„Die Umverteilungsbürokratie ist das Problem in Europa“
Unternehmer Georg Kofler wünscht sich eine radikale Wende für Deutschland – und fordert sie mit einiger Dramatik.
Am Anfang ist er noch ganz ruhig. Er sei ein Verfechter der europäischen Integration, sagt Georg Kofler beim Frankfurt Finance & Future Summit der WEIMER MEDIA GROUP. Dann redet sich der Unternehmer und ehemalige Juror der Gründershow „Höhle der Löwen“ zielorientiert in Rage. „Aktuell driften wir in Europa und Deutschland in eine dirigistische, interventionistische Haltung“, meint Kofler, der gemeinsam mit BMW-Chefvolkswirt Kai Fournel und David Kurz, Development Specialist beim Kryptohandelsplatz Bitvavo, auf der Bühne sitzt.
Kofler glaubt Deutschland auf dem Weg „von der Marktwirtschaft hin zur Staatswirtschaft, weg von Risikobereitschaft, hinein in Regulierung“. Europa habe ein Bürokratie- und Subventionsmonster mit so vielen Fördertöpfen hervorgebracht, dass sich keiner mehr auskenne. „Das ist antiunternehmerisch.“ Zunächst werde den Bürgern mit überhöhten Steuern das Geld aus der Tasche gezogen, dann bestimmten Beamte und Staatssekretäre darüber, was gefördert werde und was nicht.
Weiter forderte Kofler: „Kapitalisten muss man willkommen heißen und nicht ständig verdächtigen und diskreditieren.“ Durch den Fokus auf keynesianische Wirtschaftspolitik steige die Staatsquote, weil vor allem linke Politiker dem Märchen anhingen, mehr Staat bringe mehr Wohlstand. „Nein, mehr Markt, mehr Kapitalismus, bringt mehr Wohlstand.“ Sozialismus schaffe Staatsbürokratie, Überregulierung und ende in einer „gleichverteilten Armut“. Er sage das nicht, weil er Ideologe sei, sondern Unternehmer. „Die Umverteilungsbürokratie ist das eigentliche Problem“, behauptet Kofler. Sein Fazit: „Wir müssen in Deutschland und Europa radikaler im guten Sinne des Wortes sein.“
Beim eigenen Auto macht es Kofler vor. „Ich werde nie wieder einen Verbrenner fahren“, legt sich der Investor fest. „Weil ich dieses ruhige Dahingleiten so toll finde.“
Apropos Auto. BMW-Chefvolkswirt Fournel sieht „starke Dogmen“ und „starke Lager“, die sich in Deutschland gegenüberstehen. „Wir müssen pragmatische Lösungen finden, um da herauszukommen.“ Der Ökonom votiert mit Blick auf die Wirtschaft für eine starke Heimatbasis. Das geopolitische Grundkonstrukt der „auseinanderdriftenden Blöcke“ werde bleiben, auch wenn Donald Trump, einmal nicht mehr da sei. Der US-Präsident befeuert das Ganze mit seiner Politik. „Es kann nicht sein, dass wir jedes Mal, wenn die Welt hustet, eine Grippe bekommen“, sagt Fournel.
Kurz von der Krypto-Plattform Bitvavo wünscht sich mehr Möglichkeiten für ein „Out of the Box“-Denken. Dafür sei nicht unbedingt die Kettensäge nötig, wie sie Kofler mit Blick auf Javier Mileis Politik in Argentinien auch für Deutschland einforderte, aber eine „proaktivere Kommunikation mit dem Gesetzgeber“. Gründer in den USA würden gründen und innovieren und das Land schaue dann, inwieweit es die Rahmenbedingungen und Gesetze anpassen müsse. In Europa sei es andersherum. Ein Hemmschuh für bahnbrechende Innovation.
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