementgebühr: 1,2% p.a.

04.11.2016 | 13:34

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