boerse am sonntag - headline

Die fünf wichtigsten Anlagetrends 2019


Was vor kurzem noch der Bitcoin und Marihuana-Aktien waren, könnten im neuen Jahr schon Lithium, Kobalt oder Biotech-Papiere werden: Große und saftige Renditen versprechende Anlagetrends. Doch wo, wann und wie genau sollten Anleger einsteigen? Ein Blick auf fünf Investmentthemen, die die Börse 2019 positiv in Atem halten könnten.  

Anlagetrends rechtzeitig zu erkennen ist schwierig, zudem handelt es sich bei ihnen meist um Wetten auf die Zukunft. Mag das Gewinnpotenzial also noch so hoch sein, das Verlustrisiko ist es auch. Umso wichtiger scheint ein frühzeitiger und möglichst wenig verblendeter Blick auf gegebene wie wahrscheinliche Marktentwicklungen. Vor allem Privatanleger springen oft zu spät mit auf den dann bereits im Höchsttempo fahrenden Zug auf, um dann kurze Zeit später in einem großen Crash gemeinsam mit ihm zu entgleisen. Genauso allerdings steigen sie oft zu früh aus, verpassen immer wieder einen Großteil der Beschleunigungsphase. Zeit also für einen Überblick. Welche Trends dirigieren das Finanzmarktjahr 2019? Und welche davon sind vielleicht sogar mehr als Trends? In welchen Rohstoffen, Branchen, Industrien und Unternehmen steckt das Potenzial für eine langfristig hohe und überdurchschnittliche Rendite?

1. Lithium & Kobalt

Sowohl Lithium als auch Kobalt gehören gemeinsam mit Coltan zu den essenziellen Rohstoffen in der Produktion von E-Auto-Batterien und Smartphone-Akkus. Und wo die intelligenten Telefone allmählich mit einer einsetzenden Marktsättigung zu kämpfen haben, ist der Markt in Sachen E-Mobilität gerade erst am Entstehen. So könnte der Stromer-Anteil mit Blick auf die Neuwagenverkäufe in den kommenden Jahren bereits bei zwischen fünf und sieben Prozent liegen. Und das wiederum könnte bei gleich bleibendem Lithiumbedarf je Auto bis 2025 mindestens zu einer Verdopplung der derzeitigen Jahres-Lithiumnachfrage von rund 210.000 Tonnen führen. Darüber hinaus zwinge das Wettrennen um Marktanteile im Elektroauto-Markt Automobil- und Batteriehersteller dazu, sich langfristig hohe Mengen des Rohstoffs zu sichern, gibt Lynxbroker-Experte Sascha Sadowski zu bedenken. Das freilich würde die Preise weiter steigen lassen.

Ähnliches gilt für Kobalt, das noch dazu zu großen Teilen im Bürgerkriegs-geplagten Kongo abgebaut wird, was das Angebot bei großer Nachfrage schnell verknappen könnte. Nach einer scharfen Korrektur des Kobalt-Preises aufgrund eines zwischenzeitlichen Überangebots auf 55.000 US-Dollar und einem für Lithium-Aktien äußerst durchwachsenen Jahr 2018 könnten beide Rohstoffe 2019 wieder zu den Gewinnern gehören, schätzt Sadowski. Während es mit Blick auf Lithium schon interessante ETFs gibt, bleibt Anlegern in Sachen Kobalt zunächst allerdings nur das Investment in einzelne Unternehmen.

2. Die Auto-Industrie

Von den teils radikalen Umwälzungen in der globalen Automobilbranche sind über die sich verändernde Rohstoffnachfrage hinaus freilich auch viele Industriesparten betroffen. Mit Blick auf E-Mobilität und insbesondere auch die Entwicklungen bei Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien könnten ganz neue Unternehmen zu marktführenden Zulieferern oder sogar Endproduktherstellern werden.
Innerhalb der letzten acht Jahre hat sich die Anzahl der weltweit abgesetzten E-Fahrzeuge alle 15 Monate verdoppelt. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) hat die Zahl an Elektroautos und Plug-In-Hybriden allein 2018 um 54 Prozent auf insgesamt drei Millionen zugenommen. Schon 2022 könnte jeder zehnte neu zugelassene Wagen einer mit E-Antrieb sein. Doch während der Fokus von Anlegern schon länger auf Aktien von Batterieherstellern wie LG Chem, Panasonic, Samsung SDI oder CATL liegt, von E-Auto-Aktien wie Tesla und BYD ganz zu schweigen, scheinen sich nun vor allem auch mit Blick auf die in manchen Köpfen arg in Vergessenheit geratene Brennstoffzellentechnologie vielversprechende Möglichkeiten aufzutun.

Dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau nach soll deren Markt schon 2020 bei zirka zwei Milliarden Euro liegen, was verglichen mit 2017 dem Zehnfachen entspräche. Navigant Research glaubt daran, dass 2024 global 230.000 Autos und Busse mit Brennstoffzelle auf die Straße kommen. 2017 lag die Zahl bei gerade einmal 6.500. „Die meisten Unternehmen aus der Branche befinden sich aufgrund der immens hohen Forschungs- und Entwicklungskosten noch immer in der Verlustzone“, weiß Lynxbroker-Analyst Sadowski. „Doch mittelfristig“, glaubt er, „könnte sich das ändern.“ Ein Blick auf Papiere wie die von Ballard-Power, dem kanadischen Weltmarktführer unter den Wasserstoff-Aktien, oder die von Nel Hydrogen, einem norwegischen Unternehmen, dass die Infrastruktur zu Wasserstoffherstellung stellt, könnte sich also in jedem Fall lohnen.

3. Industrie 4.0

Im Rahmen von Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz, gern auch unter dem Überbegriff „Industrie 4.0“ oder international eher „Industrial Internet of Things“ zusammengefasst, geht es neben der Automobilindustrie noch vielen weiteren etablierten Industrien „an den Kragen“. Ob nun in Einkauf, Logistik, Fertigung oder Vertrieb, die Industrie von Morgen dürfte eine ganz und gar andere werden, als heute. Und das schafft freilich neue Märkte, verändert die Nachfrage, bringt neue Angebote.

Inzwischen ist vieles, was vor wenigen Jahren noch Zukunft war, bereits Gegenwart. Viele Unternehmen und Konzerne sind schon angekommen oder zumindest auf bestem Wege hin zu modernen Arbeitsweisen a lá Industrie 4.0. Heißt: Flexiblere Herstellungsprozesse und effizientere Wertschöpfungsketten durch intelligentere Vernetzung. Optimierung im großen Ganzen statt im feinen Kleinen. Smart Factories, ausgestattet mit selbstlernenden Maschinen, werden schon bald der Standard sein. Besonders Unternehmen aus den Bereichen Sensorik, Robotik, Maschinenbau, IT-Sicherheit sowie Mess- und Elektrotechnik seien prädestiniert dafür, führende Rollen einzunehmen, erklärt Sadowski. Es sei daher keine Frage, dass der gerade entstehende Milliardenmarkt zahlreiche Gewinner-Aktien hervorbringen werde.

4. Die Biotechbranche

Ebenfalls mitten im Wandel befindet sich die Pharmaindustrie. Und dessen größte Profiteure scheinen Biotech-Unternehmen wie Celgene, wie jüngst verkündet bald eine 74 Milliarden Dollar teure Tochter von Bristol-Myers Squibb, Amgen, Biogen oder Gilead zu sein. Egal ob Umsatz, Gewinn oder Börsenwert, bei den Biotech-Stars zeigte die Kurve lange Zeit steil nach oben. Das heißt aber auch: Der Biotech-Trend war schon einmal da, nämlich in den Jahren vor 2015. Seitdem ging es für viele Titel mehr schlecht als recht voran, der Nasdaq Biotechnologie-Index liegt inzwischen rund 20 Prozent unter seinem Höchstwert bei 4.000 Punkten. Ob der Trend nun so schnell und auf einmal wieder Fahrt aufnehmen kann? Nun, gemessen an ihrem KGV seien die Biotech-Aktien derzeit so günstig bewertet wie noch nie, stellt Lynxbroker-Spezialist Sascha Sadowski fest. „Etliche Branchenschwergewichte weisen trotz guter Wachstumsaussichten mittlerweile KGVs zwischen zwölf und 20 auf“, legt er nach.

Und die Trend-Ursachen von damals sind noch lange nicht verschwunden, eher schon sind sie mehr geworden. Leben aktuell bereits eine Milliarde Menschen, die älter als 60 Jahre alt sind, auf der Erde, dürften es 2050 in etwa schon doppelt so viele sein. Und das freilich bei insgesamt steigender Weltbevölkerung. Wenn die OECD bis dahin mit einem Anstieg der Gesundheitskosten von rund sechs auf 9,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts rechnet, scheint das nicht sehr weit hergeholt. Zudem wächst die alternde Mittelschicht global stetig an. Und die gibt mehr Geld für die eigene Gesundheit aus. Davon, schreibt Sadowski, profitiere die Biotechbranche besonders. Laut Evaluate Pharma basieren inzwischen schon rund zwei Drittel aller neuzugelassene Medikamente direkt oder indirekt auf Biotechnologie.

In Sachen Aktien, weist Sadowski darauf hin, spiele die Musik aber fast ausschließlich in den USA. „Gemessen an der Börsenkapitalisierung und am Finanzierungsvolumen werden 85 Prozent des Biotech-Sektors von US-Unternehmen dominiert.“ Angesichts der miserablen Entwicklung des deutschen Aktienmarkts im vergangenen Jahr vielleicht gar nicht so schlecht für die Branche und ihre Anleger.

5. Gold

Gold ein Trend? Nun, es wäre zumindest kein wirklich neuer. Aber sollte es zu einem kommen, auf jeden Fall einer, den es schon lange nicht mehr gegeben hat. Mit dem Edelmetall im Depot wurden Investoren in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht glücklich. Auch 2018 ging es zunächst weiter steil bergab, ehe zum Ende des Jahres zum Teil crashartige Zustände an den Weltbörsen die Krisenwährung wieder attraktiver machten. Alles in allem stand in US-Dollar gerechnet dennoch ein Jahresminus von zirka zwei Prozent zu Buche. Vor allem die steigenden US-Zinsen dürften ein besseres Abschneiden verhindert haben.

Doch 2019 könnte es bergauf gehen. Die Betonung freilich liegt auf könnte, womöglich ist da bei manch Investor auch der Wunsch der Vater des Gedanken. Doch es gibt Zahlen, die machen zumindest Mut. Laut dem World Gold Council beispielsweise sind die Netto-Goldkäufe der Zentralbanken im dritten Quartal 2018 um 22 Prozent auf 148 Tonnen gestiegen. Der stärkste Zuwachs seit 2015. Und auch beim Anlagegold stieg die Nachfrage um 28 Prozent auf 298 Tonnen. „Goldexperten“, schreibt Sadowski, „erwarten, dass die Zentralbanken einiger Länder wie Russland, China, Kasachstan oder die Türkei ihre Goldbestände weiterhin massiv aufstocken werden.“ Hinzu käme eine steigende physische Goldnachfrage auch durch „Themen wie den Brexit oder die anstehende Europawahl.“

Ob man mit Blick auf das wertvolle Edelmetall deshalb nun gleich von einem Trend sprechen muss, darf durchaus hinterfragt werden. Zumindest aber stehen die Chancen auf eine Preiserholung derzeit vergleichsweise günstig. Und was die Anlage betrifft, gibt es wohl bei kaum einem Rohstoff so viele verschiedene Möglichkeiten, wie bei Gold. Ob nun Zertifikate, Fonds, ETFs und Aktien von Bergbauunternehmen oder der klassischen Goldbarren, vom Zocker bis hin zum Langfrist-Anleger dürfte hier für jeden das passende „Spielzeug“ dabei sein.

Gilt es nur noch, den Beginn und das Ende des Trends nicht zu verpassen. So einfach und doch so schwer ist das eben mit Trends.

24.01.2019 | 20:58

Artikel teilen: