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Märkte > Ludwig-Erhard-Gipfel 2024

Neuer Mut zu neuen Märkten: Wo Chefs Deutschlands Chancen sehen

Beim Panel zur Entwicklung der Weltwirtschaft auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel wurde deutlich, dass die Luft für Deutschland beim Wettbewerb dünner wird. (Foto: WEIMER MEDIA GROUP):

Die Luft wird dünner für den Wirtschaftsstandort Deutschland im globalen Wettbewerb. Da sind sich Firmenchefs einig. Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel haben einige jetzt verraten, wo sie die besten Chancen sehen.

Von Christoph Sackmann

Wie gut geht es dem Wirtschaftsstandort Deutschland und welche Chancen und Risiken lauern in den USA, China und anderen Märkten? Diese Fragen diskutierten Rainer Barthel, Vorsitzender Geschäftsführer des Leuchtmittel-Herstellers Osram, Siemens-Cheftüftlerin Annemarie Große Frie, Audi-Vorständin Renate Vachenauer und Rüdiger Kaub, Vorsitzender Geschäftsführer des Baumaschinenhersteller Bauer am ersten Tag des Ludwig-Erhard-Gipfels am Tegernsee, ausgerichtet von der Weimer Media Group und Die Bayerische Wirtschaft (VBW und Bayme VBM).
Einig sind sich alle, dass Abgesänge auf den Standort Deutschland verfrüht sind. „Ich kann noch gut schlafen“, sagt Barthel, „wir sind in Deutschland noch wettbewerbsfähig aufgestellt.“ Vachenauer zählt Vorteile wie Rechtssicherheit, soziale Sicherheit und das hohe Bildungsniveau auf und ihre Kollegin Große Frie von Siemens geht sogar noch weiter: „Deutschland ist für Forschung und Entwicklung ein toller Standort.“ Die Siemens-Managerin erinnert dabei auch gerne an den Nobelpreis für Medizin, den 2022 der Schwede Svante Pääbo gewann, der seit Jahrzehnten am Leipziger Max-Planck-Institut forscht.

„Wir müssen uns nicht verstecken“

Aber alle Panel-Teilnehmer sind sich auch einig, dass „die Luft dünner wird“, wie es Barthel ausdrückt. „Wenn ich unsere Standorte in China anschaue, herrscht da eine beeindruckende Arbeits- und Innovationskraft.“ Angst macht das aber keinem: „Das chinesische Tempo ist beeindruckend, aber wir müssen uns nicht verstecken“, sagt Vachenauer und verweist auf 20 neue Elektroauto-Modelle, die Audi in der Pipeline hat. „Wir investieren da Milliarden von Euro – nicht nur in uns, sondern auch in unsere Zulieferer.“ Zudem haben die deutschen Unternehmen auch gelernt, von Chinas Stärken zu profitieren. „Wir sind seit mehr als 30 Jahren in China engagiert, seit mehr als 20 Jahren haben wir ein Werk nahe Peking“, sagt Kaub, „so können wir auch die Preislücke zu unseren chinesischen Konkurrenten schließen.“
Das Stichwort, das alle gerne dafür benutzen, lautet „local for local“, also Produkte dort zu produzieren, wo sie am Ende auch verkauft werden. Das funktioniert nicht nur in China gut, sondern auch in den USA. „Insofern wäre eine erneute Wahl Donald Trumps zum Präsidenten sogar gut für uns“, sagt Barthel für Osram. Für seine Manager-Kollegen auf der Bühne am Tegernsee gilt das alle gleichermaßen. „Die USA sind für Audi ein ganz wichtiger Wachstumsmarkt“, sagt etwa Vachenauer und verweist auf ein Absatzwachstum von 50 Prozent dort bei Elektroautos im vergangenen Jahr. „Egal, wer im Weißen Haus sitzt, die Zeichen stehen dort auf mehr Nationalismus und Protektionismus“, sagt Große Frie.

Angriff auf Taiwan durchgespielt

Auch auf der anderen Seite der Erde blüht ein Konflikt, der deutsche Unternehmen schwer treffen könnte, sollte China tatsächlich Taiwan militärisch angreifen, was der chinesische Präsiden Xi Jinping mehrmals als Ziel ausgegeben hat. Jedes Unternehmen aus Deutschland muss andere Wege finden, damit umzugehen. „Wir haben das Szenario schon durchgespielt“, sagt Kaub. Geräte, die Bauer bisher in China lagerte, wurden dafür bereits nach Singapur umgeleitet. „Wir kontrollieren unseren Lagerbestand in China sehr genau, damit wir im Krisenfall dort nicht zu viele Waren haben, auf die wir nicht mehr zugreifen können.“ Auch bei Osram hat gibt es Szenarien für einen Krieg im Südchinesischen Meer, „aber wir haben bisher noch keine Möglichkeit gefunden, um uns gut vorzubereiten“, sagt Barthel.

Der Maschinenbauer Bauer hat auch schon neue Märkte im Visier. „Vor Corona waren wir voll auf China fixiert. Nach den multiplen Krisen seitdem ist uns das zu riskant“, sagt Kaub. Als Ausgleich expandiert Bauer jetzt in Indien. Dort treffen sie auf viele chinesische Konkurrenten, die Produktionsstätten auf den Subkontinent verlagern, um im Fall von US-Strafzöllen gegen Waren aus China gewappnet zu sein. „Das ist wie Massentourismus“, sagt Kaub mit einem Lächeln.
 

Nachhaltigkeit als größter neuer Markt

Neue Märkte suchen deutsche Unternehmen jedoch nicht nur geografisch. „Der größte Markt der Zukunft wird das Thema Nachhaltigkeit sein“, sagt Siemens-Cheftüftlerin Große Frie. Auch Künstliche Intelligenz ist für sie wichtig. Was Deutschland tun muss, um dort erfolgreich zu sein? „Wir müssen mehr in Bildung investieren, damit eine nächste Generation heranwächst, die ihrer Verantwortung gerecht werden kann.“

Sie können den Ludwig-Erhard-Gipfel live unter www.leg-live.de verfolgen. Den Ticker zum Gipfel finden Sie hier.