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Südafrika - Fußball-Weltmeisterschaft als Wachstumstreiber

FTSE JSE Top 40

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Gleichwohl steht die Regierung noch immer großen Herausforderungen gegenüber und muss vor allem eine Lösung für die sozialen Probleme des Landes finden. Neben einer ungebremsten Ausbreitung von Aids zählen dazu die hohe Arbeitslosigkeit von mehr als 20%, die nach wie vor weit verbreitete Armut sowie die oftmals noch mangelhafte Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, Elektrizität und ausreichendem Wohnraum. Im Hinblick auf die Austragung der Fußball- Weltmeisterschaft 2010, zu der Südafrika Millionen von ausländischen Gästen erwartet, muss zudem die Sicherheitslage im Land verbessert werden.

2010 wieder auf dem Wachstumspfad

Ein Hauptgrund für die starke wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas ist der Rohstoffboom der vergangenen Jahre, schließlich ist Südafrika der größte Goldproduzent und einer der bedeutendsten Anbieter zahlreicher anderer Rohstoffe wie Platin, Diamanten oder Kohle. Mit einem geschätzten Pro Kopf- Bruttoinlandsprodukt (BIP) von ca. 5.840 US-Dollar für 2009 erreicht Südafrika einen Spitzenwert auf dem schwarzen Kontinent. Doch nach einem Jahrzehnt mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von bis zu 5,0% kam es 2008 zu einer Verringerung des Wachstums auf 3,1%, verursacht durch die weltweite Finanzkrise. Deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben auch Südafrika nicht verschont, und so schrumpfte das reale BIP vom 4. Quartal 2008 bis zum 2. Quartal 2009 gegenüber dem jeweiligen Vorquartal. Doch inzwischen scheint Südafrika das Konjunkturtal hinter sich gelassen zu haben. Im dritten Quartal 2009 wuchs die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal bereits wieder um 0,2%. Für 2009 wird dennoch ein Rückgang des BIP um mehr als 2,0% erwartet. Am stärksten traf die Krise die Automobilindustrie, und aufgrund der starken Preiseinbrüche an den Rohstoffmärkten auch den Bergbau. Die mit der Krise einhergehende gestiegene Risikoaversion führte darüber hinaus zu einem deutlichen Rückgang der ausländischen Investitionen. Mit dem mittelfristigen Wirtschaftsprogramm „Accelerated and Shared Growth Initiative for South Africa“ (ASGISA), das die Politik des „Black Economic Empowerment“ ergänzt, will die Regierung die Investitionen ankurbeln und das Wachstumstempo erhöhen, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und die Einkommensungleichheiten abzubauen. Das Ziel, ab 2010 ein reales BIP-Wachstum von mindestens 6,0% sowie eine Halbierung von Arbeitslosigkeit und Armutsquote bis 2014 zu erreichen, ist angesichts der internationalen Finanzkrise jedoch als zu ehrgeizig einzustufen. Nichtsdestoweniger haben sich die Aussichten für 2010 und 2011 verbessert, auch wenn das erwartete Wachstum des realen BIP mit knapp 2,5% bzw. 4,0% noch unter den Wachstumsraten der vergangenen Jahre zurückbleiben wird. Eine Erholung der Weltwirtschaft, hohe Staatsinvestitionen in die Infrastruktur sowie niedrige Zinsen dürften für Aufträge und eine steigende Binnennachfrage sorgen. Auch die Lage an den Rohstoffmärkten hat sich deutlich erholt. Darüber hinaus erfolgt am 11. Juni 2010 im Soccer City Stadion in Johannesburg der Anstoß zur ersten Fußball- Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Das Turnier könnte etwa einen Prozentpunkt mehr an BIP-Wachstum bringen. Für den Ausbau der Infrastruktur sind in den kommenden Jahren etwa 60 Mrd. Euro vorgesehen, wovon vor allem der Bausektor profitieren dürfte. Insbesondere der öffentliche Sektor befindet sich in einem regelrechten Investitionsboom und will die dringend benötigten Erweiterungen für Häfen, Flughäfen, Bahnstrecken und Straßen durchführen. Zusätzlich sollen Kraftwerke, Staudämme und Pipelines neu gebaut werden. Hinzu kommen Projekte, die in Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 stehen. Von dieser dürften zudem positive Impulse für den Konsum ausgehen, immerhin erwartet das Land einen Besucheransturm. Da passt es gut, dass der Termin des Turniers mit Juni/Juli 2010 in eine Zeit fällt, die in Südafrika normalerweise zur Nebensaison zählt. Zu einem Anstieg des Konsums dürften auch die massiven Zinssenkungen der vergangenen Monate sowie das Wachstum der Mittelschicht beitragen. Diese stellt eine immer wichtigere Käufergruppe dar und zählt inzwischen fast 3 Mio. Konsumenten. Hinzu kommen noch rund 4 Mio. hauptsächlich weiße kaufkräftige Bewohner des Landes. Allerdings verfügen die verbleibenden mehr als 40 Mio. Südafrikaner über eine eher geringe Kaufkraft.

FTSE/JSE Africa Top 40 – Benchmark für die südafrikanische Börse

Die Johannesburg Stock Exchange (JSE) ist die mit Abstand größte Börse Afrikas. Im FTSE/ JSE All Share-Index sind inzwischen mehr als 250 Unternehmen enthalten. Die davon nach Marktkapitalisierung größten 40 Unternehmen sind im afrikanischen Leitindex, dem FTSE/JSE Africa Top 40-Index vereint. Dieser wurde im Juni 2002 aufgelegt und wird dreimal jährlich auf seine Zusammensetzung hin überprüft. Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die Unternehmen zudem mindestens 50% ihrer Erträge in Afrika erwirtschaften. Da die Bodenschätze einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor Südafrikas darstellen, ist es nicht weiter verwunderlich, dass knapp die Hälfte des Index Anteilsscheine von Minengesellschaften ausmachen, wobei BHP Billiton und Anglo American mit Abstand die größten Einzelwerte sind. Mit den ETFs von Market Access und Lyxor haben Anleger die Möglichkeit, an der künftigen Entwicklung des FTSE/JSE Africa Top 40-Index zu partizipieren. Der MSCI Emerging Markets Europe, Middle East and Africa Total Return Net-Index von db x-trackers spiegelt dagegen nicht nur die Entwicklung Südafrikas wider, sondern orientiert sich auch an der Wertentwicklung der Emerging Markets- Länder in Europa, im Mittleren Osten und Afrika. Mit einem Anteil von 34,12% ist Südafrika derzeit das Land mit dem höchsten Gewicht im Index.

Fazit:

Die südafrikanische Wirtschaft blieb von der weltweiten Wirtschaftskrise nicht verschont, sollte aber 2010, nicht zuletzt durch die Fußball- Weltmeisterschaft, wieder in Schwung kommen. Auch langfristig bietet Südafrika aufgrund der hohen Rohstoffvorkommen, welche das Land für ausländische Investoren attraktiv machen, überdurchschnittliche Wachstumschancen. Im Länder-Kredit- Rating des „Institutional Investor“ rangiert Südafrika im September 2009 mit 62,0 von 100 Wertungspunkten unter 178 gelisteten Ländern auf Rang 52 und damit noch vor den EU-Mitgliedern Ungarn und Estland.

25.01.2010 | 00:00

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