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Ein Dividenden-ETF gegen steigende Volatilität?

(Bild: Fotolia / Blende 11)


Das Jahr 2018 könnte für Anleger zu einer nervlichen Zerreißprobe werden. Viele Experten und Analysten rechnen für das laufende Jahr weiter mit einer vergleichsweise hohen Volatilität. Die jüngsten Kursstürze waren wohl im negativen Sinne eindrucksvolle Vorboten. Die Unsicherheit, sie ist an die Börsen zurückgekehrt. Profitieren könnten nun dividendenstarke Titel.

Panik ist an den Märkten bislang noch nicht ausgebrochen. Doch zwei schmerzhafte Flash-Crashs an der Wall-Street und ein Dax, der über zwei Wochen fast über zehn Prozent seines Wertes verliert, dürften zumindest die Angst vor einer Börsenpanik und dem großen Crash – wie er ja schon länger von einigen Größen aus der Finanzbranche vorhergesagt wird – deutlich geschürt haben. Gleichzeitig aber warnen nun viele Experten vor einem unüberlegten Aktien-Ausstieg. Schließlich präsentiert sich die Weltwirtschaft bestens in Fahrt und die Unternehmensgewinne sprudeln diesseits wie jenseits des Atlantiks auf Rekordniveau. Es ist diese Mischung, die Dax und Dow, aber natürlich auch den Aktienmärkten außerhalb Europas und den USA, 2018 ein deutliches Mehr an Schwankungsanfälligkeit verordnen könnten.

Stärker ins Blickfeld geraten könnten damit nun wieder Titel mit starker Dividende beziehungsweise Dividendenrendite. Durch vergleichsweise sichere Ausschüttungen reduzieren sie schließlich die Abhängigkeit vom reinen Kursverlauf der Aktie. Nicht zuletzt am US-Markt eröffnet sich so eine interessante Anlageoption: Der „SPDR S&P US Dividend Aristrocrats ETF“, der wiederum den Referenzindex „S&P US Dividend Aristocrats“ so genau wie möglich abzubilden versucht. In ihm sammeln sich insgesamt 106 Aktien, die nicht nur hohe Dividendenrenditen versprechen, sondern zusätzlich auch auf mindestens seit über 20 Jahren steigende Ausschüttungen verweisen können.

Dazu gehören viele global agierende Großkonzerne, wie beispielsweise Coca-Cola, McDonald’s, Procter & Gamble, Exxon Mobil oder der Pharma-Riese Johnson & Johnson. Die Einzelgewichtung darf die Marke von vier Prozent nicht übersteigen. Die Index-Zusammensetzung wird quartalsweise überprüft. Ende 2017 kam der „S&P US Dividend Aristocrats-Index“ auf eine Markkapitalisierung von über 4,8 Billionen US-Dollar. Alles in allem präsentiert er sich breit diversifiziert. Seine fünf Top-Positionen nehmen gerade einmal 9,26 Prozent seines Gesamtvolumens ein. Dazu gehören National Retail Properties mit 1,75 Prozent, IBM mit 1,76 Prozent, Target mit 2,03 Prozent sowie AT&T mit 2,12 und Tanger Factory Outlet Centers mit 2,20 Prozent. Mit Blick auf die einflussreichsten Sektoren steht die Konsumgüterbranche mit 16 Prozent an der Spitze, Industrie- und Finanzsektor folgen mit jeweils 15 Prozent.

Der „SPDR S&P US Dividend Aristrocrats ETF“ ist insgesamt knapp 2,5 Milliarden Dollar schwer und bildet den Referenzindex über die vollständig physische Replikationsmethode ab. Im Oktober 2011 aufgelegt, konnte er bislang über 133 Prozent an Wert zulegen. Im vergangenen Jahr steht ein Plus von etwas über 15 Prozent zu Buche. Damit bildet der ETF seinen Referenzindex ziemlich exakt ab. Ein Investment dürfte aber nichts für Kurzfrist-Anleger sein. „Käufe von Dividenden-ETFs sollten mit einem langfristigen Anlagehorizont ausgestattet sein, denn Dividenden-Strategien entfalten ihr volles Renditepotenzial in der Langfristanlage.“, erklärt Lynxbroker-Experte Dirk Friczewsky. Darunter seien drei bis fünf Jahre oder mehr zu verstehen.

Jetzt, wo die Märkte volatiler zu werden scheinen, bietet sich für Anleger möglicherweise eine günstige Einstiegsgelegenheit. Derzeit steht der Kurs bei 50,92 Dollar und damit deutlich niedriger als noch vor wenigen Wochen. Auch der Dividenden-ETF hat die letzten Kursstürze freilich nicht schadlos überstanden.
„Seit Jahrzehnten tragen insbesondere Dividenden dazu bei, ganze Portfolios mit einer zusätzlichen Renditekomponente auszustatten. Gerade bei hoch rentablen Dividendenaktien kann man recht schnell erkennen, welche enorme Wirkung Dividenden in einem nachhaltig und langfristig konzipierten Depot haben.“, schreibt Friczewsky. „Ähnlich der Effekte von Zins und Zinseszins können die Dividenden bei Wiederanlage erheblich zu einer höheren Rendite beitragen.“

Berechnungen des Indexanbieters S&P bewiesen zudem, wie wichtig Dividenden seien. Seit 1926 hätten allein Dividenden ein Drittel zur Gesamtrendite des US-Aktienmarktes beigetragen. Die Geschichte gebe dieser Anlagestrategie daher genügend positives Feedback mit auf den Weg, glaubt Friczewsky. Oliver Götz

16.02.2018 | 11:29

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