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Märkte > Taktgeber aus den USA

DAX zwischen Zinsdruck und Berichtssaison: Diese Kursmarken entscheiden über den nächsten Trend

| Redaktion Börse am Sonntag | Lesezeit: 6 Min.

Großer blauer DAX-Schriftzug auf heller Fläche, rechts davon die Silhouette einer Person.
DAX-Schriftzug mit der Silhouette einer Person davor. Der deutsche Leitindex erreichte am 28. August 2026 bei 26.618,74 Punkten sein bisheriges Allzeithoch und hat nach der Korrektur die 200-Tage-Linie zurückerobert. (Foto: PhotoGranary02 / Shutterstock)

Der DAX hat seine 200-Tage-Linie zurückerobert, der kurzfristige Abwärtstrend ist weiter intakt. US-Inflationsdaten, Bankenzahlen sowie ASML und TSMC könnten Impulse liefern. Welche Marken im Chart zählen?

Nach der jüngsten Korrektur zeigt der DAX wieder Lebenszeichen. Sinkende Anleiherenditen und Ölpreise sorgten zum Wochenauftakt für Rückenwind an Europas Aktienmärkten. Doch die Erholung steht vor einer Bewährungsprobe. Mit neuen US-Inflationsdaten und einer an Fahrt gewinnenden Berichtssaison warten gleich mehrere Impulsgeber. Charttechnisch ist die Lage ebenfalls noch nicht entschieden.

US-Inflation und Quartalszahlen rücken in den Fokus

Nachdem steigende Anleiherenditen und geopolitische Risiken die Märkte in der Vorwoche belastet hatten, hellte sich die Stimmung am Montag auf. Der DAX setzte seine Ende der Vorwoche gestartete Erholung fort. Unterstützung kam von rückläufigen Ölpreisen und nachlassenden Renditen europäischer Staatsanleihen. Auch die positive Entwicklung an der Wall Street am vergangenen Freitag könnte für zusätzliche Impulse gesorgt haben. Nun richtet sich der Blick auf weitere mögliche Taktgeber, insbesondere aus den USA.

Ein wichtiger Termin steht am Mittwoch mit den US-Verbraucherpreisen für September an. Die Daten dürften neue Hinweise auf die weitere Geldpolitik der US-Notenbank liefern. Nach der Leitzinserhöhung im September geht der Markt derzeit mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent davon aus, dass die Fed auf ihrer nächsten Sitzung am 27. und 28. Oktober 2026 keine erneute Anhebung beschließt. Laut dem FedWatch-Tool wird erst für die Sitzung im Dezember mit einer weiteren Straffung gerechnet.

Unerwartet hohe Inflationszahlen könnten diese Erwartungen jedoch verändern und die US-Anleiherenditen weiter nach oben treiben. Das würde wiederum den Bewertungsdruck auf Aktien tendenziell erhöhen. Sollten die Inflationsdaten dagegen für Entspannung an der US-Zinsfront sorgen, könnten rückläufige Marktzinsen den amerikanischen Aktienmarkt stützen und damit auch dem DAX Rückenwind geben.

Zusätzliche Impulse verspricht die US-Berichtssaison. Zahlreiche Großbanken präsentieren ihre Quartalszahlen, darunter JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Citigroup, Wells Fargo, Bank of America und Morgan Stanley. Vor allem ihre Aussagen zur Geschäftsentwicklung im aktuellen Zinsumfeld dürften Beachtung finden. Aus dem Gesundheitssektor berichten unter anderem Johnson & Johnson und UnitedHealth.

Während die US-Berichtssaison bereits Fahrt aufnimmt, müssen sich Anleger bei den deutschen Schwergewichten noch etwas gedulden. SAP, derzeit das Unternehmen mit dem größten Gewicht im DAX, legt seine Quartalszahlen am 21. Oktober vor.

ASML und TSMC geben Einblick in den Halbleitermarkt

Auch im Technologiesektor stehen wichtige Veröffentlichungen bevor. Am Mittwoch legt der niederländische Chipausrüster ASML seine Zahlen vor, am Donnerstag folgt Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC). ASML liefert Maschinen für die Halbleiterfertigung, die unter anderem vom weltweit größten Auftragsfertiger TSMC eingesetzt werden. Besonders die Ausblicke beider Unternehmen könnten Hinweise darauf geben, ob die starke Nachfrage nach Halbleitern durch den KI-Boom und andere Wachstumstreiber anhält oder erste Schwächesignale erkennen lässt.

Gerade die Kursreaktion der TSMC-Aktie auf die anstehenden Ergebnisse könnte ein wichtiger Gradmesser für die aktuelle Marktstimmung sein und zeigen, wie robust der US-Aktienmarkt derzeit tatsächlich ist. Sowohl der S&P 500 als auch der NASDAQ-100 hatten in der Vorwoche neue Rekorde markiert. Allerdings mangelt es schon seit einiger Zeit an Marktbreite. Die positive Entwicklung wurde zuletzt vor allem von großen Technologiewerten wie NVIDIA getragen. Dieser, mit einem Börsenwert von mehr als fünf Billionen US-Dollar der mit Abstand wertvollste Konzern, hatte ebenfalls neue Bestmarken erreicht. Seit dem Allzeithoch vom 6. Oktober bei 243,37 US-Dollar ist die NVIDIA-Aktie wieder etwas zurückgekommen. Insgesamt präsentiert sich das Chartbild aber weiterhin konstruktiv.

DAX kämpft nach Korrektur um die Trendwende

Auch beim DAX hat sich das charttechnische Bild zuletzt etwas aufgehellt. Der deutsche Leitindex hatte am 28. August bei 26.618,74 Punkten sein bisheriges Allzeithoch erreicht. Anschließend setzte eine Korrektur ein, die das Kursbarometer bis zum Tief der Vorwoche um fast sieben Prozent zurückwarf. Der Index fiel kurzzeitig unter seine 200-Tage-Linie. Bereits am Freitag konnte er diesen wichtigen langfristigen Trendindikator zurückerobern. Zum Wochenauftakt hielt die Erholung an.

Der kurzfristige Abwärtstrend seit dem Rekordhoch ist allerdings weiterhin intakt. Erst ein Anstieg über das Zwischenhoch vom 6. Oktober bei 25.522 Punkten würde ihn charttechnisch brechen. Die nächste Hürde wartet dann bei 25.801 Punkten, dem Zwischenhoch vom 17. September.

Auf der Unterseite bilden die derzeit bei 24.862 Punkten verlaufende 200-Tage-Linie und das Verlaufstief vom 8. Oktober bei 24.793 Punkten eine wichtige Unterstützungszone. Ein Bruch dieser Marken könnte eine Fortsetzung der Korrektur signalisieren. Weitere Unterstützungen liegen zwischen 24.697 und 24.548 Punkten sowie am Juni-Korrekturtief bei 24.044 Punkten.

DAX deutlich niedriger bewertet als S&P 500

Fundamental fällt weiterhin der Bewertungsunterschied zum US-Aktienmarkt auf. Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2026 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX zum 12. Oktober bei 15,2. Der S&P 500 kommt dagegen auf 26,4.

Damit werden die erwarteten Gewinne der US-Unternehmen mit einem erheblich höheren Multiplikator bewertet. Das allein macht deutsche Aktien noch nicht unterbewertet. Unterschiedliche Branchengewichte, Wachstumsperspektiven und Gewinnstrukturen begrenzen die Aussagekraft eines direkten Indexvergleichs.

Zwischen Erholung und erneutem Verkaufsdruck

Die Rückeroberung der 200-Tage-Linie hat das charttechnische Bild des DAX zunächst stabilisiert. Für eine nachhaltigere Aufhellung müsste der Index jedoch den kurzfristigen Abwärtstrend überwinden. Unterhalb der genannten Unterstützungen würde dagegen das Risiko weiterer Kursverluste steigen.

Die anstehenden Inflationsdaten und Unternehmensberichte liefern nun mögliche Auslöser für stärkere Kursbewegungen. Ob daraus eine Fortsetzung der Erholung oder eine neue Korrekturphase entsteht, ist offen. Charttechnisch markieren 25.522 Punkte auf der Oberseite und der Bereich um die 200-Tage-Linie auf der Unterseite die entscheidenden Orientierungspunkte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Korrektur: Der DAX erreichte am 28. August 2026 bei 26.618,74 Punkten sein bisheriges Allzeithoch, verlor in der anschließenden Korrektur bis zum Verlaufstief vom 8. Oktober 2026 fast sieben Prozent und hat die zwischenzeitlich unterschrittene 200-Tage-Linie nach Stand vom 12. Oktober 2026 zurückerobert.
  • Chartmarken: Zum 12. Oktober 2026 bleibt der kurzfristige Abwärtstrend des DAX bis zu einem Anstieg über das Zwischenhoch vom 6. Oktober bei 25.522 Punkten intakt, während die 200-Tage-Linie bei 24.862 Punkten und das Verlaufstief vom 8. Oktober bei 24.793 Punkten die wichtigste Unterstützungszone bilden.
  • Zinserwartung: Nach der US-Leitzinserhöhung im September rechnet der Markt am 12. Oktober 2026 laut FedWatch-Tool mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 Prozent damit, dass die US-Notenbank Fed auf ihrer Sitzung am 27. und 28. Oktober 2026 nicht erneut anhebt, eine weitere Straffung wird erst für Dezember erwartet.
  • Termine: Am Mittwoch, 14. Oktober 2026, erscheinen die US-Verbraucherpreise für September und die Zahlen des Chipausrüsters ASML, am Donnerstag, 15. Oktober 2026, folgen die Zahlen des Auftragsfertigers TSMC und am 21. Oktober 2026 die Quartalszahlen von SAP.
  • Bewertung: Auf Basis der erwarteten Gewinne für 2026 liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX zum 12. Oktober 2026 bei 15,2 gegenüber 26,4 beim S&P 500, was wegen unterschiedlicher Branchengewichte und Gewinnstrukturen nur begrenzt auf eine Unterbewertung deutscher Aktien schließen lässt.

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