Brigadegeneral rät Führungskräften: Einfach mal loslassen
Was Unternehmen über Führung und Innovation von der Bundeswehr lernen können, erklärt Brigadegeneral Andreas Steinhaus.
Bundeswehr, Führen und Innovation – wie passt das zusammen? Sehr gut, findet Andreas Steinhaus. Der Brigadegeneral liefert auf dem FRANKFURT FINANCE & FUTURE SUMMIT der WEIMER MEDIA GROUP einen Blitzüberblick darüber, wie sich in Unsicherheit führen lässt. Und Unsicherheit kennt jeder Unternehmer tagtäglich.
Steinhaus hat vor allem mit taktischen Lagen zu tun, Lagen, in denen niemand einen Überblick hat. „Wenn ich da warte, bis ich alles weiß, ist es zu spät und wir sterben“, schildert er. Ein strikter Top-down-Ansatz helfe in der Situation nicht, weil die Daten nicht in der Einsatzzentrale, sondern im vorlägen – der Soldat weiß, was los ist. Bottom-up gehe auch nicht, sagt Steinhaus, weil unten der Überblick fehle.
Auftragsbezogen Ziele festlegen
Seine Lösung, die auch vielen Unternehmern helfen kann: Auftragsbezogen vorgehen. Wobei das nicht bedeutet, jeden einzelnen Schritt zu erklären. „Ich gebe ein Ziel vor und den Rahmen. Das Wie überlasse ich dann den Kollegen.“, sagte der Brigadegeneral. „Ich lasse Freiheit für den Weg.“ Man könne nicht durch kleinteilige Kontrolle führen. Kontrolle abzugeben, sei die Königsdisziplin. Denn: „Kontrolle tötet Geschwindigkeit und neue Ideen.“
Und die sind wichtig, sollte sich die Lage grundlegend ändern, was bei einem Einsatz geschehen kann. Dann müssten die Untergebenen erkennen, dass sich etwas verändert habe und darauf reagieren, notfalls vom Auftrag abzuweichen, um weiterhin das Ziel zu erreichen. Für Steinhaus ist das auch Innovation, etwas anders zu machen, um trotz anderer Rahmenbedingungen das Ziel zu erreichen. Vielleicht etwas anders als in der Unternehmenslandschaft, andererseits ist auch technischer Fortschritt etwas, dass auf anderen Wegen unternehmerische Ziele wie Wachstum und Gewinn erreicht. „Es geht im Kern um den intelligenten Regelverstoß“, sagt Steinhaus.
Um auftragsbezogen vorzugehen, sind einige Voraussetzungen nötig. „Jeder Mitarbeiter muss zwei Ebenen höher denken können“, sagt der Brigadegeneral. Systemverständnis sei zwingend nötig. Ohne herrsche Chaos. Vertrauen in die eigenen Leute sei auch wichtig. Die Unternehmer müssten sie auch einschätzen können, ob sie der Aufgabe gewachsen seine. Und die untergebenen brauchten Mut, das Vertrauen anzunehmen. Auch nicht fehlen darf einheitliches Denken. „Sie brauchen universelle Prinzipien und ein gemeinsames Verständnis zur Entscheidungsfindung.
Für Unternehmerinnen und Unternehmer mag das Vorgehen schwierig sein, schließlich müssen sie aushalten, dass der Weg zum Ziel möglicherweise anders aussieht, als sie es sich gedacht haben, wie Steinhaus sagt. „Und sie müssen Entscheidungen verantworten, die sie nicht selbst getroffen haben.“ Aber: „Wenn wir Innovation wollen, müssen wir in Teilen auch loslassen.“
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