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Megatrends 2019 – Auf diese Unternehmen sollten Anleger achten

Der technologische Wandel wird sich auch 2019 fortsetzen und nicht nur Anleger in Atem halten. (Foto: Willyam Bradberry / shutterstock.com)


Die Welt verändert sich. Und mit ihr ihre Unternehmen, sowie deren Strategien, Geschäftsfelder und Absatzmärkte. In einem atemberaubenden Tempo werden aus erdachten Fiktionen angewandte Realitäten. An der Börse eröffnen sich damit neue Möglichkeiten und gewaltige Chancen. Ein Überblick.

Von den onemarktes-Experten der HypoVereinsbank

Die Chipindustrie

An dem Rennen um die „Mobilität der Zukunft“ möchten sich viele Unternehmen beteiligen – allen voran die Halbleiterindustrie. Beim Blick auf das Wachstumspotenzial wundert das auch nicht. So geht der Marktforscher Mordor Intelligence davon aus, dass der Chip-Markt im Automobilbereich zwischen 2018 und 2023 mit einer durchschnittlichen jähr¬lichen Wachstumsrate von 17,9 Prozent auf 92,9 Milliarden US-Dollar zulegen wird. Bereits heute spielen computergestützte Assistenzsysteme eine immer größere Rolle. So bieten zahlreiche Fahrzeuge teilautomatisierte Lenk- und Spurführungsassistenten der Stufe 2 an. Zwar wird erst bei Level 5 der Fahrer zum Passagier, das heißt, das Fahrzeug befördert die Fahrgäste ohne deren Zutun sicher ans Ziel. Jedoch rechnet der Chip-Riese Intel damit, dass diese Stufe bereits im Jahr 2025 erreicht werden kann. Bei Halbleitern auf vier Rädern ist Infineon vorne mit dabei. Der deutsche Konzern blickt auf mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Autoindustrie zurück. Neben der E-Mobilität setzen die Münchner auch auf das selbststeuernde Fahrzeug. Dass es dabei entscheidend auf die Sicherheit ankommt, ist selbstredend. In diesem Bereich bietet Infineon mit Mikrokontrollern, SIM-Karten sowie entsprechenden Softwarepaketen ein breites Produktspektrum an. Bei den Sicherheits-Mikrokontrollern ist Infineon eigenen Angaben zufolge seit 15 Jahren weltweit führend.

Künstliche Superhirne

Eine der Schlüsseltechnologien beim autonomen Fahren ist Künstliche Intelligenz (KI). Aber nicht nur im Auto nimmt die Technologie eine entscheidende Rolle ein. Unter KI vereinigt sich eine Vielzahl von Megatrends wie Internet der Dinge, Big Data oder auch Cloud Computing. Laut der Beratungsgesellschaft PwC können Unternehmen, beispielsweise aus der industriellen Fertigung, dank KI wesentlich effizienter arbeiten. Ihrer Ansicht nach werden die Entwicklungen positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben. Nach PwC-Berechnungen könnte das weltweite Bruttoinlandsprodukt 2030 durch den Einsatz von KI bis zu 14 Prozent höher ausfallen als ohne die Nutzung intelligenter Systeme. Das entspricht einem Mehrwert von stolzen 15,7 Billionen US-Dollar. Auch im alltäglichen Leben ist die Technologie bereits angekommen. Siri (Apple), Cortana (Microsoft) oder auch Alexa (Amazon) heißen die stets aktiven digitalen Sprachassistenten. „Künstliche Intelligenz hat das Potenzial zum Game Changer“, ist sich Christian Kirschniak von PwC Europe sicher.

Rasantes Wachstum in der Wolke

Unbestritten ist, dass ohne Cloud ein derart durchschlagender und schneller Erfolg von KI nicht denkbar wäre. Die digitale Wolke bietet nämlich nicht nur einen einfachen und ortsunabhängigen Zugang zu KI-Services wie Machine Learning, sondern hält auch die dafür notwendige Rechenleistung parat. Die Big Player der Branche wie Amazon, Google und Microsoft haben dies längst erkannt und in den vergangenen Jahren kräftig in diesen Bereich investiert. Amazon ist sogar weltweiter Marktführer im Cloud Computing. Zudem haben die drei ihr Angebotsportfolio bereits um KI-Services erweitert. Zum Beispiel ermöglicht der Amazon-Service SageMaker maschinelles Lernen für unzählige Einsatzgebiete. Prominente Unternehmen wie der Nachrichtendienst Thomson Reuters, GE Healthcare oder auch die Datingplattform Tinder arbeiten bereits damit. Aber nicht nur KI feuert die Nachfrage nach Cloud-Lösungen an, die Mietsoftware verdrängt auch immer mehr das klassische Lizenzgeschäft. Die Marktforscher von Gartner sehen noch viel Potenzial in der digitalen Wolke. Sie prognostizieren eine Steigerung der Public-Cloud-Erlöse von 75 Milliarden US-Dollar 2015 auf 204 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020.

Technologie „made in Germany“

Geht es um Cloud Computing und Künstliche Intelligenz sowie andere Mega-trends wie das Internet der Dinge und Big Data, sind auch Deutschlands Technologie-Vorzeigekonzerne SAP und Software AG mit dabei. Beide feiern aktuell diesbezüglich Erfolge. So lief es bei der Software AG im abgelaufenen dritten Quartal 2018 besonders im Bereich Cloud & IoT, zu dem auch Industrie 4.0 mit der Vernetzung von Maschinen (M2M) zählt, ausgezeichnet. Die Spartenerlöse schnellten im Vergleich zum Vorjahr um 144 Prozent in die Höhe. Beim Vertrieb von Rechenleistungen über externe Server macht auch SAP große Fortschritte. Dank florierender Cloud-Software-Verkäufe haben die Walldorfer bereits dreimal in diesem Jahr die Ziele für das Gesamtjahr angehoben. „SAP ist das am stärksten wachsende Unternehmen in der Cloud“, sagte Konzernchef Bill McDermott bei Vorlage der Zahlen.

Auf die Leistung kommt es an

Bei all den aufgeführten Megatrends kommt es entscheidend auf die Rechengeschwindigkeit an. An diesem Punkt führt kein Weg an Nvidia vorbei. Der Prozessorspezialist verfügt unter anderem mit seiner Tesla-Serie über Grafikkarten, die eine immense Leistungsfähigkeit besitzen und so Anfragen auf wenige Bruchteile einer Sekunde verkürzen. Der Erfolg lässt sich in der Bilanz ablesen: Zwischen 2015 und 2017 legte der Umsatz um knapp die Hälfte zu. Geschwindigkeit ist vor allem in Bereichen wie autonomes Fahren wichtig, bei denen die Datenflut in Echtzeit ausge¬wertet werden muss. Aber nicht nur im Pkw-Segment finden die Nvidia-Prozessoren Anklang, auch bei Videogaming, Finanzdienstleistungen sowie in der Gesundheitsbranche ist Nvidia nicht mehr wegzudenken.

Fortschritte in der Biotechnologie

Apropos Gesundheit, sogenannte Game-Changer-Unternehmen lassen sich auch im Healthcare-Bereich finden, insbesondere im Bereich Biotechnologie. Hierzulande stechen diesbezüglich zwei Unternehmen heraus: Evotec und MorphoSys. Erstgenanntes verfügt über die innovative iPS-zellbasierte Wirkstoffforschungsplattform, bei der mithilfe von Stammzellen nach geeigneten Medikamentenkandidaten geforscht wird. In diesem Bereich arbeitet die 1993 von Nobelpreisträger Manfred Eigen mitgegründete Gesellschaft mit namhaften Unternehmen wie Celgene, Sanofi oder auch dem Fraunhofer-Institut zusammen. Dabei handelt es sich um lukrative Allianzen: Zum Beispiel hat sich Celgene Anfang Oktober durch die Zahlung von sechs Millionen US-Dollar Zugriff auf weitere Zelllinien auf der iPSC-Plattform verschafft.

Auch MorphoSys, das sich auf die Entwicklung von antikörperbasierten Pro¬dukten spezialisiert hat, verfügt über eine eigene Technologieplattform. HuCAL wird vor allem bei der Suche nach neuen Mitteln gegen Krebs und Entzündungen eingesetzt. Ebenso wie Evotec lebt MorphoSys derzeit von Forschungsgeldern und Meilensteinzahlungen der Partner. Allerdings strebt das Unternehmen die Zulassung eines eigenen Medikaments an. Bei MOR208 handelt es sich um einen Antikörper zur Behandlung von Blutkrebs, der von der US-Medikamentenbehörde FDA bereits den Status „Therapiedurchbruch“ erhalten hat.



02.01.2019 | 15:17

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