Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Märkte > Ifo-Prognose

Deutsche Wirtschaft vor der Wende? Ifo macht Anlegern Hoffnung

| Redaktion Börse am Sonntag

Containerschiff im Hamburger Hafen.
Containerschiff am Container Terminal Tollerort bei Nacht im Hamburger Hafen. (Foto: picture alliance / Zoonar | Stefan Ernst)

Das Ifo-Institut hat seine Wachstumsprognose für 2026 deutlich angehoben. Doch die Erholung steht auf wackligen Beinen.

Endlich wieder gute Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft: Das Ifo-Institut blickt deutlich optimistischer auf die kommenden Monate als noch vor wenigen Wochen. Die Münchner Konjunkturforscher erwarten inzwischen, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,4 Prozent wächst. Damit wurde die bisherige Prognose um 0,6 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Auch für 2027 fällt der Ausblick besser aus: Statt 0,8 Prozent rechnen die Experten nun mit einem Plus von 1,2 Prozent. Für 2028 wird ein Wachstum von 0,8 Prozent erwartet.

Damit könnte die deutsche Wirtschaft nach einer langen Schwächephase tatsächlich vor einer Trendwende stehen. Allerdings ist der Aufschwung bislang nicht ausschließlich auf eine plötzlich dynamische Privatwirtschaft zurückzuführen. Einen erheblichen Anteil daran haben staatliche Investitionen und eine Belebung der Nachfrage aus dem Ausland.

Milliardenprogramm gibt der Konjunktur Schub

Ein wichtiger Faktor ist die expansive Finanzpolitik der Bundesregierung. Milliarden fließen in Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung. Allein die zusätzlichen staatlichen Ausgaben dürften der Wirtschaft einen deutlichen Impuls geben. Das Ifo-Institut geht davon aus, dass insbesondere die Investitionen in den kommenden Jahren die Nachfrage stützen werden.

Für Deutschland ist das eine wichtige Nachricht. Die vergangenen Jahre waren von schwachem Wachstum, hohen Energiekosten, strukturellen Problemen und einer schwierigen Lage der Industrie geprägt. Nun zeigen sich zumindest erste Verbesserungen.

So hat sich die Industrieproduktion stabilisiert. Gleichzeitig zieht die Nachfrage aus dem Ausland wieder an. Gerade für die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft ist das entscheidend. Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Elektrotechnik oder der Chemie können von einer stärkeren internationalen Nachfrage profitieren.

Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser spricht von einer fortgesetzten Erholung. „Vor allem für die krisengeplagte Industrie zeigen sich Lichtblicke“, erklärt er.

Der Konsum bleibt das Sorgenkind

Ganz so rosig ist das Bild allerdings nicht. Während Investitionen und Exporte für Rückenwind sorgen, bleibt der private Konsum vergleichsweise schwach. Ein wesentlicher Grund sind die weiterhin hohen Preise.

Das Ifo-Institut erwartet für 2026 eine Inflationsrate von 2,8 Prozent. 2027 könnte die Teuerung sogar auf rund drei Prozent steigen, bevor 2028 wieder eine stärkere Annäherung an das Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank erwartet wird. Vor allem höhere Energiepreise sorgen für zusätzlichen Preisdruck.

Für die Verbraucher bedeutet das: Selbst wenn die Wirtschaft wächst, kommt dieser Aufschwung nicht automatisch im Portemonnaie an. Steigende Energie- und Lebenshaltungskosten können die Kaufkraft weiterhin belasten.

Iran-Krieg bleibt Unsicherheitsfaktor

Besonders kritisch ist die geopolitische Lage. Der Krieg im Iran hat die Energiepreise deutlich steigen lassen und damit genau jenen Faktor verschärft, der der deutschen Wirtschaft bereits in den vergangenen Jahren zugesetzt hat.

Das Ifo-Institut sieht darin einen erheblichen Bremsklotz. Zwar seien die negativen Auswirkungen des Energiepreisschocks derzeit geringer als zunächst befürchtet. Eine weitere Eskalation des Konflikts könnte den Aufschwung jedoch jederzeit gefährden.

Für die deutsche Industrie ist das besonders relevant. Energieintensive Unternehmen haben im internationalen Wettbewerb ohnehin mit vergleichsweise hohen Kosten zu kämpfen. Ein erneuter kräftiger Anstieg bei Öl und Gas würde deshalb direkt auf Margen und Investitionsbereitschaft durchschlagen.

Auch andere Institute werden optimistischer

Auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft hat seine Wachstumsprognose für Deutschland angehoben. Die Kieler Ökonomen erwarten für 2026 ein BIP-Plus von 1,3 Prozent, nachdem zuvor lediglich 0,8 Prozent veranschlagt worden waren. Gleichzeitig warnen sie vor der Fragilität des Aufschwungs und den langfristigen strukturellen Problemen des Standorts.

Damit zeichnet sich ein gemeinsames Bild ab: Deutschland könnte tatsächlich aus der wirtschaftlichen Schwächephase herauskommen – allerdings vorerst mit Unterstützung durch den Staat und eine bessere internationale Nachfrage.

Was bedeutet das für die Börse?

Für Anleger sind die verbesserten Konjunkturaussichten grundsätzlich positiv. Besonders zyklische Unternehmen könnten profitieren, wenn Investitionen und Auftragseingänge tatsächlich anziehen. Maschinenbauer, Bauunternehmen, Industriekonzerne und Anbieter von Infrastruktur könnten zu den Gewinnern zählen.

Auch Banken könnten von einer wirtschaftlichen Belebung profitieren, weil eine stärkere Konjunktur normalerweise die Kreditnachfrage verbessert und das Risiko von Kreditausfällen reduziert. Gleichzeitig könnten Unternehmen wieder stärker investieren, was zusätzliche Finanzierungsgeschäfte ermöglicht.

Für die DAX-Entwicklung ist die Nachricht ebenfalls hilfreich. Allerdings dürften Anleger genau beobachten, ob aus den verbesserten Prognosen tatsächlich steigende Unternehmensgewinne werden. Ein höheres BIP allein garantiert noch keine kräftig steigenden Aktienkurse.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel