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Börsenrausch in Griechenland nach Abwahl der Sozialisten

Was dürfen Anleger von der neuen, konservativen Regierung in Athen erwarten? Anleihen- und Aktienmarkt reagieren mit deutlichen Signalen auf die Abwahl der Sozialisten.


Obwohl Griechenland die höchste Schuldenquote in Europa hat und seine Bonität auf Ramsch-Niveau liegt, schießen griechische Staatsanleihen durch die Decke. Zudem hat der Athener Leitindex Athex Composite seit Jahresbeginn wegen des politischen Neubeginns um sagenhafte 46 Prozent zugelegt. Wie geht es weiter und was dürfen Anleger von der neuen, konservativen Regierung in Athen erwarten?

Die neue griechische Regierung hat den Finanzmarkt getestet. Das Ergebnis: Investoren reißen sich um Staatsanleihen. So konnte die staatliche Schuldenagentur PDMA mit einer siebenjährigen Anleihe 2,75 Milliarden Euro einsammeln, die Ausgaberendite liegt bei 1,9 Prozent – für Griechenland ein Rekordtiefstand. Während der griechischen Schuldenkrise waren vergleichbare Staatsanleihen mit einer Rendite von mehr als 40 Prozent gehandelt worden. Die Nachfrage nach dem Titel überstieg mit mehr als 13 Milliarden Euro das ursprüngliche Angebot von 2,5 Milliarden Euro um mehr als das fünffache.
 
Grund für die hohe Nachfrage nach griechischen Anleihen ist vor allem der Machtwechsel in Athen. So setzen Anleger auf den wirtschaftsfreundlichen Kurs der neuen, konservativen Regierung unter der Führung von Premierminister Kyriakos Mitsotakis. Das Wirtschaftswachstum ist mit aktuell weniger als 2 Prozent immer noch verhältnismßig gering, die Arbeitslosigkeit zu hoch und die steuerliche Belastung der Bevölkerung erdrückend. Die christ-demokratische, konservative Partei Nea Dimokratia verspricht aber all das zu ändern – meint: massive Steuersenkung, hunderttausende neue Jobs und Verhandlungen mit den griechischen Gläubigern. Damit stellt Mitsotakis also nicht weniger als die Rückkehr zum Wohlstand in Aussicht. Sein neuer griechischer Finanzminister Christos Staikouras kann gut eine Woche nach der Amtseinführung seinem Chef gute Nachrichten melden, denn die erste Bond-Emission nach dem Regierungswechsel war ein voller Erfolg. Warum ist das so wichtig? Der Marktgang gilt als entscheidender Schritt auf dem Weg Griechenlands zu einer besseren Bonität, die sich positiv auf die Bewertung der Ratingagenturen auswirkt. Aktuell stufen die Agenturen Fitch und DBRS Griechen-Bonds als „spekulativ“ ein, Moodys und Standard & Poor’s sogar als „hochspekulative Anlage“. Mitsotakis hat sich vorgenommen, Griechenland innerhalb der kommenden 18 Monate in die Liga der investitionswürdigen Schuldner zu führen. Für den 3. August hat die Agentur Fitch eine Aktualisierung ihres Ratings angekündigt, Standard & Poor’s folgt rund drei Wochen später. Schon in Kürze zeigt sich deshalb, ob der Finanzminister Staikouras seinen ambitionierten Zielen mit der Platzierung des siebenjährigen Bonds nähergekommen ist.
 
Griechenland war seit 2010 über acht Jahre lang auf Finanzspritzen angewiesen. Ende 2018 ist das Programm, das von den Euro-Partnern und dem Internationalen Währungsfonds getragen wurde, ausgelaufen. Insgesamt erhielt das Krisenland fast 289 Milliarden Euro. Aktuell braucht das Finanzministerium aber gar kein frisches Geld, denn die Regierung sitzt auf einem Bargeld-Polster von fast 40 Milliarden Euro. Und trotzdem nutzt Premierminister Mitsotakis das günstige Klima am Bondmarkt. Die Aussicht auf weitere Zinssenkungen im Euroraum befeuern die Nachfrage nach griechischen und italienischen Schuldtiteln – immerhin werfen diese noch eine nennenswerte Rendite ab, während sich beispielsweise die Rendite für deutsche Staatsanleihen im negativen Bereich befindet. Die Rechnung ist einfach: Sparer, die dem deutschen Staat 1000 leihen, gehen in zehn Jahren mit rund 40 Euro Miese aus dem Geschäft, Inflation noch nicht inbegriffen – eine irrsinnige Entwicklung. Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley gehen sogar davon aus, dass die EZB die Zinsen bereits in diesem Monat auf minus 0,5 Prozent sinken könnte.
Griechische Staatsanleihen stellen in diesen Tagen eine willkommene Gelegenheit dar, positive Rendite zu erzielen. An den Kapitalmärkten herrscht – anders als vor wenigen Monaten – großes Vertrauen in Griechenlands Bonität. Experten gehen davon aus, dass das Land geliehenes Geld zurückzahlen kann – dabei ist die neue Regierung noch keine zwei Wochen im Amt. Ob und wie sich der Wechsel von der linken zur konservativen Führung konkret in der Finanz- und Geldpolitik niederschlagen wird, ist noch unklar.
 
Aktienrausch in Athen
 
Lange kannte der Athener Börsenindex Athex Composite nur eine Richtung: bergab. Binnen sieben Jahre stürzte er von seinem Vorkrisenhoch von 2860 Punkten auf 450 Zähler ab. Kurzum: Investoren machten einen ganz großen Bogen um Griechenland. Aktuell liegt der Index bei rund 873 Punkten. Seit Jahresbeginn ist er um sagenhafte 46 Prozent gestiegen, mehr als doppelt so stark wie der amerikanische Aktienindex S&P-500. Die Gründe für den Börsenrausch sind vielfältig. Griechenland hatte zuletzt einige Erfolge zu verbuchen. So konnte das Land im August 2018 aus dem Rettungspaket aussteigen, die Arbeitslosigkeit von 27 Prozent auf – immer noch hohe – 18 Prozent minimieren und 2018 ein Primärüberschuss von 3,5 Prozent des BIP erzielen. Zudem ging das Finanzministerium die Bereinigung der Bankbilanzen entschlossen an. „Die gute Entwicklung am griechischen Aktienmarkt ist vor allem der Erholung bei den Bankaktien zu verdanken. Ein nachhaltiger Aufschwung in dem Land hängt stark davon ab, ob die schwer angeschlagenen Finanzinstitute in den nächsten Jahren erfolgreich saniert werden können“, meint Gerhard Heinrich, Länderanalyst beim Researchhaus Emerging Markets Trader. Ein Blick auf die Kursentwicklungen der Schwergewichte im Athener Börsenindex erklärt die Feierlaune der Börsianer. So haben die Papiere der National Bank of Greece oder Papoutsanis seit Anfang des Jahres um mehr als hundert Prozent zugelegt. Entscheidend wird sein, welche weiteren Erfolge die neue Regierung unter der Führung von Mitsotakis in den kommenden 100 Tagen vermelden kann.
 
FS

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19.07.2019 | 13:14

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