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KOSPI: Nach Rekordcrash mehren sich Signale für Bodenbildung

| Thomas Behnke | Lesezeit: 6 Min.

Mehrere Bankmitarbeiter feiern jubelnd mit grünen Luftballons in Form der Zahl 9000 sowie einem roten Herzballon vor einer Anzeigetafel mit dem KOSPI-Stand.
Mitarbeiter der Hana Bank feiern in Seoul das Überschreiten der 9.000-Punkte-Marke durch den KOSPI, aufgenommen am 18. Juni 2026, einen Tag vor dem späteren Allzeithoch des Index. Nach der anschließenden Korrektur von rund 44 Prozent notiert der KOSPI trotz seiner jüngsten Erholung mit knapp 7.000 Punkten weiterhin deutlich unter diesem Niveau. (Foto: picture alliance/Matrix Images | Jung Ui-Chel)

Nach dem Rekordcrash hat der KOSPI seine 200-Tage-Linie zurückerobert. Wie stabil ist die Erholung, und welche Zertifikate gibt es auf KOSPI, Samsung Electronics und SK hynix in Deutschland?

Vor gut zwei Wochen türmten sich vor dem Parlament in Seoul noch Trauerkränze, aufgestellt von Kleinanlegern, die mit gehebelten Wetten auf Samsung Electronics und SK hynix ihr Kapital verloren hatten. Ist die schärfste Korrektur des südkoreanischen Leitindex KOSPI (Korea Composite Stock Price Index) seit Jahren damit schon wieder Geschichte? An seiner 200-Tage-Linie hat der Index eine Bodenbildung eingeleitet, das charttechnische Bild hellt sich auf.

Die 200-Tage-Linie hält, ein Aufwärtstrend nimmt Form an

Wie der S&P 500 für die Entwicklung am US-Aktienmarkt ist der KOSPI der Leitindex für das Geschehen an der südkoreanischen Börse. Das Kursbarometer hat sich zuletzt spürbar gefangen. Vom Allzeithoch im Juni bis Ende Juli war der Index um rund 44 Prozent eingebrochen und sorgte damit für negative Schlagzeilen weit über das kleine asiatische Land hinaus. Inzwischen hat sich die Lage stabilisiert. Die Dynamik der Bewegungen bleibt dabei enorm. So hat der KOSPI seit seinem Korrekturtief bei 5.263 Punkten bereits wieder um mehr als 30 Prozent erholt und hat beinahe wieder die Marke von 7.000 Zählern erreicht. Bis zum Allzeithoch von 9.386 Punkten vom 19. Juni 2026 ist es aber noch ein gutes Stück.

Aus charttechnischer Sicht bemerkenswert ist, dass die heftige Korrektur nahezu punktgenau an der 200-Tage-Linie stoppte. Sie wurde zwar zwischenzeitlich verletzt, konnte jedoch schnell wieder zurückerobert werden. Die Verteidigung dieses Indikators für den langfristigen Trendverlauf und die deutliche Zurückeroberung lässt sich als Signal für eine mögliche Bodenbildung interpretieren. Gleichzeitig zeichnet sich die Bildung eines kurzfristigen Aufwärtstrends ab. Damit ergibt sich für technisch motivierte Handelsansätze eine konstruktive Ausgangslage.

Gibt es überhaupt ETFs auf den KOSPI selbst?

Es gibt jedoch einen entscheidenden Haken: Wer nun direkt am KOSPI mitverdienen möchte, stößt schnell an Grenzen. Nennenswerte ETFs, die den Index 1:1 abbilden, sucht man praktisch vergeblich. Der Grund liegt vor allem darin, dass europäische Indexanbieter für Südkorea in der Regel auf den MSCI Korea Index zurückgreifen statt auf den KOSPI, wodurch sich kein etablierter ETF-Markt für den heimischen Leitindex selbst entwickelt hat. Hinzu kommt, dass sich der Terminhandel in Südkorea historisch nie auf den breiten KOSPI, sondern von Beginn an auf den eigens dafür geschaffenen KOSPI 200 konzentriert hat. Futures und Optionen auf den KOSPI selbst existieren daher praktisch nicht, wodurch auch die Basis für Zertifikate oder Optionsscheine auf den Index fehlt.

Genau dieser KOSPI 200 wäre daher grundsätzlich der geeignetere Basiswert für Anlageprodukte. Er umfasst die 200 größten und liquidesten Unternehmen des südkoreanischen Aktienmarktes, gewichtet nach Marktkapitalisierung. Eingeführt wurde er 1994, in erster Linie als Basiswert für Derivate wie Futures und Optionen. Dennoch gibt es auf dem deutschen Markt aktuell nur ein Produkt auf den KOSPI 200, nämlich ein Open-End-Zertifikat der BNP Paribas (ISIN: DE0005715155), das die Entwicklung des Index nahezu 1:1 abbildet. Der KOSPI 200 bewegt sich charttechnisch derzeit nahezu im Gleichlauf mit dem KOSPI.

Sind Samsung und SK hynix die bessere Alternative?

Umfangreicher ist die Auswahl an Produkten auf die beiden Schwergewichte Samsung Electronics (ISIN: KR7005930003) und SK hynix (ISIN: KR7000660001). Mit Anteilen von 27,9 und 20,9 Prozent sind sie aktuell die mit Abstand größten Mitglieder des Index und prägen damit maßgeblich dessen Bewegungen. Im KOSPI 200 ist ihre Präsenz mit 30 und 22,5 Prozent sogar noch etwas größer. Auf Samsung ergibt die Zertifikate-Suche der Deutschen Börse derzeit 25 Produkte, bei SK hynix sind es 262. Bei den seit dem 10. Juli 2026 gelisteten ADRs von SK hynix an der Nasdaq sind es sogar mehr als 2.400 Zertifikate und Optionsscheine. Darunter finden sich auch Papiere, mit denen sich je nach Konstruktion sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen lässt.

Diese Produkte auf Samsung und, wegen des deutlich umfangreicheren Angebots, vor allem auf SK hynix könnten daher die praktikablere Möglichkeit sein, um auf eine fortgesetzte Erholung am südkoreanischen Aktienmarkt zu setzen. Allerdings sind hier die Bewegungen noch stärker ausgeprägt als beim KOSPI, was größere Chancen, aber auch größere Risiken mit sich bringt.

Die beiden Chipschwergewichte erholen sich unterschiedlich schnell

Auch bei den beiden Schwergewichten hat sich der Kursverlauf zuletzt deutlich aufgehellt. Die Samsung-Aktie hatte im Zuge ihrer Korrektur von fast 50 Prozent seit dem Allzeithoch im Juni ebenfalls die 200-Tage-Linie getestet, hatte diese aber nicht nennenswert verletzt. Zuletzt bildete sich zudem ein kurzfristiger Aufwärtstrend. Inzwischen hat sich der Kurs von seinem Korrekturtief um mehr als 40 Prozent erholt.

Bei SK hynix fällt die Erholung bislang mit rund 35 Prozent noch etwas geringer aus. Zuvor hatte die Aktie von ihrem Rekordstand mit rund 58 Prozent etwas stärker korrigiert. Sie drehte jedoch kurz vor Erreichen ihrer 200-Tage-Linie wieder nach oben. Was hier allerdings im Gegensatz zum KOSPI und zu Samsung noch fehlt, ist ein ausgeprägter kurzfristiger Aufwärtstrend. Dazu müsste das Zwischenhoch von Ende Juli bei 1.718 Won überschritten werden. Am Montag, den 17. August 2026, war der Kurs in der Spitze dieser Marke mit 1.697 Won aber bereits sehr nahe gekommen.

Wie Südkoreas Regierung die Hebel-ETFs zügelt

Ganz ohne Risiko sind aber auch die Schwergewichte selbst nicht zu haben, wie der Ausverkauf im Juni und Juli gezeigt hat. Für dessen Heftigkeit machen viele Marktbeobachter gehebelte Einzelaktien-ETFs auf Samsung Electronics und SK hynix verantwortlich, die bei südkoreanischen Privatanlegern besonders beliebt sind. Weil die Hebelwirkung auf dem Weg nach oben Gewinne verdoppelte, verdoppelte sie auf dem Weg nach unten auch die Verluste. Schon moderate Kursrückgänge lösten dadurch bei zahlreichen Anlegern Margin Calls aus, sodass Broker Positionen zwangsweise auflösen mussten. Das beschleunigte den Ausverkauf zusätzlich. In Südkorea erst seit dem 27. Mai 2026 zugelassen, richten sich diese Produkte bislang ausschließlich an Samsung und SK hynix, die einzigen beiden Aktien, die die nötigen Mindestanforderungen an Marktkapitalisierung und Handelsvolumen erfüllen.

Ein isoliertes Phänomen ist der Trend aber nicht: Auch in den USA boomen gehebelte und inverse ETFs, mehr als ein Drittel aller Neustarts in diesem Jahr fällt in diese riskante Kategorie, wie Hebel-ETF-Boom: Seouls Trauerkränze als Warnung für die Wall Street? zeigt. Südkoreas Behörden reagierten auf den Ausverkauf entsprechend schnell. Die Finanzaufsicht FSC verdreifachte zum 5. August die Mindesteinlage für den Handel mit diesen Produkten von 10 auf 30 Millionen Won, zusätzlich zu einer bereits zuvor eingeführten Obergrenze von 20 Prozent des Gesamtportfolios je Anleger. Südkoreas Regierung denkt inzwischen aber auch über den akuten Anlass hinaus. Aktuell wird eine Novelle des Kapitalmarktgesetzes vorbereitet, die ein durchgehendes Überwachungssystem für die Finanzmärkte sowie eine rechtliche Grundlage für künftige Notfall-Stabilisierungsmaßnahmen schaffen soll.

Wie nachhaltig ist die Erholung?

Die technische Erholung bei KOSPI, Samsung Electronics und SK hynix ist ein ermutigendes Signal. Eine Garantie für die Fortsetzung der Erholung ist es jedoch nicht. Anleger, die trotzdem technisch motivierte Handelsansätze umsetzen, müssen sich daher auch der Risiken bewusst sein. Trotz regulatorischer Eingriffe dürften die Schwankungen am südkoreanischen Aktienmarkt hoch bleiben. Wie schnell es in die falsche Richtung gehen kann, hat die heftige Korrektur vom Rekordhoch im Juni bis Ende Juli eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die Trauerkränze vor dem Parlament in Seoul waren eine Mahnung, wie schnell aus Gewinnen Verluste werden können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der KOSPI hat sich seit seinem Korrekturtief bei 5.263 Punkten bereits wieder um mehr als 30 Prozent erholt.
  • Die 200-Tage-Linie wurde nur kurz verletzt und schnell zurückerobert, ein Signal für eine mögliche Bodenbildung.
  • Direkte ETFs auf den KOSPI sind auf dem deutschen Markt kaum verfügbar, Zertifikate auf Samsung Electronics und SK hynix dagegen zahlreich.
  • Die für den vorangegangenen Ausverkauf mitverantwortlichen Hebel-ETFs auf Samsung und SK hynix wurden von der Finanzaufsicht inzwischen strenger reguliert.

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