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Seltene Erden - sind nicht selten!

Von Anouch A. Wilhelms, Zertifikate-Experte bei der Commerzbank

Anouch A. Wilhelms ist Zertifikat-Experte bei der Commerzbank

Anouch A. Wilhelms


Ein Nischenthema im Bereich Rohstoffe sind die seltenen Erden. Bisher kaum bekannt sprechen aktuell alle über diese seltenen Rohstoffe. Woher kommt diese neue Nachfrage? Erst einmal sollte man klären, was seltene Erden überhaupt sind.

Unter dem Begriff seltene Erden wird die chemische Gruppe der Lanthanoide zusammengefasst. Diese besteht aus den folgenden 17 Elementen des Periodensystems: Lanthan, Cer, Praseodym, Neodym, Promethium, Samarium, Europium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium, Lutetium, Yttrium und Scandium. In der Industrie werden sie zum Beispiel in der Unterhaltungselektronik (iPod, Plasmabildschirme), Kommunikationstechnologie (Blackberrys), Automobilindustrie (Hybridmotoren) und alternativen Energiegewinnung (Windturbinen) eingesetzt. Daneben kommen sie in der Rüstungsindustrie und hier vor allem in Radar- und Raketenlenksystemen zur Anwendung. Die seltenen Erden machen zwar nur einen Promille-Anteil in der Herstellung vieler industrieller Produkte aus, sind aber essenziell und können kaum ersetzt werden.

Außerdem muss man beim Thema seltene Erden erst einmal klarstellen: Seltene Erden sind nicht selten. Diese Rohstoffe sind zwar knapp, aber nicht selten. Cer steht beispielsweise bezüglich der Häufigkeit an 26. Stelle unter den Elementen. Der Hintergrund, warum die Preise in der jüngsten Zeit so exorbitant gestiegen sind, ist nicht zuallererst die Knappheit der Rohstoffe, sondern die Besonderheiten beim Abbau und der Förderung. In den 80er-Jahren waren es hauptsächlich die USA und Russland, die seltene Erden gefördert haben. Da dies aber sehr aufwendig ist und die Preise gering waren, wurden immer weniger Rohstoffe gefördert. Mitte der 90er-Jahre begann China, die Förderung immer mehr auszubauen, und heute haben die Chinesen quasi ein Monopol bei den seltenen Erden. Derzeit hat China einen Anteil von 97% bei der Förderung und Produktion dieser Rohstoffe.

Die Preise seltener Erden haben sich in den letzten Jahren und insbesondere in diesem Jahr rasant nach oben entwickelt. Cer beispielsweise stieg von durchschnittlich 3,88 US-Dollar je Kilogramm 2009 auf 50 US-Dollar je Kilogramm Anfang November 2010. Lanthan hat sich ebenfalls, verglichen zum Durchschnittspreis von 2009, bis heute verzehnfacht. Terbium und Europium sehen da in diesem Vergleich mit Preiszuwächsen von 70% bzw. 23% relativ schwach aus. Im Gegensatz zu den gängigen Metallen gibt es für seltene Erden keinen Börsenhandel. Somit ist die Preisgestaltung sehr intransparent und weder Verbraucher noch Produzenten haben die Möglichkeit, Preise abzusichern.

Aufgrund der gestiegenen Preise gibt es derzeit überall auf der Welt Projekte, um seltene Erden zu fördern. Allen voran sind es derzeit die USA, Kanada und Australien, die in den kommenden Jahren nennenswerte Mengen an seltenen Erden förderten. Aktuell gibt es einige Unternehmen, die diese Projekte umsetzen. Die Commerzbank hat jetzt einen eigenen Seltene-Erden-Index (Performance-Index) aufgestellt, der sich aus den Gesellschaften zusammensetzt, die überwiegend in den Bereichen Exploration, Förderung oder Produktion von seltenen Erden tätig sind. Der Clou bei diesem Index: Die Abteilung der Commerzbank CM Commodity Research unter Leitung des Rohstoffanalysten Eugen Weinberg überprüft fortlaufend die Indexzusammensetzung und nimmt gegebenenfalls quartalsweise Anpassungen vor. So ist die Qualität des Index fortlaufend gewährleistet. Anleger, die in diesen Index investieren möchten, können dies mit dem Index-Zertifikat auf den Commerzbank Seltene Erden Index (WKN CZ33EA) tun, das über jede Bank oder Sparkasse geordert werden kann.

10.12.2010 | 00:00

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