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Über niedrigere Gebühren zu höherer Rendite mit ETFs


 

Verwaltung und Vermarktung eines aktiv gemanagten Investmentfonds ist personalund kostenintensiv: Häufig gehört zur Verwaltung und Steuerung eines Fonds neben dem Fondsmanager ein Research-Team, mit gut bezahlten Spezialisten. Hinzu kommen Aufwendungen für den Vertrieb und das Marketing. Bei ETFs, die ursprünglich für institutionelle Investoren entwickelt wurden, beschränkt sich dies auf ein Minimum. Ein weiterer Vorteil sind die in der Regel geringeren Transaktionskosten. Denn das Vermögen eines ETFs wird nur dann neu strukturiert, wenn sich die Zusammensetzung des zugrunde liegenden Index ändert. Bei aktiv verwaltenden Investmentfonds kommt es meist sehr viel häufiger zu Umschichtungen, die dann mit entsprechenden Kosten verbunden sind. Aus diesen Gründen müssen Fondsgesellschaften höhere Verwaltungsgebühren für ihre klassischen Investmentfonds verlangen. Dies bleibt nicht ohne folgen für die Wertentwicklung des Investments.

Ein Rechenbeispiel

Wie sich die unterschiedlichen Gebührenstrukturen auf die Rendite des Investments lässt sich an einem Rechenbeispiel festmachen. Ein Anleger möchte 10.000 Euro langfristig in einen Aktienfonds auf internationale Standardwerte anlegen. Er geht von einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 6% aus. Er hat die Wahl zwischen einem ETF mit einer eine jährliche Verwaltungsgebühr von 0,25% und einen aktiv gemanagten Investmentfonds mit einer Gesamtkostenquote von 1,5%. Die jährliche Rendite des Investments reduziert sich dann jeweils um die Gebühren. Für den ETF bleibt eine Nettorendite von 5,75%, der aktiv gemanagte Investmentfonds kann nur noch 4,5% im Jahr erwirtschaften. Auf zehn Jahre gerechnet würde sich beim ETF das investierte Vermögen auf rund 17.500 Euro erhöhen, beim herkömmlichen Fonds lediglich auf etwa 15.500 Euro. Der ETF hätte damit insgesamt ca. 13% mehr Wertzuwachs erzielt als der Investmentfonds.

Noch deutlicher wird die Bedeutung niedrigerer Gebühren für das Investment bei sehr langen Laufzeiten: Nach 40 Jahren würde die Investition in den ETF ungefähr 93.500 Euro erbringen, mit dem herkömmliche Fonds hätte man am Ende nur etwa 58.000 Euro in Händen. Der ETF würde damit seinen Konkurrenten um 60% in der gesamten Wertentwicklung schlagen.

Die Gebühren im Blick

Um diesen Unterschied in der Gebührenstruktur auszugleichen, müsste das Management eines aktiv gemanagten Investmentfonds einen enormen Mehrwert generieren, was in der Mehrheit der Fälle aber nicht gelingt. Studien haben ergeben, dass es in der Praxis über längere Zeiträume nur ein geringer Teil der aktiv gemanagten Fonds in der Lage ist, konstant den Vergleichsindex schlagen. Das führt zu dem Schluss, dass die Gebührenreduktion für jeden Anleger eines der effizientesten Mittel ist, um die Nettorendite zu steigern. Damit sind eindeutig ETFs im Vorteil. ETFs bieten über die günstige Gebührenstruktur hinaus auch die nötige Transparenz, um effiziente Portfolios konstruieren zu können. Bei der Wahl der richtigen Indizes ist die Diversifikation gleich gut oder sogar besser als bei aktiven Anlagefonds. ETFs können langfristig im Depot gehalten werden, was zusätzlich die Transaktionskosten zu reduzieren hilft.

Fazit

Die Gebühren sollten bei der Auswahl eines Anlageinstruments bestimmt nicht das einzige Kriterium sein. Jeder Anleger sollte sich aber bewusst sein, dass hohe Kosten vor allem auf lange Sicht gegen ihn arbeiten. Mit ETFs kann er dies auf ein Mindestmaß reduzieren.

 

 

08.02.2010 | 00:00

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