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So könnten die Märkte auf ein Brexit-Abkommen reagieren

Ein Brexit-Abkommen naht. Doch es bleiben Gefahren. (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)


Mit Blick auf den Brexit bahnt sich allmählich eine Lösung an. Endlich, wird manch einer stöhnen. Doch was heißt das nun für die Märkte? Steigt oder sinkt die Volatilität? Ziehen die Renditen für britische Staatsanleihen an? Wenn ja, wie deutlich? Und was macht eigentlich das britische Pfund? Mike Amey, Managing Director und Portfoliomanager bei PIMCO analysiert. 

Nach einigen schwierigen Wochen kam zuletzt deutlich Bewegung in die Brexit-Verhandlungen. Es wurde nun eine Einigung über den Textentwurf der Trennungsvereinbarung erzielt. Ein wahrscheinliches Brexit-Abkommen hat kurz- und längerfristige Auswirkungen auf die Märkte: Wir rechnen im weiteren Verlauf des Prozesses mit Volatilität, verbunden mit einem potenziellen Anstieg der Renditen für britische Staatsanleihen und einer Stärkung des britischen Pfunds, obwohl einige Brexit bezogene Risiken weiterhin bestehen bleiben dürften.

Der Entwurf der Brexit-Vereinbarung sieht eine Zwischenlösung für die irische Grenze vor, wenn bis Dezember 2020 kein endgültiges Handelsabkommen zustande kommt. Die Einigung zwischen Großbritannien und der EU, nach der Nordirland zunächst Teil der Zollunion mit der EU bliebe, verhindert vorerst, dass eine sogenannte harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland entsteht. Sie wirft jedoch auch die Frage auf, ob Großbritannien eine Mitsprache bei den Regulierungsstandards innerhalb dieser Zollvereinbarung hat und wie Großbritannien sie schließlich verlassen könnte.

Zu genau diesem Thema gab es bereits Meinungsäußerungen mehrerer Parlamentsabgeordneter, und darin liegt die Herausforderung für die Regierung von Theresa May: Wie beschreitet man den schwierigen Weg, die heterogene Wählerschaft der Konservativen Partei und ihres Partners, der Democratic Unionist Party (DUP) Nordirlands, von denen viele unterschiedliche Ansichten über den von ihnen gewünschten Brexit haben, zu besänftigen?

Jetzt, da mit der Zustimmung des Kabinetts die erste Hürde genommen ist, verschieben sich der Schwerpunkt auf das Ausmaß der Gegenreaktionen der konservativen und der DUP-Abgeordneten sowie die Akzeptanz der Vereinbarung in ganz Europa. Es wird zweifellos noch viele Schlagzeilen geben, und es bleibt viel Unsicherheit. Wir sind jedoch der Ansicht, dass beide Seiten letztendlich zu einer Einigung kommen wollen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Übergangsvereinbarung bleibt das wahrscheinliche Ergebnis

Innerhalb der Konservativen Partei lässt die Übergangslösung, obwohl eine tiefe innerparteiliche Spaltung besteht, viel Raum für künftige Verhandlungen, was allen Seiten genügend Gründe liefern sollte, sie letztendlich zu unterstützen. Aus Sicht der EU würde Großbritannien bis mindestens Dezember 2020 eng mit der EU verbunden bleiben und müsste daher wahrscheinlich auch seinen Verpflichtungen gegenüber dem EU-Haushalt in diesem Zeitraum nachkommen. Auch wenn dieses politische Ränkespiel mit hohem Risiko behaftet ist, halten wir an unserer Erwartung fest, dass die Übergangsvereinbarung letztendlich unterzeichnet wird.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die nächsten Wochen ohne Volatilität verlaufen werden. Die Marktteilnehmer werden sich insbesondere auf die Reaktionen auf die Vereinbarung in Europa konzentrieren und versuchen herauszufinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie im Dezember vom britischen Parlament angenommen wird. Es besteht zudem die Gefahr, dass auf dem Gipfel zwischen der EU und Großbritannien, der am 25. November stattfinden wird, etwas schiefgeht.

Anlageimplikationen

Für den Fall, dass es eine Übergangslösung gibt und diese die verschiedenen politischen Hürden überwindet, erwarten wir, dass die Renditen Großbritanniens steigen und die Gilts gegenüber den weltweiten Anleihen eine Underperformance aufweisen werden, da die kurzfristige Unsicherheit abnimmt. Da die britische Wirtschaft voll ausgelastet ist und einige Anzeichen für steigende Löhne zu erkennen sind, erhöht eine Vereinbarung auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of England die Zinssätze stärker erhöht, als dies derzeit von den Märkten eingepreist wird (zwei Erhöhungen in den nächsten zwei Jahren). Dies wiederum würde das britische Pfund unterstützen. Wir würden zudem davon ausgehen, dass die Renditeaufschläge für britische Bankschuldtitel im Vergleich zu ihren globalen Pendants zurückgehen könnten. In jedem Fall dürften nicht die gesamten Brexit-Risikoaufschläge zurückgenommen werden, aber jeder Schritt hin zu einer stabilen künftigen Handelsvereinbarung ist sicherlich hilfreich.


22.11.2018 | 23:54

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