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Airbus beißt sich durch



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Gebraucht gibt es sie recht günstig. Zum Beispiel ein Airbus-Modell 318, gewiss betagt, aber wohl flugfähig, für rund 5,5 Millionen Euro. Noch ein wenig zu viel vielleicht, um das Flugzeug als Spielgerät in den Garten zu stellen, Garten kostet ja auch noch extra; aber um eine kleine Fluglinie aufzumachen, vielleicht der Einstieg. Alternativ bietet sich der Kauf von gut 50.000 Airbus-Aktien an.

Von Reinhard Schlieker 



Näheres zum Fluggerät weiß die rumänische Regierung: Die Linie Tarom soll künftig allein Boeing und ATC fliegen, aber das war es dann auch schon fast an schlechten Nachrichten für Airbus Industries. Na ja, fast. Der Börsenkurs präsentiert sich wesentlich manierlicher als man es angesichts der Corona-Maßregelungen weltweit hätte erwarten können. Mit etwa 105 Euro notiert Airbus Group noch etwa 35 Prozent unter dem Allzeithoch von Februar 2020 – da wurden noch etwas blauäugige 138,40 Euro verlangt und bezahlt. Das Tief kam dann auch etwas später als bei den meisten anderen Börsenwerten, nämlich Mitte Mai bei 49,75. Solche steilen Manöver sind bei Aktien in den letzten zwölf Monaten eher nicht selten, man versuche das möglichst als Pilot einer A 220 nicht nachzuvollziehen.

Diese Airbus A 220-300 (ehemals CS 300 des kanadischen Herstellers Bombardier) ist nun allerdings ein Erfolgsmodell und Airbus-Chef Guillaume Faury kündigte bei der Hauptversammlung vor wenigen Tagen an, die Produktion seiner Schmalraumjets stetig hochzufahren. Auf 45 Stück pro Monat dann im Herbst, und auch kleinere Airbus-Ausführungen laufen gut. Erst in Richtung 2025 erwartet der Chef dagegen eine Erholung des Langstreckengeschäfts der Fluglinien – Großraumjets sind daher momentan nicht das Geschäftsfeld Nummer eins. Goldgräberstimmung wäre allenfalls noch vom künftigen Projekt eines neuen europäischen Kampfjets FCAS zu erwarten, immerhin 100 Milliarden Umfang, und die Differenzen zwischen den Partnern Dassault und Airbus nun geklärt. Fehlt noch die politische Zustimmung aus Deutschland zum Beispiel, aber es ist alles weit gediehen.

Die Rüstungssparte sorgt ohnehin für einen soliden Ergebnisbeitrag, auch wenn diese Produktion nicht jedermanns Sache sein mag bei der Geldanlage. Ansonsten spekulieren die Börsen darauf, dass die stetig besser werdenden Absatzzahlen (im März zum Beispiel eine Verdoppelung der Auslieferungen gegenüber Februar) zu einer Übererfüllung der Planvorgaben reichen werden. Auch wenn der Flugverkehr unter der Corona-Pandemie stark gelitten hat, nutzen zahlreiche Luftfahrtunternehmen die Zeit, um ältere Maschinen auszusortieren und durch neuere, sparsame und umweltfreundlichere Modelle zu ersetzen. Da lassen sich schnell Millionen einsparen im jahrelangen Betrieb, und Airbus hat die nötigen Modelle, um sich etwa gegen Boeing zu behaupten. Der Wettbewerber hatte in der aktuellen Krisenzeit deutlich mehr Federn lassen müssen als Airbus. Und zu allem Überfluss: Der US-Hersteller meldet erneut Ärger mit seiner B-737 Max, diesmal könnte es zu Problemen mit der Stromversorgung kommen. Nach langer Flugverbotszeit des Jets nun erneut Boeings Aufforderung an einige Fluggesellschaften, das Modell am Boden zu lassen.

Konkurrenz droht Airbus allerdings auch von kleineren Herstellern rund um den Globus, so etwa Embraer aus Brasilien. Diese Flugzeugbauer könnten ebenfalls vom Trend hin zu kleineren, leiseren und sparsamen Maschinen profitieren. Derweil muss sich Airbus auch auf einem Zukunftsmarkt anstrengen, dem der Lufttaxis nämlich. Zahlreiche Startups mit erheblichen Investorengeldern im Rücken tummeln sich da - wenn auch (noch) nicht am Himmel, so doch im Tüftlerlabor. In Sachen Technik eine faszinierende Vision, dieser Lufthüpferansatz, in Sachen zu erwartender Regulierung, besonders natürlich in Deutschland, wohl ein Ingenieurs-Alptraum. Anleger werden sich damit trösten können, dass Airbus geradezu prädestiniert ist, politische Hürden zu nehmen – kein Produkt des Unternehmens kann schließlich „einfach so“ vermarktet werden. Und da Luftverkehr von nationalen Eitelkeiten bis Befindlichkeiten in Zusammenhang mit regionaler Wertschöpfungsphantasie mehr als geprägt ist, dürfte das sicher auskömmliche Gehalt firmeneigener Diplomaten mehr als im Sinne des Aktionärs sein. Anderenfalls empfiehlt sich eine Branche fern jeder Politik, aber dafür gibt es vermutlich bald Finderlohn.

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16.04.2021 | 09:05

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