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Märkte > Ernüchterung an Wall Street

KI-Aktien unter Druck: Droht dem NASDAQ-100 eine größere Korrektur?

| Thomas Behnke | Lesezeit: 5 Min.

Metallschild mit dem Nasdaq-Logo und dem Schriftzug Nasdaq, das in Pink und Magenta beleuchtet wird.
Nasdaq-Logo mit Schriftzug. Der NASDAQ-100 hat seit seinem Allzeithoch vom 6. Oktober 2026 bei 31.361 Punkten bis zum Tagestief am 14. Oktober 2026 rund 4,8 Prozent verloren. (Foto: Vlad Zymovin / Shutterstock)

Nach den US-Inflationszahlen gerieten KI-Aktien unter Druck, der NASDAQ-100 ist bis an seine 50-Tage-Linie zurückgefallen. Welche Unterstützungen jetzt zählen und warum 27.176 Punkte wichtig sind.

Die US-Inflationszahlen haben an der Wall Street für Ernüchterung gesorgt. Besonders KI-Aktien gerieten unter Verkaufsdruck. Ein möglicher Auslöser ist die Sorge vor steigenden Kapitalmarktzinsen, die vor allem hoch verschuldete KI-Infrastrukturunternehmen belasten könnten. Am Donnerstag hat sich die Lage am Anleihemarkt vorerst wieder entspannt. Für den NASDAQ-100 stellt sich damit vor allem eine charttechnische Frage: Handelt es sich bei den Rücksetzern lediglich um eine gesunde Atempause oder drohen größere Kursverluste?

Das Wichtigste in Kürze

Zinsrisiken: Die US-Inflationszahlen haben KI-Aktien belastet. Steigende Kapitalmarktzinsen könnten insbesondere hoch verschuldete KI-Infrastrukturunternehmen unter Druck setzen.
NASDAQ-100: Der Index hat seit seinem Rekordhoch vom 6. Oktober bis zum Tagestief am 14. Oktober 2026 rund 4,8 Prozent verloren. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist bislang jedoch nicht grundsätzlich infrage gestellt.
Entscheidende Kursmarken: Ein Bruch der Unterstützung bei 27.176 Punkten könnte eine größere Top-Formation vollenden und theoretisches Rückschlagpotenzial bis etwa 23.600 Punkte eröffnen. Eine Rückeroberung der Kurslücke und ein Ausbruch über 31.361 Punkte würden das Bild aufhellen.
KI-Schwergewichte: Oracle befindet sich im kurzfristigen Abwärtstrend, während NVIDIA trotz der Kursverluste noch innerhalb seines übergeordneten Aufwärtstrends notiert.

Zinsangst trifft auf milliardenschwere KI-Investitionen

Der Ausbau der künstlichen Intelligenz verschlingt enorme Summen. Neue Rechenzentren, leistungsfähige Chips und die dafür benötigte Infrastruktur müssen finanziert werden. Gerade für Unternehmen, die dafür stark auf Fremdkapital setzen, können steigende Zinsen zum Problem werden. Entsprechend empfindlich reagierten KI-Infrastrukturaktien wie CoreWeave (ISIN: US21873S1087, Symbol: CRWV) und Oracle (ISIN: US68389X1054, Symbol: ORCL) mutmaßlich auf die Inflationsdaten aus den USA.

Die US-Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 3,4 Prozent im August. Die überraschend hohe Inflation könnte die US-Notenbank zu einer restriktiveren Geldpolitik veranlassen. Am Mittwoch zogen nach der Veröffentlichung die Renditen von US-Staatsanleihen über sämtliche Laufzeiten zunächst etwas deutlicher an.

Noch im Handelsverlauf setzte eine Gegenbewegung ein. Am Donnerstag gingen die Renditen weiter zurück. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten zuletzt wieder mit weniger als 5,1 Prozent. Am Mittwoch der Vorwoche waren es noch fast 5,37 Prozent gewesen. Ob sich dieser Rückgang fortsetzt, bleibt abzuwarten. Anhaltend sinkende Renditen könnten ein positiver Katalysator für den US-Aktienmarkt werden, der zuletzt im Korrekturmodus war.

NASDAQ-100: Rekordhoch ohne Anschlusskäufe

Der jüngste Rückgang hat auch beim NASDAQ-100 erste charttechnische Spuren hinterlassen. Am 6. Oktober markierte der Index bei 31.361 Punkten ein neues Allzeithoch. Seither ging es abwärts. Am Mittwoch schloss er bei 29.951 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf bis auf 29.861 Zähler gefallen war. Ausgehend vom Rekordstand entspricht das bis zum Tief am Mittwoch einem Verlust von rund 4,8 Prozent.

Dieser Rückgang ist bislang moderat und für sich genommen kein Grund zur Sorge. Korrekturen dieser Größenordnung sind innerhalb eines Aufwärtstrends keineswegs ungewöhnlich. Allerdings wurde der kurzfristige Aufwärtstrend gebrochen. Zudem konnte der Ausbruch über das frühere Allzeithoch von Anfang Juni bei 30.762 Punkten kein weiteres Aufwärtsmomentum auslösen. Das deutet zunächst auf eine gewisse Schwäche hin.

Welche Unterstützungen beim NASDAQ-100 jetzt im Fokus stehen

Der Index ist bis an seine 50-Tage-Linie zurückgefallen. Diese verläuft innerhalb der markanten Kurslücke zwischen 29.648 und 29.933 Punkten, die am 21. September entstanden war. Ein vollständiges Schließen dieser Lücke erscheint nun möglich.

Knapp darunter liegt bei 29.625 Punkten die 100-Tage-Linie als potenzielle Unterstützung. Sollte auch sie nachhaltig unterschritten werden, könnte das Zwischentief von Mitte September bei 28.753 Punkten zum nächsten Korrekturziel werden.

Bei weiteren Verlusten rücken die 200-Tage-Linie bei aktuell 27.697 Punkten und das Zwischentief von Ende Juli bei 27.176 Punkten in den Blick. Vor allem die letztgenannte Marke besitzt eine zentrale charttechnische Bedeutung.

Ein Bruch könnte eine Top-Formation vervollständigen. Der Abstand zwischen dem früheren Allzeithoch von Anfang Juni bei 30.762 Punkten und dem Zwischentief bei 27.176 Punkten beträgt 3.586 Punkte. Trägt man ihn von dort nach unten ab, ergibt sich ein theoretisches Rückschlagpotenzial bis in den Bereich von etwa 23.600 Punkten. Vom aktuellen Niveau wäre das ein Verlust von mehr als 20 Prozent. Dabei handelt es sich nur um ein mögliches Szenario, das nicht zwangsläufig eintreten muss.

Oracle schwach, NVIDIA noch im Aufwärtstrend

Wie unterschiedlich die Lage bei einzelnen KI-Aktien ist, zeigen Oracle und NVIDIA (ISIN: US67066G1040, Symbol: NVDA). Oracle befindet sich seit dem Zwischenhoch Anfang September im Rückwärtsgang. Am Mittwoch fiel die Aktie unter das Zwischentief von Ende September bei 131,58 US-Dollar und bestätigte damit ihren kurzfristigen Abwärtstrend. Bei einer fortgesetzten Korrektur könnte das markante Zwischentief von Mitte Juli bei 114,75 US-Dollar das nächste Ziel darstellen.

Bei NVIDIA ist das charttechnische Bild günstiger. Seit dem Allzeithoch vom 6. Oktober bei 243,37 US-Dollar hat die Aktie zwar fast zehn Prozent verloren. Der Rückgang ist jedoch als Korrektur innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends zu werten. Als potenzielle Unterstützungen kommen die 100-Tage-Linie bei aktuell 214,45 US-Dollar sowie die Zwischentiefs von Mitte September und August bei 208,93 und 207,25 US-Dollar in Betracht. Eine anhaltende Schwäche des Chipherstellers könnte den NASDAQ-100 erheblich belasten. Schließlich ist NVIDIA mit einer Gewichtung von 12,5 Prozent das Schwergewicht im Index.

Noch eine normale Korrektur oder bereits eine Trendwende?

Der Rückgang des NASDAQ-100 reicht nicht aus, um den übergeordneten Aufwärtstrend grundsätzlich infrage zu stellen. Der gebrochene kurzfristige Aufwärtstrend und das fehlende Anschlussmomentum mahnen jedoch zur Vorsicht.

Ob daraus eine größere Abwärtsbewegung entsteht, ist offen. Solange die wichtigen Unterstützungen halten, bleibt eine normale Korrektur möglich. Ein Bruch des Zwischentiefs bei 27.176 Punkten würde das charttechnische Bild dagegen deutlich verschlechtern. Aufhellen würde sich das Bild, wenn der Index nach einer möglichen Schließung der Kurslücke diese Zone zurückerobert. Ein anschließender Ausbruch über das Rekordhoch bei 31.361 Punkten könnte von wiedererstarkten Bullen zeugen.

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