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flatexDEGIRO-Aktie nimmt Fahrt auf

Europas größter Online-Broker flatexDEGIRO meldet mitten in der Börsenkrise glänzende Zahlen (Foto: Shutterstock).



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Neobroker leiden im Krisenjahr 2022. Doch die großen Online-Broker gewinnen plötzlich Marktanteile. Europas größter Online-Broker meldet mitten in der Börsenkrise sogar glänzende Zahlen. Die Aktie wirkt unterbewertet und ist ein heißer Comeback-Kandidat.
 
Fintechs geht es derzeit nicht schlecht sondern sogar miserabel. Ob im Payment-Sektor (Sumup), im Finanzierungs-Geschäft (Klarna), bei Neobanken (Konntest oder Nuri) oder bei Neobrokern (von Trade Republic bis Bitpanda) - überall werden „Konsolidierungsmaßnahmen“ ergriffen, Krisenstrategien entwickelt, Mitarbeiter entlassen. Vor allem diejenigen, die zwar cool daher kommen aber noch keine Gewinne erwirtschaften, geraten zusehends unter Druck. Frisches Geld bekommt man nicht mehr so leicht - und die Anleger werden kritischer.

Aber auch die großen Online-Broker in ganz Europa haben Federn lassen müssen. Der Aktienkurse von Nordnet und Hargreaves Lansdown haben seit Jahresbeginn ein Drittel ihres Wertes verloren, Avanza und flatexDEGIRO sogar rund die Hälfte. Doch gerade die beiden Riesen der Branche setzen nun zum Kurs-Comeback an. Beide Aktien sind seit zwei Wochen wieder stark gefragt. Der Grund ist ebenso einfach wie verblüffend - bei beiden läuft das Geschäft viel besser als befürchtet. Die neuen Zahlen machen den Anlegern Mut.

Offensichtlich führt die Börsenabschwächung des Jahres 2022 dazu, dass die kleineren, nicht-profitablen Neobroker mit ihrer jungen, kleinteiligen und kleinvolumigen Kundschaft von den Platzhirschen gerade verdrängt werden. Insbesondere flatexDEGIRO holt sich derzeit massiv Marktanteile. flatexDEGIRO meldet mitten im 2022-Katastrophenhalbjahr 282.000 Neukundenaccounts. Bis Ende Juni 2022 stieg die Zahl der Kundenaccounts auf 2,29 Millionen, im Gesamtjahr werden 500.000 bis 600.000 neue Accounts erwartet. Im ersten Halbjahr meldet der Konzern sogar einen starken Anstieg des vorläufigen operativen Ergebnisses (EBITDA) um 67,5 Prozent auf 89,1 Millionen Euro (nach 53,2 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2021). Die EBITDA-Marge ist auf 42,5 Prozent (H1 2021: 23,5 Prozent)  gesprungen. Der operative Cashflow betrug im ersten Halbjahr 2022 rund 70 Millionen Euro.

Das klingt überraschend gut, zumal das Unternehmen europaweit auf Expansion setzt. An der Börse fragen sich Investoren allerdings, ob die positive Geschäftsentwicklung höhere Kurse wirklich rechtfertigen kann. Denn die Börsenbewertungen der Neonbroker waren im vergangenen Jahr recht heiß gelaufen. Auch jetzt noch zahlt man an der Börse für die Aktien der großen Online-Broker im Durchschnitt ein Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von 28 auf der Basis der erwarteten 2022er Gewinne. Schaut man allerdings genauer hin, dann wirkt vor allem die Aktie von flatexDEGIRO deutlich unterbewertet. Denn deren KGV liegt nur bei 12,1. Das macht einen Discount in der Aktienbewertung von 57 Prozent zur Peergroup. Schaut man sich die Unternehmensbewertung (Enterprise Value) im Verhältnis zum Gewinn genauer an, so zeigt das EV/Ebitda-Ratio derzeit für die Branche einen Wert von 15,9. Dabei wird flatexDEGIRO sogar nur mit 6,1 bewertet, der Discount liegt also bei mächtigen 62 Prozent. Im Klartext: Die flatexDEGIRO-Aktie ist derzeit sehr billig.

Generell gilt, dass ein möglichst geringer EV to EBITDA wünschenswert ist. Je niedriger die Kennzahl ausfällt, desto höher sind die Gewinne im Vergleich zum aktuellen Unternehmenspreis und desto kaufenswerter scheint ein Unternehmen. Ein geringer Preis bei hohen Gewinnen impliziert somit eine Kaufgelegenheit. Diese Kennziffer ist deswegen aussagekräftiger als das reine KGV, weil hier auch Fremdkapital mit einberechnet wird.

Die Unterbewertung der flatexDEGIRO-Aktie lässt Analysten aufhorchen, die auf der Suche nach echten Value-Schnäppchen sind. So empfiehlt die Investment Bank Goldman Sachs die Aktie zum Kauf. Aktuelles Kursziel von Goldman Sachs ist 18 Euro. Die Deutsche Bank sagt sogar 22 Euro. Die Analysten anderer Finanzinstitute verweisen insbesondere darauf, dass es flatexDEGIRO gelinge einerseits rasch und in ganz Europa zu wachsen Andererseits werde der durchschnittliche Umsatz je Transaktion bemerkenswert gesteigert, von 4,27 Euro im ersten Halbjahr 2021 auf nunmehr 5,31 Euro, das bedeutet ein Plus von 24,4 Prozent.

Tatsächlich hat sich der flatexDEGIRO-Kurs von seinem Tief am 5. Juli bereits deutlich erholt. Damals kostete der Titel nurmehr 8,55 Euro. Heute muss man schon wieder rund 10 Euro zahlen. Sollte Goldman Recht behalten, dann wären die 20 Euro Kursziel aber immer noch eine Verdopplung. Vor einem Jahr erreichte der Kurs in der Spitze sogar Werte von mehr als 28 Euro.  

BAS

25.07.2022 | 10:19

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