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Nackt im virtuellen Konferenzraum

„Wir können ja begeistert sein, dass wir mit der KI-Verordnung als erste in der Welt einen Rahmen geschaffen haben“, sagt Michael Fausel, Gründungspartner und Rechtsanwalt bei Bluedex Labour Law auf dem Frankfurt Finance & Future Summit. „Aber wir haben damit etwas begrenzt, das wir nicht verstehen.“ (Foto: WEIMER MEDIA GROUP)

Bei Personalführung wird künstliche Intelligenz die Effizienz erhöhen. Allerdings führt ihr Einsatz auch zu teils kuriosen rechtlichen Fragen.

Von Midia Nuri

Manche Menschen sind Naturtalente der Führung. Aber selbst sie werden zustimmen, dass sich immer etwas dazulernen lässt. Technologie eröffnet neue Möglichkeiten, künstliche Intelligenz (KI) zum Beispiel. Wer sie einsetzt, muss sich auch von bekannten Verhalten trennen.

„Teams, die mit KI arbeiten, sind nicht nur um zwölf Prozent effektiver, sie sind auch zufriedener und emotional besser drauf“, sagt Gabriele Hässig, Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit Procter & Gamble DACH, auf dem Frankfurt Finance & Future Summit der WEIMER MEDIA GROUP. Ihr Unternehmen lege deshalb großen Wert darauf, dass alle Mitarbeiter damit arbeiteten. „Aller Anfang ist schwer“, sagt sie. „Aber wenn man es nicht beginnt, wird man auch nicht weit kommen.“

„Der Fokus von Führung wird sich verschieben, ist Michael Fausel überzeugt, Gründungspartner und Rechtsanwalt bei Bluedex Labour Law. Purpose und Motivation seien wichtig, aber nicht vergessen dürften Verantwortliche in Unternehmen auch die Konsequenz von KI-Einsatz. In seinem arbeitsrechtlichen Bereich, also dem Personalbereich, werde es technischer werden – und damit wichtiger, Awareness zu schulen, um selektive Bewerberauswahl durch Biases der KI zu vermeiden. „Wir können ja begeistert sein, dass wir mit der KI-Verordnung als erste in der Welt einen Rahmen geschaffen haben“, sagt Fausel. „Aber wir haben damit etwas begrenzt, das wir nicht verstehen.“

Der Einsatz von KI werde noch interessante Fragen im Bereich der Menschenführung aufwerfen. „Das ergibt lustige Fälle“, sagt der Arbeitsrechtler. Und verweist auf ein Unternehmen in den Niederlanden, das die Vorstandssitzungen ins Metaverse des US-Konzerns Meta verlagert hat, mit Avataren. „Jeder durfte und sollte ein bisschen mit der Form und den Haaren spielen dürfen“, sagt Fausel. Ein Teilnehmer habe darauf keine Lust gehabt. „Sein Avatar kam nackt.“ Er wurde daraufhin aufgefordert, das zu ändern, was er verweigerte und die Kündigung dafür erhielt. „Im realen Leben wäre klar, dass er nicht einfach nackt erscheinen kann.“ Aber im Metaverse?

Technik sei nur oberflächlich betrachtet der entscheidende Faktor für Erfolg, ist Katharina Jessel überzeugt, im Vorstand der Versicherungskammer für Vertrieb und Marketing zuständig. „Vertrauen ist die wichtigste Währung unserer Zeit – zugleich die seltenste, weil man sie sich erarbeiten muss, verdienen.“ Genauer hingeschaut hat sie vor Jahren beim America’s Cup.

„Normalerweise gewinnen den Cup entweder Amerikaner oder Neuseeland“, sagt Jessel. „Ich hab damals gedacht: Hightech-Segeln mit viel Technik – wer die beste hat, kann alles erreichen“, erinnert sie sich. Damals gewannen Schweizer und Jessel erkannte: „Hinter einem solchen Erfolg steht ein Team, in dem jeder einen sehr klaren Verantwortungsbereich hat und das volle Vertrauen genießt, dass er an seinem Platz sein Bestes gibt.“

Jeder im Team ist also Experte und jeder genießt Vertrauen – und zerlegt so die komplexe Aufgabe in machbare Einzelschritte, wie sie erklärt. Was das mit KI zu tun hat? Auch sie zerlege Komplexität in solche Einzelschritte, sagt Jessel. Sie werde künftig die

Tasks bearbeiten, ist sie überzeugt. Dabei gelte Sinn vor Aufgabe. Für den Sinn sei auch weiter der Mensch da. Dessen Commitment brauche es. „Und zur Menschenführung gehört für mich, mein Team zu diesem Commitment zu bringen.

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