Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Lebensart > Rath unterwegs

Roomers Hotel Baden-Baden - Wie Qualität plötzlich lässig wird

| Carsten K. Rath

Rooftop Bar im Roomers.
Über den Dächern Baden-Badens: Die kreisrunde Rooftop Bar wird am Abend zum stimmungsvollen Treffpunkt mit Schwarzwaldblick. (Foto: Nosh Group)

Das „Roomers Hotel Baden-Baden“ zeigt, wie eine Stadt mit Belle Époque, Casino und Thermalwasser plötzlich jung wirkt– ohne ihre Seele zu verlieren. Hier trifft urbaner Lifestyle auf Schwarzwald-Chic.

Baden-Baden gehört zu den Städten, die mehr liefern, als ihr Ruf vermuten lässt. Viele denken zuerst an Kurhaus, Casino, Thermalwasser und eine elegante Vergangenheit. Ich erlebe etwas anderes: internationale Gäste, moderne Gastronomie, große Kultur – und ein Hotel, das der Stadt eine neue Energie gegeben hat. Das „Roomers“ wirkt auf den ersten Blick wie ein Gegenentwurf zur klassischen Grandhotellerie Baden-Badens. Genau deshalb funktioniert es so gut.

Luxus mit einem Augenzwinkern

Schon nach wenigen Schritten durchs Haus spüre ich: Dieses Hotel ist nicht schüchtern. Große und kleine Kunstwerke begegnen mir überall. Dazwischen ausgesuchte Bücher, wechselnde Möbel, Fotografien, Skulpturen und Graffiti-Art. Nichts wirkt zufällig dekoriert. Alles erzählt eine Geschichte. Besonders gefällt mir, wie das Haus mit seiner Umgebung spielt. Kuckucksuhren tauchen an unerwarteten Stellen auf, Schwarzwälder Motive werden modern interpretiert, regionale Kunst setzt Akzente zwischen internationalen Designklassikern.

Hohe Räume, gedeckte Erdfarben, indirektes Licht und bodentiefe Fenster inszenieren den Schwarzwald als surreales Kunstwerk. Das „Roomers“ nimmt Design ernst, sich selbst aber erfreulich wenig.

Baden-Baden bekommt eine neue Bühne

Als Micky Rosen und Alex Urseanu von der Frankfurter Gekko Group das „Roomers“ 2016 eröffneten, hielten viele das Konzept für einen Fremdkörper. Rooftop-Bar, asiatische Küche, DJ-Sounds und urbanes Lifestyle-Hotel – das klang eher nach Frankfurt oder Berlin als nach Baden-Baden. Zehn Jahre später sieht die Geschichte anders aus. General Manager Dieter Ulbricht führt heute ein Haus, das sich in die Stadt eingefügt hat. Hotelgäste treffen auf Baden-Badener, die Bar lebt wieder, das Restaurant boomt. Das Rooftop ist an Sommerabenden einer der schönsten Plätze der Stadt.

Für unser Ranking „Die 101 Besten“ sehe ich jedes Jahr viele außergewöhnliche Hotels. Die spannendsten darunter besitzen etwas, das sich kaum planen lässt: eine eigene Energie. Genau die spüre ich im Roomers. Dieses Hotel funktioniert als Übernachtungsadresse und als gesellschaftlicher Ort.

 

Moriki: Japan trifft Schwarzwald

Ein gutes Hotel erkennt man oft an seiner Gastronomie. Im Roomers heißt sie „Moriki“. Der Berliner Gastronom The Duc Ngo gibt japanischer Küche mit regionalen Zutaten eine eigene Handschrift. Sushi, Robata-Grill und kreative Gerichte greifen Produkte aus dem Schwarzwald auf. Selbst der Name erzählt diese Verbindung: „Mori“ bedeutet Wald, „Ki“ steht für Lebensenergie.

Mir gefällt diese Leichtigkeit. Das Dinner endet selten mit dem letzten Gang. Ein Cocktail an der Bar folgt logisch, später geht es aufs Rooftop – mit Blick über die Dächer Baden-Badens bis in den Schwarzwald. Diese Mischung aus Genuss und Atmosphäre hat dem „Roomers“ eine eigene Rolle in der Stadt verschafft.

 

Spa über den Dächern der Stadt

Die Stadt lebt seit der Römerzeit vom Thermalwasser. Zwölf Quellen bringen täglich rund 800.000 Liter bis zu 68 Grad heißes Wasser aus etwa 2.000 Metern Tiefe an die Oberfläche. Andere Städte bauen Spas. Baden-Baden ist ein Spa.

Auf der vierten Etage liegen fünf Behandlungsräume, Hammam, Dampfbad, Jacuzzi und eine Dachterrasse mit Blick in den Schwarzwald. Der Rooftop-Pool wirkt weniger wie ein klassischer Wellnessbereich als wie ein urbanes Party-Hideaway über den Dächern der Stadt.

Nach meinem Treatment sitze ich draußen und schaue auf die bewaldeten Hügel. In wenigen Minuten könnte ich im Festspielhaus oder im Casino sein. Dieser Kontrast macht Baden-Baden so besonders.

Mehr Zukunft als Vergangenheit

Seit 2021 gehört Baden-Baden als eine der „Great Spa Towns of Europe“ zum UNESCO-Welterbe. Das ist Auszeichnung und Verpflichtung zugleich. Ein Welterbetitel bewahrt Gebäude – lebendig wird eine Stadt erst durch neue Ideen.

Das „Roomers“ ist für mich ein gutes Beispiel dafür. Es respektiert die Geschichte Baden-Badens, versucht aber gar nicht, sie zu kopieren. Statt Grandezza gibt es Lässigkeit, statt Förmlichkeit Persönlichkeit. Genau dadurch hat das „Roomers“ Baden-Baden jünger gemacht, ohne die Stadt zu verleugnen.

Und vielleicht ist genau das heute die spannendste Form von Luxus.

 

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotelrankings im deutschsprachigen Raum https://die-101-besten.com/ sowie des ersten Hotelgütesiegels Fine Hotels ntv https://fine-hotels.de ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für „BÖRSE am Sonntag“ schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

Rath ist zudem Autor des Buchs „Iconic Hotels of the World“.

Bestellen Sie das Buch „Iconic Hotels of the World“ gerne online unter: https://www.amazon.de/Iconic-Hotels-Hotellerie-Spitzenklasse

PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101“ von Carsten K. Rath, der bei den besten und spannendsten Gästen und herausragendsten Hoteliers hinter die Kulissen blickt.

APPLE: https://podcasts.apple.com/us/podcast/minibar-gest%C3%A4ndnisse-aus-zimmer-101/id1850713158

Spotify: https://open.spotify.com/show/1YZPbe3KSGNfE62xE2f4NQ

Youtube: https://www.youtube.com/@die101bestenhotelsdeutschl7

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel