Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Märkte >

Brasilien: Abstieg eines Börsenstars

In Sao Paolo, Rio und Recife gehen die Bürger auf die Straße, sie protestieren gegen Korruption  und Geldverschwendung. Auch die Anleger sind von der Regierung in Brasilia enttäuscht.

BÖRSE am Sonntag

Bei Schwellenländerinvestoren stand der lateinamerikanische Staat lange Zeit hoch im Kurs. Doch derzeithagelt es schlechte Nachrichten: Der Einkaufsmanagerindex fällt kontinuierlich, das Plus im Staatshaushalt schmilzt, die Börsenkurse gehen auf Talfahrt. Nun droht auch noch S&P mit einer Ratingherabstufung.

Knapp am Minus vorbei: Im vergangenen Jahr wuchs Brasiliens Bruttosozialprodukt um magere 0,9 Prozent. 2010 hatte die rund 200 Millionen Einwohner zählende Volkswirtschaft noch ein Plus von 7,5 Prozent  erzielt. Brasilien spürt die aktuelle Schwäche Chinas und die Rezession Europas. Die beiden Regionen nehmen rund 40 Prozent der brasilianischen Exporte ab. Der private Konsum kann die Ausfälle nicht kompensieren. Zu tief stecken Brasiliens Verbraucher in den Miesen. 22 Prozent ihres verfügbaren Einkommens müssen sie für den Schuldendienst aufbringen.

Schwacher Export, gedämpfte Binnennachfrage – nach einem enttäuschenden ersten Quartal reduzierte die Bank Itau jüngst ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 2,4 Prozent. Mindestens 2,5 Prozent wären aber notwendig, um einen Anstieg der Arbeitslosenrate zu verhindern. Brasiliens Unternehmen sind daher wenig optimistisch. Im Mai sank der Einkaufsmanagerindex zum vierten Mal in Folge.

Versuche der Regierung, das Wachstum mittels Steuererleichterungen zu stimulieren, haben bislang wenig gefruchtet. Stattdessen reduzierte sich das noch vorhandene Plus im Staatshaushalt. S&P gefällt das nicht. Die Ratingagentur drohte mit einer Herabstufung der langfristigen Verbindlichkeiten unterhalb Investmentgrade.

Auch die Aktieninvestoren sehen Brasilien kritisch. Seit Jahresanfang gab der Leitindex Bovespa über 20 Prozent ab. Trotz der steilen Talfahrt und der vielen schlechten Nachrichten: Für einen Einstieg ist es noch zu früh. Die brasilianische Notenbank erhöhte vor kurzem wegen steigender Inflation die Zinsen. Ein Rezept, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, ist das aber nicht. Sondern eher ein zusätzliches Warnsignal.