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db x-trackers - Ein deutscher Anbieter mischt den Markt auf

Marktanteile der ETF-Emittenten in Deutschland

Marktanteile der ETF-Emittenten in Deutschland

Assets under Management der ETF-Emittenten in Deutschland

Assets under Management der ETF-Emittenten in Deutschland


 

Anfang 2007 brachte die Deutsche Bank eine eigene ETF-Tochter an den Start: db x-trackers. Doch der Kuchen war zu diesem Zeitpunkt schon weitgehend aufgeteilt. Der Newcomer musste sich daher zunächst gegen die großen ausländischen Gesellschaften durchsetzen. Doch innerhalb kürzester Zeit konnte sich db x-trackers als einer der drei bedeutendsten Anbieter etablieren. Bekannt ist der ETF-Emittent vor allem für seine innovativen Produkte und seine große Bandbreite an börsengehandelten Indexfonds. ETFs kompakt stellt db x-trackers als erste Gesellschaft in einer losen Serie über ETF-Emittenten vor.

 

In Deutschland ist db x-trackers nach Anzahl der angebotenen ETFs und verwaltetem Volumen mittlerweile der zweitgrößte Anbieter. Das Fondsvermögen der Deutsche Bank-Tochter macht mit rund 29 Mrd. Euro mehr als ein Fünftel der gesamten Assets under Management im XTF-Segment der Deutschen Börse aus. Damit steht db x-trackers ganz knapp vor dem französischen Anbieter Lyxor. Platz eins hält unangefochten der ETF-Riese iShares, der ursprünglich zur britischen Großbank Barclays gehörte und Ende letzten Jahres von der amerikanischen Fondsgesellschaft BlackRock übernommen wurde. Andere deutsche Anbieter können hier noch nicht mithalten. ComStage, die ETF-Gesellschaft der Commerzbank und ETFlab, der Anbieter der Sparkassen, können nur jeweils weniger als 4% Marktanteil verbuchen.

 

Eine Wachstumsstory

Als iShares im Jahr 2000 in Deutschland die ersten ETFs herausbrachte, verschliefen viele deutsche Finanzinstitute den Start des neuen Wachstumssegments. Im Januar 2007 sprang die Deutsche Bank auf den bereits angefahrenen Zug auf. Mit insgesamt acht Aktien-ETFs auf die Leitindizes in Deutschland, USA, Japan, Italien, Schweiz sowie auf den EURO STOXX 50 und MSCI World, startete die Deutsche Bank ihre eigene Indexplattform. Inzwischen umfasst die Produktpalette von db x-trackers rund 120 ETFs aus verschiedenen Anlageklassen wie Aktien, Renten, Geldmarkt, Rohstoffen, Devisen und alternativen Anlagen. db x-trackers war 2008 und 2009 der am schnellsten wachsende ETF-Anbieter Europas und gehört auch weltweit zu den fünf größten Anbietern.

 

Nach dem Markteintritt von db x-trackers hat es kein anderer ETF-Anbieter mehr geschafft, eine kritische Masse zu erreichen und sich in der Spitzengruppe der ETF-Branche zu etablieren. Der Grund hierfür lag sicherlich darin, dass db x-trackers mit der Deutschen Bank als Mutter über eine starke Unterstützung und ausreichend Ressourcen verfügte. Damit war es der Gesellschaft vergleichsweise schnell möglich, ein umfangreiches und attraktives Angebot an liquide gehandelten ETFs mit niedrigen Verwaltungsgebühren aufzubauen.

 

Aber damit allein lässt sich der Erfolg noch nicht erklären. Mindestens genauso wichtig ist die Innovationskraft des ETF-Emittenten. Von db x-trackers stammen der erste Geldmarkt-ETF auf den Eonia-Tageszinssatz, der erste Short-ETF, der die Entwicklung des DAX auf Tagesbasis spiegelbildlich nachvollzieht, der erste Hedgefonds-ETF, der auf der Wertentwicklung realer Hedgefonds basiert, und die ersten ETFs mit systematischen Währungsstrategien. Damit hat db x-trackers neue Anlageklassen zugänglich gemacht, die vorher nicht von ETFs abgedeckt wurden.

 

Pragmatischer Ansatz

Bei den ETF-Emittenten herrschen zwei unterschiedliche Philosophien vor: Während die einen Gesellschaften voll replizierende ETFs bevorzugen, also ETFs, die möglichst exakt den ganzen Index mit allen Einzelwerten nachbauen, verfolgt db x-trackers einen pragmatischeren Ansatz mit Swap-basierten ETFs. Dabei legt der Indexfonds auch in Aktien und Anleihen an, aber nicht notwendigerweise in solche aus seinem Index. Der eigentliche Index wird auf der Seite des Swap-Partners zusammengestellt und die Wertentwicklung des Index mit der Fonds-Performance getauscht. Bei db x-trackers ist der Swap-Partner die Deutsche Bank. Ein denkbares Risiko für den Anleger besteht bei dieser Konstruktion eines ETFs darin, dass der Swap-Partner ausfallen könnte. Um dieses Risiko zu reduzieren, setzt db x-trackers auf eine so genannte Übersicherung. Dabei muss der Wert der Aktien im Portfolio des Indexfonds immer etwas höher sein (bis etwa 10%) als der Nettoinventarwert der Einzelwerte des Index. Da ein Swap eines Partners gemäß den UCITS-Richtlinien nicht mehr als 10% des Gesamtvermögens annehmen kann, wird so das Gegenparteienrisiko für diesen Partner ausgeglichen.

 

Die Swap-Konstruktion hat eine Reihe von Vorteilen, ein wesentlicher Vorteil für den Anleger ist, dass dadurch die Verwaltungsvergütung niedrig gehalten werden kann. Darüber hinaus könnte db x-trackers ohne die Swap-Strategie viele ETFs gar nicht auflegen. Geldmarkt- oder Rohstoff-ETFs sind nur mittels der Swap-Strategie möglich.

 

Internationale Expansion

Der Erfolg der Strategie der Deutsche Bank-Tocher spricht für sich. Thorsten Michalik, Geschäftsführer von db x-trackers, ist für die Zukunft optimistisch: „Deutsche Bank Research erwartet für 2010 ein Wachstum des ETF-Marktes in Europa um 25% auf 185 Mrd. Euro. Das halte ich für realistisch. Denn beispielsweise liegen erst 2% des Fondsvolumens in Europa in ETFs“, so Michalik. Nach seiner Ansicht haben vor allem Kapitalsammelstellen wie Pensionskassen, Stiftungen und Versicherungen ein Interesse an Investitionen außerhalb der klassischen Aktien- und Rentenanlagen. Darüber hinaus hat sich Michalik auch für dieses Jahr vorgenommen, mit weiteren Innovationen auf den Markt zu kommen.

 

Längst ist db x-trackers auch international erfolgreich. In wichtigen Märkten Europas wie Großbritannien, Italien, Frankreich, Österreich, der Schweiz und Schweden bietet die Deutsche Bank-Tochter ausgewählte Teile ihrer ETF-Palette an. Dieses Jahr wurde auch noch der Markteintritt in Singapur und Hongkong vollzogen. Dort offeriert db x-trackers vor allem ETFs auf Indizes aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Schwerpunkt ist dabei China. Hier hat db x-trackers allein elf ETFs auf den CSI 300, den Index der 300 größten festlandchinesischen Aktien, und seine Subindizes herausgebracht. Die Fondsplattform ist damit in den Zukunftsmärkten bestens aufgestellt. Mit der bereits erreichten Position und der innovativen Strategie dürfte db x-trackers daher auch weiterhin ganz vorne im ETF-Markt mitmischen. 

27.05.2010 | 00:00

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