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Taj The Pierre New York – Wenn Börsenkapital auf New Yorker Grandezza trifft

| Carsten K. Rath

The Pierre thront an der Fifth Avenue.
Eine der wertvollsten Adressen Manhattans: The Pierre thront an der Fifth Avenue unmittelbar am Central Park. (Foto: Taj The Pierre)

Seit 2005 führt die börsennotierte Indian Hotels Company aus dem Tata-Imperium das legendäre „Taj The Pierre“ an der Fifth Avenue. Ein faszinierendes Beispiel dafür, wie aus New Yorker Grandezza globaler Markenwert wird.

Fifth Avenue, Ecke 61st Street, direkt gegenüber dem Central Park: Viel exklusiver lässt sich New York kaum adressieren. Als ich das „Taj The Pierre“ betrete, bleibt der Lärm Manhattans draußen. Schwarz-weißer Marmorboden, schwere Kristalllüster, Art-déco-Eleganz – der 1930 eröffnete, 41-stöckige Hotelturm wirkt wie ein Gegenentwurf zum Tempo der Stadt.

General Manager und Senior Vice President Operations Europe & USA Spiridon Sarantopoulos kenne ich noch aus seiner Zeit im „Frankfurter Hof“. Er führt heute ein Haus, dessen eigentlicher Luxus für mich in seiner Beständigkeit liegt. Hier wird Geschichte nicht ausgestellt, sondern weitergelebt.

Genau das erkannte auch Ratan Tata. Der damalige Chairman des indischen Tata-Konzerns sah im „Taj The Pierre“ die ideale Adresse, um der Luxusmarke „Taj“ größere Sichtbarkeit auf dem nordamerikanischen Markt zu verschaffen. Ein bemerkenswerter strategischer Schachzug: „Taj“ musste die Immobilie dafür nicht kaufen. Das Gebäude gehört der New Yorker Co-op-Gesellschaft 795 Fifth Avenue Corporation. „Taj“ übernahm 2005 als Leasingnehmer den Hotelbetrieb. Der Konzern investierte damit vor allem in etwas, das sich schwer in Quadratmetern berechnen lässt: Reputation.

Als Elizabeth Taylor hier zu Hause war

Wie eng im „Taj The Pierre“ Hotellerie und Immobiliengeschäft schon früh miteinander verbunden waren, zeigt ein Blick zurück. 1959 wurden Teile des Hotels in Privatresidenzen umgewandelt. Elizabeth Taylor lebte hier, später verband auch Yves Saint Laurent seinen Namen mit der Adresse.

Heute sind 13 dieser legendären Apartments als Grand Suites wieder Teil des Hotels. Ich betrete eine Welt aus Seidentapeten, maßgefertigten Möbeln und schweren Marmorbädern. Moderne Technik verschwindet diskret hinter der historischen Kulisse.

Darin steckt eine interessante Lektion über Luxusimmobilien: Wert erhält sich selten durch Stillstand. Zu wenig Investment lässt ein Haus altern, zu viel Modernisierung nimmt ihm seine Identität. Das Pierre schafft diesen Spagat erstaunlich souverän.

Ein kleiner Koch trifft auf 1930

Auch kulinarisch spielt das Hotel mit Vergangenheit und Gegenwart. Küchenchef Vincenzo Garofalo verbindet seine italienischen Wurzeln mit New Yorker Weltoffenheit. Besonders überraschend wird es beim „Le Petit Chef“: Per 3D-Mapping läuft plötzlich ein winziger animierter Koch über meinen Tisch und bereitet virtuell mein Menü zu, bevor die echten Gerichte serviert werden.

Ein digitaler Küchenchef in einer New Yorker Grande Dame von 1930? Gerade dieser Kontrast funktioniert.

Später sitze ich auf der Rosé Terrace und schaue über den Central Park. In solchen Momenten verstehe ich, warum eine außergewöhnliche Lage in der Hotellerie weit mehr ist als eine Immobilienkennzahl.

Vom Traditionshaus zur Börsenstory

Hinter „Taj“ steht heute einer der spannendsten Hotelkonzerne Asiens. Die an den Börsen in Mumbai notierte Indian Hotels Company hat sich in den vergangenen Jahren vom hoch verschuldeten Unternehmen zu einem profitablen, cash-positiven Konzern entwickelt und expandiert international zunehmend über Managementverträge. Zum Portfolio gehören inzwischen Hunderte Hotels verschiedener Marken.

Das „Taj The Pierre“ ist damit weit mehr als ein prestigeträchtiges Einzelhaus. Es steht exemplarisch für eine Strategie, bei der Wachstum nicht zwingend bedeutet, Immobilien selbst besitzen zu müssen. Entscheidend sind Marke, Management und Zugang zu außergewöhnlichen Standorten. Auch deshalb würde ich das Pierre im Ranking der „101 Besten“ weit oben sehen.

An der Börse lässt sich der Wert eines Hotelkonzerns jeden Tag ablesen. Der Wert einer Adresse wie des „Taj The Pierre“ ist komplizierter. Er entsteht aus Lage, Geschichte, Menschen – und Namen wie Elizabeth Taylor, die noch Jahrzehnte später Strahlkraft besitzen. Taj hat verstanden, dass man eine solche Ikone nicht neu erfinden muss. Man muss ihre Grandezza bewahren und zugleich dafür sorgen, dass sie niemals von gestern ist.

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotelrankings im deutschsprachigen Raum https://die-101-besten.com/ sowie des ersten Hotelgütesiegels Fine Hotels ntv https://fine-hotels.de ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für „BÖRSE am Sonntag“ schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

Rath ist zudem Autor des Buchs „Iconic Hotels of the World“.

Bestellen Sie das Buch „Iconic Hotels of the World“ gerne online unter: https://www.amazon.de/Iconic-Hotels-Hotellerie-Spitzenklasse

 

PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101“ von Carsten K. Rath, der bei den besten und spannendsten Gästen und herausragendsten Hoteliers hinter die Kulissen blickt.

APPLE: https://podcasts.apple.com/us/podcast/minibar-gest%C3%A4ndnisse-aus-zimmer-101/id1850713158

Spotify: https://open.spotify.com/show/1YZPbe3KSGNfE62xE2f4NQ

Youtube: https://www.youtube.com/@die101bestenhotelsdeutschl7

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