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Neue ESMA-Regeln: Das müssen Trader jetzt wissen

Roland Jegen (Bild: WH Selfinvest)

(Bild: Fotolia / Mattz90)


Ende März 2018 hat die Ankündigung der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) den CFD- und Forex-Handel stärker zu regulieren für einige Aufregung in der Szene gesorgt. Marktteilnehmer sind irritiert: Warum macht die ESMA Gebrauch von Artikel 40, dem sogenannten Notfallartikel?

Von Roland Jegen

In vielen europäischen Ländern ist die Aufklärung der Trader nicht so gut wie in Deutschland. Gerade in Frankreich hat eine regelrechte Überflutung mit unseriösen Angeboten stattgefunden. Dementsprechend ist dort die Anzahl der Beschwerden geradezu durch die Decke geschossen. Bei diesen Beschwerden ist auffällig, dass diese insbesondere zu Brokern außerhalb der EU bzw. zu in Zypern ansässigen Brokern kommen. Insbesondere Zypern wird oft als Qualitätsmerkmal verkauft, da es innerhalb der EU liegt. Jedoch hat hier die ESMA bereits im letzten Jahr festgestellt, dass europäische Mindeststandards nicht eingehalten werden.

Festzuhalten bleibt auch, dass die Beschwerden in Ländern mit fortgeschrittener Aufsicht wie zum Beispiel Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg oder Belgien verschwindend gering sind. Warum für diese Länder nun eine „Notfallmaßnahme“ getroffen werden soll, ist nicht direkt ersichtlich. Fünf wichtige Themen sind jedenfalls festzuhalten.

1.) Hebelbeschränkung auf 1:30 bis 1:2

Fakt ist, dass diese Maßnahmen zum 1. August 2018 eingeführt werden. Wie sehen diese nun im Einzelnen aus? Der erste und entscheidendste Punkt ist die gesetzliche Regulierung des maximalen Hebels. Dieser wird für Major-Forex-Paare auf 1:30 und für andere Währungspaare, Gold und die wichtigsten Indizes auf 1:20 gesetzt. Andere Rohstoffe und kleinere Indizes werden auf 1:10 reduziert, für Aktien gilt eine Beschränkung von 1:5, für Kryptowährungen wurde ein maximaler Hebel von 1:2 festgelegt.

Nach Aussage der ESMA wurden diese Hebel auf Basis der Volatilität gewählt. Dies dürfte beim kritischen Trader einige Fragen aufwerfen: Ist der SMI (wird als kleiner Index gewertet) wirklich doppelt so volatil wie der DAX? Ist das Währungspaar EUR/GBP wirklich wesentlich weniger volatil als ein EUR/AUD? Der Bereich der Staatsanleihen erscheint fast absurd. Diese werden „Andere Börsenindizes und Rohstoffe“ zugeordnet und daher gilt ein Hebel von 1:10. Sind deutsche Staatsanleihen tatsächlich doppelt so volatil wie ein DAX? Gleiches gilt übrigens auch für US-Staatsanleihen. Bei privaten Händlern ist der BUND ein beliebtes Instrument. Als CFD mit einer Margin von über 16.000 Euro ist dieser jedoch praktisch nach den ESMA Maßnahmen nicht mehr handelbar. Tradern bleibt für dieses Instrument daher nur der Futures-Handel. Die Intraday-Margin für einen BUND-Future liegt derzeit unter 1.000 Euro. Über Sinn und Unsinn dieser Regelungen kann sich jeder Trader seine eigene Meinung bilden. Tatsache ist, dass sich jeder Broker daran halten müssen wird.

2.) Neue Margin Close-Out Regeln

Der zweite Punkt ist ein automatisches Close-Out der Positionen bei einem Margin-Prozentsatz von 50 Prozent. Sobald der Verlust aller offenen Position 50 Prozent der geforderten Margin übersteigt, müssen alle Positionen liquidiert werden. Bisher konnte jeder Broker selbst festlegen, wann Verlustpositionen zum Schutz des Kunden geschlossen wurden. Hier haben die Anbieter, auch aufgrund ihres jeweiligen Risikoprofils, verschiedene Ansätze zwischen 100 und 0 Prozent Liquidierungslevel verfolgt.

3.) Abschaffung der Nachschusspflicht

Als dritten Punkt gibt es einen generellen Schutz vor negativen Kontensalden. Für deutsche Trader ist diese Regelung seit der Allgemeinverfügung der BaFin Mitte letzten Jahres bereits bekannt, nun wird diese auch EU-weit eingeführt werden. Diese Maßnahme sollte aber ebenfalls im Sinne des CFD/Forex-Händlers sein.

4.) Reduzierung der Incentives

Viertens werden Restriktionen für die Vergabe von Boni festgelegt. Aktionen wie „Handeln Sie 1.000 Round-Turns und erhalten Sie 100 EUR Gutschrift“ sind damit nun passé. Auch dies wird keinen Trader abhalten, zukünftig CFDs zu handeln.

5.) Standardisierung der Risikowarnung

Als fünften und letzten Punkt müssen Broker eine standardisierte Risikowarnung herausgeben, die den Prozentsatz der Kunden ausweist, die im letzten Quartal Geld verloren haben. Dies wird mit Sicherheit zu Beginn für einige Diskussionen und vielleicht auch Amüsement in der Trader-Szene sorgen. In den USA ist dies seit Jahren bereits Standard und sorgt für keinerlei Aufregung mehr. Interessant wäre aber, wenn andere Produkte diese Transparenz auch zeigen müssten.  Wenn wir uns das 1. Halbjahr 2018 anschauen, sollte wohl jeder Anleger, der zum Beispiel mit ETFs auf den Dax unterwegs ist, im Verlust sein. Gleiches müsste auch für fast 100 Prozen aller Anleger in deutschen Staatsanleihen mit negativen Zinsen gelten. Auch diese Vorgabe ist für den Trader nicht als Nachteil zu bewerten.

Fazit

Es sei hier die provokante These gewagt, dass die Regelungen der ESMA eine Sternstunde für den nachhaltigen CFD/Forex-Handel sind. Broker, deren Geschäftsmodell darin besteht, die Gegenposition des Kunden einzunehmen und mit kleinen Kontogrößen und hohen Hebeln locken, werden es mit den ESMA Restriktionen sehr schwer haben, sich am Markt dauerhaft zu behaupten. Übrig bleiben seriöse Broker mit langjähriger Erfahrung und einem fairen Angebot. Eine langfristige und dauerhafte Kundenbeziehung wird wichtiger denn je. Hiervon werden viele Kunden profitieren.

Mit diesen Änderungen gibt es nur noch sehr wenige sachliche Gründe, warum aktive Investoren und Trader andere Hebelprodukte den CFDs vorziehen sollten. Ebenfalls wird der Sprung in den Futures-Handel, der ja das häufige Ziel vieler privater Trader ist, kleiner. Wenn Emotionen und Unmut über eine Bevormundung etwas zurückgestellt werden, dann scheint die ESMA vielmehr ein Produkt und seine Vermarktung weiter verbessert zu haben.

Roland Jegen ist Broker und Berater bei WH Selfinvest.

11.07.2018 | 15:26

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