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Double Dip



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Ganz so als sei die herrschende Finanz- und Wirtschaftskrise nur eine Delle im stetig wachsenden Wirtschaftskreislauf. Aber da könnte man sich vielleicht nun doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Denn nicht wenige Experten gehen inzwischen davon aus, dass die Krise noch ein paar Winkelzüge auf Lager hat. Das wahrscheinlichste Szenario dabei heißt „Double Dip“, das zweifache Wegtauchen der Wirtschaftsleistung. Dafür gibt es historische Vorbilder, so etwa zu Beginn der Achtzigerjahre. Auch jetzt könnte es so kommen. Im Moment zeichnet sich eine weit stärkere Konjunkturerholung ab als noch bis zuletzt vermutet. Das spiegelt tatsächlich auch der Verlauf der Aktienkurse wider, die ohne Unterbrechung neun Tage in Folge gestiegen sind. Das ifo Geschäftsklima am Freitag untermauerte diesen Trend. Demnach sehen die Unternehmen ihre gegenwärtige Lage weit weniger negativ als zuvor. Außerdem beurteilen sie ihre Geschäftserwartungen positiv. Das Ansteigen des ifo Geschäftsklima zum vierten Mal in Folge überzeugte auch einige Skeptiker, dass nicht alles verloren ist in diesem Jahr. Die staatlichen Konjunkturpakete zeigen allmählich Wirkung. Der Druck auf die Banken nimmt zu, bei der Kreditversorgung der Unternehmen weniger kleinlich zu sein. Hinzu kommt zumindest ein nicht nachgebender Konsum, der von den relativ moderaten Energiepreisen profitiert. Allerdings könnte es schon Anfang nächsten Jahres in die Gegenrichtung gehen. Das Szenario speist sich dann aus den gleichen Indikatoren wie der jetzt absehbare Aufschwung: Längerfristig rechnet man mit steigenden Ölpreisen, zum Beispiel. Sollte das in der noch geschwächten Phase eintreten, dürfte es den Konsum belasten. Die staatlichen Konjunkturhilfen laufen aus – sehr deutlich wird man das in der Autoindustrie spüren, wo die Abwrackprämie zu einer Sonderkonjunktur geführt hat, die sich nicht aufrecht erhalten lassen wird. Schließlich wird der Staat nicht umhinkommen, Steuern zu erhöhen und damit Kaufkraft zu entziehen. Die gewaltigen Schulden müssen finanziert werden. Wie verträglich dies gelingt, ist nicht zuletzt auch entscheidend für die Konjunktur. Die Politik könnte den unvermeidlichen Schaden dadurch mindern, dass sie keine Versprechungen abgibt, die am Ende nicht zu halten sind, sondern klar und offen kommuniziert, was ohnehin sich jeder ausrechnen kann. Allein die Entwicklung der Defizite in den Sozialkassen dürfte zum Herbst bereits beunruhigend sein – steigende Arbeitslosigkeit wird dazu beitragen. Wenn man all dies zusammennimmt, entsteht zwangsläufig die verzweifelte Hoffnung, dass der zweite „Dip“ an uns vorübergehen möge. Das allerdings hat ein einzelnes Land nicht in der Hand – die Weltwirtschaft wird den Weg weisen, und darauf ist das Exportland Deutschland einfach angewiesen. Man braucht eben auch etwas Glück beim Wirtschaften.

04.11.2009 | 00:00

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