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Wendepunkt am weltweiten Ölmarkt?

WTI-Öl - Endlos-Future (ICE) - Stand: 12.07.2013

WTI-Öl - Endlos-Future (ICE) - Stand: 12.07.2013


Die Zahl der Autoverkäufe in den USA ist in den letzten Jahren gesunken. Denn die US-Gesetzgebung hat die Vorschriften zur Energieeffizienz von Kraftfahrzeugen verschärft. Trotz einer leichten Erholung bei den Absatzzahlen im vergangenen Jahr geht die Nachfrage der US-amerikanischen Endverbraucher nach Benzin stetig zurück. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren weiter fortsetzt.

Schieferöl als marktregulierender Faktor

Der Ölpreis wird sich in absehbarer Zeit nur innerhalb einer geringen Spanne bewegen. Denn das Angebot steigt durch Schieferöl einerseits, gleichzeitig andererseits bleibt der Ausblick für die Weltwirtschaft unsicher. Bedenken über die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung in den USA und China werden den aktuellen Aufwärtstrend des Ölpreises voraussichtlich abmildern. In die andere Richtung dürfte der Preis für Öl der Sorte WTI die Marke von 80 US-Dollar pro Barrel nicht unterschreiten, da sich die Produktion von Schieferöl bei einem Preisniveau unterhalb dieser Grenze für die Unternehmen nicht mehr rentieren würde. Der Preis für WTI-Öl wird außerdem dadurch unterstützt, dass die USA zunehmend Öl exportiert.
Wegen des aufwendigeren Produktionsverfahrens ist die Förderung von Schieferöl mit 50 bis 80 US-Dollar pro Barrel teurer als bei konventionellem Öl. Der Erfolg eines Schieferöl-Projekts ist daher stark von einer guten Konjunktur und einem positiven Investmentumfeld abhängig. Ob also ein Engagement  in diese Sparte der Ölindustrie lohnt, ist letztendlich von der Erwartung in die Weltkonjunktur abhängig. Vor diesem Hintergrund sind Investitionen in die schieferölverarbeitende Industrie eine interessante, aber spekulative Überlegung.

Kurzfristiger Blick in höhere Regionen

In den letzten drei Wochen hat sich WTI-Rohöl um zwölf Prozent verteuert und die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel durchbrochen. Damit ist der Spread zwischen Brent und WTI auf weniger als zwei US-Dollar pro Barrel gefallen. Dies ist der geringste Abstand zwischen den beiden Ölsorten seit Ende 2010. Der Grund für diese Entwicklung liegt insbesondere in den abnehmenden Lagerbeständen in den USA. Denn die Nachfrage ist vor dem Höhepunkt der „Driving Season“ und aufgrund des brummenden Exports derzeit hoch. Die Kapazitäten der Raffinerien an der US-Golfküste sind daher fast vollständig ausgeschöpft. Der kurzfristige Ausblick für Öl bleibt positiv. So dürfte die anhaltende Unsicherheit in Ägypten ebenso wie der Bürgerkrieg in Syrien den Preis zusätzlich unterstützen.
Insgesamt ergibt sich damit zwar kurzfristig Phantasie für den Rohölmarkt, mittelfristig dürfte aber  sich an dem Niveau, das wir derzeit sehen, nur in engem Rahmen etwas ändern. Eine wirkliche Wende am Rohölmarkt ist das nicht – und auch das ist eine Nachricht.

13.07.2013 | 00:00

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