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Samba für Ihr Portfolio - Anlagechancen in Lateinamerika

Will Landers

Will Landers


Von Will Landers, Manager des BGF Latin American Fund und BSF Latin American Opportunities Fund

Lateinamerika befindet sich auf der Überholspur. Während der Internationale Währungsfonds für die G7-Staaten im Jahr 2010 ein Wachstum von 2,1% erwartet, sollen die lateinamerikanischen Wirtschaften ungleich stärker wachsen. Satte 6% für Brasilien prognostiziert die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika. Für Chile und Mexiko fallen die Prognosen mit 4,5 und 3,5% etwas moderater aus. Bereits seit dem dritten Quartal vergangenen Jahres sind diese drei Länder, allen voran Brasilien, wieder auf dem Pfad der Erholung. Daneben sind die Fundamentaldaten in der Region stark und die Regierungen halten die Inflation unter Kontrolle. Die Haushaltsdefizite vieler lateinamerikanischer Staaten liegen mit weniger als 4% weit unter denen der USA oder mancher Eurostaaten.

Die positive Entwicklung basiert nicht nur auf dem bekannten Reichtum an Öl, Gold oder Kupfer vieler lateinamerikanischer Länder. Brasilien beispielsweise profitiert von seinem starken Bankensystem und der guten Qualität seiner Vermögenswerte. Das Land weist eine der niedrigsten Inflationsraten in Lateinamerika auf, und die Zinsen sind niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Ein weiterer starker Treiber des Wachstums ist die prosperierende Mittelschicht. Das Pro-Kopf-Einkommen der Brasilianer ist von 2001 bis 2007 um 10,2% gestiegen. Die Mittelschicht ist ökonomisch sehr aktiv und fragt in großem Maße Kredite, Konsumgüter und Dienstleistungen nach. Davon profitieren hauptsächlich die zum Binnenmarkt hin orientierten Sektoren, wie zum Beispiel Banken, Einzelhandel und Hausbau.

Die aktuelle Situation – zunehmender Wohlstand, niedrige Zinsen – sorgt für ideale Wachstumsbedingungen. Gerade im Hypothekengeschäft gibt es noch Luft nach oben, da es noch nicht so flächendeckend verbreitet ist wie in den westlichen Industrienationen. Neben dem privaten Hausbauboom in Brasilien kommen noch staatliche Infrastrukturprojekte für die Fußball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro dazu.

Chile: die Kupfermine der Welt

Ähnlich attraktiv wie Brasilien ist Chile. Nach einer konjunkturellen Abkühlung 2009 erwarten Konjunkturexperten für das Jahr 2010 bereits wieder einen ordentlichen Anstieg des Konjunkturindikators und bis 2013 ein jährliches Wachstum von 6% für den Andenstaat. Dazu tragen auch die Kupferproduzenten bei, denn das auch als Kupfermine der Welt bezeichnete Land besitzt nahezu 40% der weltweit bekannten Kupfererzvorkommen. Experten gehen davon aus, dass die langfristige Nachfrage vor allem aus China und Indien weiter stark steigen und die ohnehin schon sehr hohen Preise weiter treiben wird. Denn der Rohstoff steckt in Kühlschränken und Klimaanlagen, Autos und Computern. Das Wachstum stimuliert ebenfalls positiv den Infrastruktursektor, der durch die Aufbauarbeiten nach dem verheerenden Erdbeben im vergangenen Februar starke Impulse erhalten hat und einen großen Nachholbedarf aufweist.

Für Anleger bieten diese Voraussetzungen interessante Chancen, denn chilenische Aktien sind in letzter Zeit erheblich günstiger geworden. Aufgrund eines starken Pensionsfondssystems, das einen Teil des Vermögens im Land investieren muss, waren die Aktien in Chile zuvor deutlich teurer als die der Nachbarländer – in der Zwischenzeit haben sich die Bewertungsunterschiede jedoch relativiert.

Mexiko: abhängig von den USA

Derzeit etwas herausfordernder ist die Lage in Mexiko. Ein Grund dafür ist die enge Verzahnung der beiden Hauptindustriezweige – Öl und Autos – mit den USA. Solange die US-Wirtschaft keine deutlicheren Erholungssignale sendet, dürfte die Lage angespannt bleiben. Zugleich neigen sich die mexikanischen Ölvorkommen dem Ende zu, sodass der Staat – trotz einer Erholung des Ölpreises – insgesamt weniger Steuern einnimmt.

Trotz der derzeit etwas ungewissen Lage in Mexiko bietet Lateinamerika ein interessantes Investitionsumfeld. Anleger können davon mit gut diversifizierten Fonds profitieren.

06.09.2010 | 00:00

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