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Deutsche Telekom: Hurra, der Ausbruch ist da!

Bei der Deutschen Telekom laufen die Geschäfte rund in der Pandemie. Nun läuft nach einem monatelangen Seitwärtstrend auch die Aktie in die richtige Richtung. (Foto: Shutterstock)



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Starke Ergebnisse und ein dickes Analystenlob treiben den Kurs der Telekom-Aktie in die Höhe. Nach einer monatelangen Hängepartie könnte das der erhoffte Befreiungsschlag sein. Fundamental spricht seit längerem viel für eine höhere Bewertung.

Die Seitwärtsbewegung der Telekom-Aktie, sie schien fast endlos. Über Monate pendelte der Kurs zwischen 14,50 und 15,50 Euro hin und her. Mochten die Nachrichten auch noch so positiv sein, es reichte doch immer nur für ein kleines Plus, das dann kurze Zeit später abverkauft wurde. Gleichzeitig holten im Dax viele andere Werte ihre Verluste aus dem Corona-Crash auf.

Fundamental begründet war die Hängepartei dabei nie wirklich. Schließlich kommt die Telekom hervorragend durch die Krise, verspricht Stabilität – auch bei der Dividende – und hat mit der Sprint-Übernahme von US-Tochter T-Mobile plötzlich sogar wieder ein ordentliche Wachstumsphantasie zu bieten.

Viele Analysten haben die Aktien des deutschen Mobilfunkkrösus deshalb seit längerem auf der Liste ihrer Empfehlungen stehen. Allein, Anlegern war das bislang offenbar egal. Selbst die starke Zahlenvorlage ging zunächst unter. Es gab wohl schlicht zu viele Alternativen am Markt, die eine auf kurze Frist verlockendere Rendite versprachen.

18 Euro sind nun möglich

Unter der Woche ist es nun aber doch passiert. Der Widerstand bei 15,50 Euro ist gefallen und es ging auf 16,20 Euro nach oben. Zwar ist die nächste charttechnische Hürde mit 16,75 Euro nicht weit entfernt, doch mit den starken Fundamentaldaten im Rücken könnte die Aktie jetzt ein Momentum bekommen. Das Hoch aus dem Jahr 2017 bei etwas über 18 Euro scheint erreichbar.

Auslöser für den Kursschub war eine Kaufempfehlung der Citigroup. Analyst Georgios Lerodiaconou nannte ein neues Kursziel von 19,50 Euro und sieht „die Telekom nicht überall führend, aber durchweg gut aufgestellt.“ Darüber hinaus sei der strategische Wert des Mobilfunkmasten-Portfolios unvergleichlich und biete eine Menge Optionen. Bei Goldman Sachs steht die Telekom-Aktie mit einem Kursziel von 23 Euro sogar auf der „Conviction Buy List“. Credit Suisse-Analyst Jakob Bluestone lobte die operative Ergebnisentwicklung der Bonner als „die beste in der Branche“.

Gewinn und Umsatz klettern dank einem phänomenalen US-Geschäft kräftig


Tatsächlich lesen sich die Zahlen glänzend. Der Umsatz stieg 2020 um 25,4 Prozent auf 101 Milliarden Euro. Das Ebitda um 41,6 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Konzernweit betrug der Überschuss 5,7 Milliarden Euro – 15,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Krise trifft die Telekom also kaum. Und das US-Geschäft wird zum Wachstums-, Umsatz- und Ergebnismotor. Mit 100 Millionen Kunden hat T-Mobile US inzwischen die zweitmeisten der Branche in den USA. Deutschland und alle europäischen Landesgesellschaften zusammen machen weniger Umsatz als die US-Tochter.

Für das Deutschland-Geschäft wird nun der Ausbau des 5G-Netzes entscheidend. Telekom-Chef Höttges sieht den Netzbetreiber bei 5G-Mobilfunk in Deutschland klar in Führung. „Ich war beim Start von 3G und bei 4G dabei und kann darum sagen: Noch nie hatten wir einen derartigen Vorsprung“, meinte der Konzernchef in einer November-Telefonkonferenz mit Journalisten. „Wir liegen signifikant vorne, was die Abdeckung angeht.“

In den USA sieht Höttges die Telekom durch den Kauf von Sprint sogar in „einer einzigartigen Spektrumposition. Wir haben jetzt schon die höchste Bevölkerungs- und Flächenabdeckung bei 5G in den USA.“ Sie sei doppelt so hoch wie die von AT&T und mehr als dreimal so hoch wie bei Verizon.
Die Dividende ließ das Management unangetastet, sprich bei 60 Cent je Aktie. Das mag ob der berauschenden Geschäftsentwicklung negativ überraschen. Andererseits liegt die Dividendenrendite damit immer noch bei rund vier Prozent.

Die Wermutstropfen bleiben Netto-Finanzverbindlichkeiten in Höhe von 120 Milliarden Euro und vor allem die nicht unerhebliche Beteiligung des Bundes am Konzern.  Insgesamt hält der deutsche Staat 30 Prozent der Anteile – 14,5 Prozent direkt, 17,5 Prozent über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Staatsbeteiligungen hemmen die Kursentwicklung an der Börse – zumindest meistens. Investoren mögen es nicht, wenn jemand die Finger im Spiel hat, der nicht in erster Linie wirtschaftliche Interessen vertritt. Ebenfalls zum Problem könnten die hohen Investitionen werden, die unter anderem mit dem Ausbau des 5G-Netzes einhergehen. Das könnte die Marge belasten.

Zugreifen, bevor es zu spät ist?

Allerdings handelt es sich hier um eine Fehlersuche auf hohem Niveau. Alles in allem präsentiert sich die Deutsche Telekom aktuell so stark wie lange nicht – und nun reagiert endlich auch der Kurs. Langfristig orientierte Anleger könnten ihre Chance jetzt suchen, bevor der Kurs weitere Hürden nimmt. Die Dividendenrendite passt, die Marktposition wirkt vielversprechend und noch immer scheint die Aktie gemessen an der Konzernperformance unterbewertet. Das Gesamtmarktrisiko ausgenommen, scheint zumindest nach unten hin zunächst wenig Absturzgefahr.  

OG/BAS

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11.03.2021 | 19:00

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