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Löst der Corona-Virus einen Börsencrash aus?


China ist tief erschüttert von einer Virus-Epedemie. Immer stärker leiden auch Verkehr, Warenaustausch und Wirtschaft. An den asiatischen Börsen wächst die Angst vor dem großen Einbruch in dieser Woche. Nur Pharma-Aktien steigen dank spekulativer Käufe.

Der Corona-Virus schockiert und lähmt China. Mehr als 2000 Infizierte offiziell, Gesundheitsexperten rechnen inzwischen mit der zehnfachen Zahl. Die Zahl der Todesopfer steigt täglich dutzendweise. 56 waren es am Wochenende offiziell. Nahezu 60 Millionen Menschen sind unter Quarantäne gestellt. Ein Ballungsraum von der Größe Deutschlands ist von der Außenwelt abgeschnitten. Das öffentliche Leben und das Wirtschaftsleben ist rund um Wuhan beinahe zum Erliegen gekommen. Täglich werden die Nachrichten von leeren Supermärkten und Apotheken, überfüllten Krankenhäusern und verzweifelten ausreisewilligen beängstigender. Wuhan will nun im Eiltempo zwei neuen Krankenhäuser nur für Infizierte bauen, die insgesamt eine Kapazität von 2300 Betten haben sollen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll bereits in einer Woche fertig seiner, das zweite eine Woche später.  Selbst Hongkong ruft Katastrophenalarm und Notstand aus.

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief am Samstag in Peking ein Krisentreffen ein. Alle Ebenen von Partei und Regierung müssten dem Kampf gegen das Coronavirus höchste Priorität einräumen. 
In der vergangene Woche war der Virus erstmals an den asiatischen Börsen ein Thema. Es kursierte die Sorge, dass China wirtschaftlich leiden könne unter den Folgen der Epedemie. Die Börse in Schanghai hat am Donnerstag deutliche Verluste erlitten, weil Anleger durch die Quarantäne von nahezu 60 Millionen Menschen einen Rückschlag der chinesischen Konjunktur fürchteten. Der Shanghai Composite Index verlor 2,75 Prozent. Am Freitag blieb die Börse wegen des bevorstehenden Neujahrsfests in China geschlossen.
Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sehen die Weltbörsen, auch den Dax, nun durchaus anfällig für Rückschläge infolge der Coronavirus-Epedemie. Bei vielen Anlegern werden Erinnerungen wach an 2002/2003, als das Sars-Virus in China ebenfalls für die pandemische Ausbreitung einer Lungenkrankheit gesorgt und damit die chinesische Wirtschaft schwächte. Das neue Virus ähnelt dem von 2002.

Als erstes trifft es Handels- und Reiseunternehmen an der Börse. Fluggesellschaften sind die ersten, die Stornierung und einen Einbruch ihres Geschäft erleiden. Aber auch Auto-Aktien sind chinasensibel. 
Wuhan ist ein wichtiges Logistikzentrum für zahlreiche Zulieferer der Auto-, Maschinenbau-, Pharma und Elektroindutrie. Traditionell ist der hier rund 1250 Meter breite Jangtsekiang die Lebensader für Schwer- und Massentransporte. Der Wuhaner Hafen ist der größte Binnenwasserhafen Chinas, da der Fluss bis hierher auch für Seeschiffe schiffbar ist. Wenn der Verkehr hier zum Erliegen kommt, droht der chinesischen Wirtschaft ein schwerer Schlag. Auch deutsche Unternehmen sind unmittelbar betroffen. Erst vor einem halben Jahr hat der Autozulieferer Webasto im Beisein von Bundeskanzlerin Merkel in Wuhan ein Werk für Autodächer und Elektro-Ladestationen mit 500 Mitarbeitern eröffnet. Auch Siemens und Bosch sind stark vor Ort. Ebenso Fresenius und T-Systems, vor allem aber zahlreiche Maschinenbauer und Autozulieferer, etwa Brose und Mahle, SEW-Eurodrive und Schaeffler. Fast alle melden bereits Produktionsbeeinträchtigungen.
 „Es ist eine Frager von Tagen, bis die Börsen von der Coronavirus-Nachrichtenlage angesteckt werden“, meint ein Analyst aus London.

Erste Spekulanten und Fonds verkaufen bereits chinesische Aktien. Andere kaufen gezielt Aktien von chinesischen Gesundheitsunternehmen. Investoren rechnen offenbar mit steigender Nachfrage nach Medizinprodukten und Gesundheitsdienstleistungen. So steigen seit kurzem die Aktien von Shandong Lukang Pharma (Antibiotika-Hersteller) ebenso sprunghaft wie die von Zhende Medical (Hersteller Verbandsmaterial und Desinfektionsmittel für chirurgische Instrumente). Über ein ähnliches Produktprogramm verfügt auch Jiangsu Nanfang Medical, dessen Aktienkurs ebenfalls empor schnellt. Zu den Profiteuren gehörte auch Jiangsu Lianhuan Medical und die Aktie von Star Lake Biosciene oder Shanghai Shenqi Pharmaceutical, ein Hersteller von Medikamenten gegen Grippe.

Analysten warnen freilich: Sollte sich die Epidemie zur Pandemie auswachsen, dann stünde den Weltbörsen insgesamt ein Rückschlag bevor. Vor allem da viele Börsen im vergangene Jahr Rekordstände erklommen hätten, sei die Rückschlaggefahr derzeit enorm groß. Sollte es aber zum globalen Corona-Crash kommen, dann seien auch die Pharma-Unternehmen betroffen.


26.01.2020 | 22:47

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