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Viel Geld



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Dass wir das noch erleben müssen. Die Einschränkung: Das Ganze soll nur gelten, wenn ein Unternehmen Staatshilfe bekommen hat und von daher Steuergelder genau an die Leute auszahlen würde, die das Unternehmen dahin gebracht haben, dass es Staatshilfe braucht. Das ging offenbar auch den letzten Live-and-let-live-Amerikanern zu weit. Eine überparteiliche Mehrheit im Senat verabschiedete die Neuregelung.

Natürlich hat das Ganze einen Haken: Sie gilt nur in Zukunft. Für die am vergangenen Wochenende ausgezahlten Boni gilt sie nicht. Diese 160 Millionen sind erst einmal weg. Allein schon die Begleitumstände des Ganzen wären auch ohne jede Finanzkrise eine skandalöse Angelegenheit. Ebenso auch, wie der Vorstandvorsitzende Liddy die Zahlungen in der Öffentlichkeit verkaufte: Diese seien als Treueprämien gar nicht zu vermeiden, wenn man weiterhin fähige Leute bei AIG in den Topetagen halten wollte. Wie bitte? Wie definiert Mr. Liddy denn „fähig“? Bemisst sich das nach angerichtetem Schaden? Die Frage muss nicht abschließend beantwortet werden, denn was der Chef nicht sagte: Einige seiner so fähigen Leute haben die Firma schon verlassen, ehe die Tinte auf dem Scheck trocken war. Loyalität kann man auch übertreiben. Oder? Und mit einer Millionensumme, ausgezahlt vom Steuerzahler auf dem Umweg über die Firmenkasse, kann man der weiteren Entwicklung aus der Ferne in aller Ruhe zusehen.

AIG hat 2008 fast 100 Milliarden Dollar verloren. Dagegen nehmen sich die Boni natürlich gar nicht so bedeutend aus. Und sie seien vertraglich vereinbart worden, da kann man nichts machen, sagt AIG. Nur – es hat ja nicht einmal jemand versucht. Denn Verträge kann man auch anfechten. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat klug darauf hingewiesen, dass Versicherungen oft gar nicht so zimperlich sind, wenn es um Vertragsauslegung bei einer fälligen Schadensregulierung geht. Da wird gern auch mal jahrelang prozessiert, ehe man sich auf einen Kompromiss einigt und dann eine wesentlich niedrigere Summe überweist. Alles bei bestehenden Versicherungsverträgen, wohlgemerkt. Aber die Diskussion ist ja noch nicht zu Ende. Einige der Manager haben angeboten, die Hälfte ihrer Boni freiwillig zurückzuzahlen. Das ist für den Steuerzahler besser als gar nichts. Auf die Dauer dürften die Geldempfänger aber auch mit der ihnen vielleicht verbleibenden Hälfte nicht glücklich werden, denn ihr Ruf wird ruiniert sein – dafür wird die öffentliche Diskussion sorgen. Weit entfernt davon, eine Neidgesellschaft zu sein, die schon zornig wird, weil sie dem Nächsten schlichtweg nichts gönnt, hat man in Amerika doch ein entferntes Gefühl für Lohn und Leistung. Und das ist nun verletzt, im Übermaß, und das wird nicht so einfach wieder verschwinden. Wer Werte schafft, wird reich belohnt – nun könnte das Pendel zurückschwingen und jene erwischen, die auch für Wertvernichtung noch Lohn erwarten. AIG-Chef Liddy prophezeite bereits, dass sein Unternehmen in Zukunft nicht mehr das Gleiche sein werde: Anderer Name sowieso, die Abteilungen für Finanzspekulationen werde es nicht mehr geben. Kein Wunder – unter dem Namen AIG ließe sich in Zukunft wohl auch kein müder Dollar mehr verdienen. Der Spruch „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s gänzlich ungeniert“ könnte allenfalls für ein paar abgängige Bonusempfänger gelten. Für Unternehmen, die mit Vertrauen ihr Geld verdienen wollen, gilt er nun definitiv nicht.

10.11.2009 | 00:00

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