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So verworren und aufgeladen, hektisch und abseits jeder Planung verlief die Diskussion um die Rettung oder Nicht- Rettung von Opel, dass nackte Zahlen keine Chance hatten. Dabei könnte in ihnen der Weg zu einer Lösung vorgezeichnet sein. Der Münchener Professor und Leiter des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat gnadenlos ermittelt, wo genau der Unfug einer staatlichen Milliardengabe an Opel liegen würde: Die Erhaltung jedes Arbeitsplatzes wäre weitaus teuerer als die Schaffung eines neuen in der Autoindustrie.

Wenn man daraus eine geradlinige Schlussfolgerung zieht, käme man auf die Idee: Die komplette Belegschaft von Opel kündigt bei dem Rüsselsheimer Autobauer und gründet sogleich ein neues Unternehmen. Die eingesparten Staatsgelder werden teils zum Ankauf von Technologie, teils zur Überbrückung der ersten Monate des Unternehmens verwendet. Der Steuerzahler hätte etwas gespart, und die offensichtlich völlig unberechenbaren Konzernherrn aus Detroit mitsamt ihren Verbindungsleuten in der US-Regierung stünden mit ein paar leeren Fabrikgebäuden da. Nun gut, die Opel- Patente wären perdu, und auch sonst einiges von Wert. Aber ganz offensichtlich ist der andere Ausgang nun ein glattes Pokerspiel. Die Verhandlungsführung der Amerikaner war ja bereits in der Nacht zum Donnerstag eine Zumutung, und ob nun mit der Entscheidung für Magna etwas gewonnen ist, muss bislang offen bleiben. Fiat wollte ja erkennbar dem bunten Treiben nicht mehr zusehen und schied aus. Die Offerten von Magna und Fiat, so darf man wohl annehmen, waren streng kalkuliert. Ob die nun bleibende Beteiligung von GM an Opel in Höhe von 35 Prozent Ruhe und Sicherheit bringt, darf bezweifelt werden. Mag ja sein, dass den Amerikanern Opel nicht wirklich am Herzen liegt. Der Regierung zumindest nicht – GM allerdings sollte das Schicksal der Tochter schon interessieren. Wenn sich herausstellen sollte, dass der Konzern mit Opel in Europa einfach Würfel gespielt hat, dürfte das den Ruf des Unternehmens nachhaltig ruinieren. Und selbst wenn es denn gelingt, in den USA eine „neue GM“ aufzubauen, würde diese in Europa jedenfalls nur schwer einen Fuß auf den Boden bekommen. Man muss sich daher fragen, was die Manager in Detroit wirklich umtreibt. Darüber dürfte es erst in einigen Wochen Klarheit geben, wenn alle Fristen vorbei und alle US-Insolvenzen eingeleitet sind. Daher hatte auch der Gedanke an eine Opel-Insolvenz einigen Charme – auch für die Arbeitnehmer. Im Insolvenzverfahren gibt es großzügige rechtliche Rahmenbedingungen für das Unternehmen, und das nicht nur zum Schutz vor Gläubigern, sondern auch zum Schutz vor einem unberechenbaren Eigentümer. Was GM in den USA angeht: Dort befasst man sich natürlich mit dem Schicksal von etwa einer Million Menschen, die indirekt mit dem Autokonzern verbunden sind. Mit einer Frage allerdings befasst sich derzeit offenbar niemand: Wenn bisher schon zu wenige Leute die Produkte von General Motors kaufen wollten, warum sollten sie das ausgerechnet von jetzt an tun wollen?

05.11.2009 | 00:00

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