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Vereinigte Arabische Emirate: von Perlenfischern und Investment-Perlen


Die Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) liest sich wie ein Märchen aus 1001 Nacht: Seit 1971 entwickelte sich aus vereinzelten Perlenfischerdörfern der führende Wirtschaftsstandort des Mittleren Ostens mit über 5,5 Mio. Einwohnern aus 180 Nationen. Die Wirtschaft wuchs allein in den letzten fünf Jahren um 7,4% bis 9,4% im Jahr. Aber die aktuelle Krise geht auch am Golf-Staat nicht spurlos vorüber. Der internationale Währungsfonds erwartet für 2009 einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um knapp 1,5%. Im selben Zeitraum sollen die Wirtschaften großer Industrienationen aber bis zu 6% schrumpfen. Und schon 2010 werden die VAE nach Prognose der Germany Trade & Invest (GTAI) wieder um 4,5% wachsen.

Gut für die Wirtschaft ist, dass die Regierung der Emirate ihren Kurs beibehält. Bau-, Infrastruktur- und Industrieprojekte werden auch in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise weiter verfolgt. Insgesamt sind laut GTAI bis 2011 Ausgaben in Höhe von 540 Mrd. US-Dollar vorgesehen. Besonders Abu Dhabi sieht gerade jetzt seine Stunde mit Investitionen gekommen, um die Unabhängigkeit der Wirtschaft vom Öl weiter voranzutreiben. Dank des schwarzen Goldes ist die Staatskasse gut gefüllt. Das Emirat ist somit auf ausländische Investoren und Spekulanten nicht angewiesen. Mit Partnern aus dem Ausland werden Geschäfte nur getätigt, wenn Knowhow ins eigene Land transferiert werden soll.

Nischenprojekte statt Glamourimmobilien

Für Anleger sind die VAE also weiter lukrativ. Sie stehen aber vor der Aufgabe, die vorhandenen Investmentperlen unter den angebotenen Beteiligungen herauszufischen. Vorbei ist der Boom mit Luxus- und Büroimmobilien, denn der Markt vollzieht seit einem Jahr scharfe Preiskorrekturen. Massiv ist vor allem der Preisverfall am virtuellen Markt, dem Handel mit unfertigen oder noch in der Planung befindlichen Projekten. Hier ist völlig offen, ob und wann die Immobilien überhaupt gebaut werden.

Unter diesen Voraussetzungen bieten weniger glamouröse Nischenimmobilien, wie Apartmentwohnanlagen für Angestellte im unteren Preissegment, sogenannte Staff Residences, deutlich bessere Renditen. Denn im Rahmen des Hype um Glamourprojekte wurde am tatsächlichen Bedarf vorbei gebaut. Der anhaltende Infrastrukturausbau bindet eine Vielzahl an Arbeitskräften, für die zu wenig bezahlbarer Wohnraum verfügbar ist. In Folge einer Gesetzesänderung werden zudem knapp 70% der bestehenden Staff Residences in den nächsten Jahren abgerissen, da sie den Anforderungen an Ausstattung, Sicherheit und Hygiene nicht mehr genügen. Darum erwartet Selfmade Capital weiterhin eine erhöhte Nachfrage, die zu kontinuierlich steigenden Mieten und zur Erhöhung des Objektwertes führt. Auch die Beteiligung an Infrastrukturprojekten verspricht dem Anleger eine attraktive Rendite. In Abu Dhabi wird etwa gerade das Projekt der ersten und größten Gold- und Silberraffinerie im Mittleren Osten umgesetzt. Über eine Anleihe können sich Investoren am Erfolg der Raffinerie beteiligen. Das Besondere: Hinter der Anleihe steht die Regierung von Abu Dhabi, die im Falle des Misserfolgs den Anlegern das investierte Kapital zurückzahlt.

Kompetenz und Rund-um-Blick sind gefragt

Abseits der Investmentsegmente gibt es zwei weitere Punkte, die der Anleger beachten sollte: Zum einen sollten die handelnden Personen umfangreiche Marktkenntnisse haben und eine enge Vernetzung zu Bauträgern, Regierung, Projektentwicklern und institutionellen Investoren vor Ort nachweisen können. Zum anderen lohnt sich auch ein Blick über die Grenzen von Abu Dhabi und Dubai hinaus. Denn unter den übrigen fünf Emiraten des Wüstenstaats treiben besonders Sharjah und Ras Al Khaimah ihre wirtschaftliche Entwicklung mit Immobilien- und Infrastrukturprojekten gezielt voran. Die VAE sind also auch in Zukunft für Anleger ein interessanter Markt.

Malte Hartwieg
Geschäftsführer
der Selfmade Capital
Holding GmbH

29.10.2009 | 00:00

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